Gasspeicher: Reiche erwartet keine Mangellage im Winter
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erwartet trotz vergleichsweise niedriger Füllstände keine Gasmangellage im Winter. Die Versorgung könne auch für einen kalten Winter als gesichert gelten, sagte sie der „Bild am Sonntag“.
Reiche betonte zugleich, die Speicher müssten so weit befüllt werden, dass Deutschland auch längere Kälteperioden überstehen könne.
Zusätzliche Mengen über LNG-Terminals
Nach Angaben der Ministerin stehen an den Küsten große LNG-Einheiten bereit, über die Deutschland zusätzlich Gas beziehen könne. Ihre jüngste Anweisung an das bundeseigene Unternehmen Sefe, mehr Gas einzuspeisen, sei deshalb kein Hinweis darauf, dass sie die Lage zuvor unterschätzt habe.
Reiche verwies außerdem auf den in den vergangenen Jahren gesunkenen Gasverbrauch. Es müsse ein Ausgleich zwischen den Kosten staatlicher Vorsorge und den Preisen am Markt gefunden werden.
Staatliche Unternehmen sollen Speicher füllen
Der Staat könne nicht jedes Risiko übernehmen, sagte die Ministerin. Die beiden Unternehmen im Bundesbesitz, Uniper und Sefe, kämen ihren Verpflichtungen nach, für ausreichende Speicherstände zu sorgen, und würden dies in den nächsten Tagen weiter tun.
Die Einschätzung der Wirtschaftsministerin beruht auf mehreren Bezugsquellen: Deutschland kann Gas nicht nur aus Speichern, sondern auch über LNG-Terminals und Pipelineverbindungen beziehen. Dadurch hängt die Versorgung im Winter nicht allein vom Füllstand zum Beginn der Heizperiode ab.
Gleichzeitig bleibt der Speicherstand ein wichtiger Puffer. Nach aktuellen Angaben liegen die deutschen Speicher bei rund 58 Prozent beziehungsweise knapp 144 Terawattstunden. Im vergangenen Winter wurden insgesamt etwa 134 Terawattstunden aus den Speichern entnommen. Bei einem durchschnittlichen Winter reicht die rechnerische Ausgangslage damit aus; längere Kälteperioden könnten die Speicher jedoch deutlich stärker beanspruchen und die Füllstände im Februar oder März weit nach unten drücken.
Speicherpolitik zwischen Sicherheit und Kosten
Die Anweisung an Sefe steht in einem Spannungsfeld zwischen Versorgungssicherheit und Beschaffungskosten. Staatliche Unternehmen sollen zusätzliche Mengen einkaufen, obwohl hohe Marktpreise das Befüllen verteuern. Zugleich hat der geringere Gasverbrauch der vergangenen Jahre den Bedarf an großen Vorräten reduziert. Für Haushalte bedeutet die Lage vor allem, dass eine Mangellage nicht erwartet wird, Preisrisiken aber bestehen bleiben.
Die Debatte reicht über den kommenden Winter hinaus. Die Bundesregierung plant eine strategische Gasreserve, deren Aufbau nach einer Gesetzesänderung im Jahr 2027 beginnen soll. Offen ist, ob deren Finanzierung über eine Umlage, den Bundeshaushalt oder eine Kombination beider Wege erfolgt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag bestätigt die Einschätzung, dass die Versorgung bei einem normalen Winter gesichert ist, verweist aber auf die ungewöhnlich niedrigen Speicherstände. Einen Schwerpunkt legt er auf die mögliche Belastung im Februar und März sowie auf die zusätzliche Absicherung durch LNG und Pipelineimporte.
Dieser Artikel ordnet die niedrigen Speicherstände stärker europapolitisch und marktökonomisch ein. Im Mittelpunkt stehen die Kosten verbindlicher Füllstandsvorgaben und der Konflikt zwischen staatlicher Vorsorge, Beschaffungspreisen und der Verantwortung privater Händler.
Beide Beiträge teilen die Einschätzung, dass kurzfristig keine Gasmangellage für einen normalen Winter erwartet wird. Unterschiede bestehen beim Schwerpunkt: Während die Frankfurter Rundschau die konkrete Versorgungslage und Kälte-Risiken betrachtet, richtet FOCUS online den Blick auf die langfristige Regulierung und ihre Kosten.
