Gaza: Welthungerhilfe meldet bis zu zehnmal höhere Lebensmittelpreise
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSLebensmittel im Gazastreifen kosten nach Angaben der Welthungerhilfe inzwischen bis zu zehnmal so viel wie vor dem Krieg. Generalsekretär Mathias Mogge drängte nach einem Besuch im Gazastreifen auf weitere Hilfslieferungen und eine bessere Wasser- und Sanitärversorgung.
Gurken und Tomaten besonders teuer
„Die Preise liegen in der Regel beim Acht- bis Zehnfachen dessen, was die Waren vor dem Krieg gekostet haben“, sagte Mogge den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Gurken kosteten mittlerweile vier US-Dollar statt zuvor 30 Cent, Tomaten fünf Dollar statt zuvor 50 Cent.
Der Preis für Brot habe sich verdoppelt. Gleichzeitig hätten die meisten Menschen praktisch kein Einkommen mehr. „Viele sind deshalb komplett abhängig von Nahrungsmittelhilfe von außen“, sagte Mogge.
Welthungerhilfe fordert schnelle Hilfe
Mogge drängte auf weitere Hilfslieferungen, um die akute Not zu lindern. „Nahrungsmittel müssen bereitgestellt und die Wasser- und Sanitärversorgung verbessert werden“, sagte er.
Um die Menschen unabhängiger von Hilfslieferungen zu machen, müsse sich die Wirtschaftslage im Gazastreifen verbessern. Dafür brauche es wirtschaftlichen Wiederaufbau und mehr lebenswichtige Güter, die in den Gazastreifen hineingelassen werden, sagte Mogge.
Die von Mathias Mogge genannten Preisbeispiele verdeutlichen, wie stark sich die Versorgungslage im Gazastreifen von einem normalen Markt entfernt hat. Wenn Gurken und Tomaten ein Vielfaches früherer Preise kosten und zugleich Einkommen wegfallen, können selbst verfügbare Waren für große Teile der Bevölkerung unerschwinglich bleiben.
Die Preisentwicklung ist deshalb nicht nur eine Frage der Inflation. Zerstörte Infrastruktur, eingeschränkte Handelswege, hohe Transportkosten und die Abhängigkeit von eingeführten Gütern beeinflussen, welche Lebensmittel auf Märkten ankommen und zu welchem Preis sie verkauft werden können. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden im Gazastreifen zudem rund 1,9 Millionen Menschen vertrieben; Satellitenauswertungen erfassten Schäden an 82 Prozent der Bauten. Diese Zerstörung erschwert Versorgung, Lagerung, Produktion und den Zugang zu sauberem Wasser.
Hilfslieferungen und Wiederaufbau
Kurzfristig geht es um ausreichende Nahrungsmittel, Trinkwasser sowie funktionierende Sanitärsysteme. Hilfslieferungen können akute Engpässe abfedern, ersetzen aber keine regulären Märkte und kein Einkommen. Dauerhafte Entlastung setzt daher voraus, dass mehr lebenswichtige Güter zugelassen werden, lokale Wirtschaftsstrukturen wieder anlaufen und beschädigte Infrastruktur schrittweise repariert wird.
Für die Bevölkerung bedeutet die Entwicklung eine doppelte Belastung: Selbst dort, wo Waren erhältlich sind, fehlt vielen Menschen die Kaufkraft. Der von der Welthungerhilfe geforderte Wiederaufbau ist damit nicht nur eine langfristige politische Aufgabe, sondern auch eine Voraussetzung dafür, dass Lebensmittelversorgung wieder weniger von externer Hilfe abhängt.
