Galeria, Insolvenz

Galeria stellt erneut Insolvenzantrag – Zukunft von 83 Filialen offen

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 10:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf erneut einen Insolvenzantrag gestellt. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll zunächst weiterlaufen, doch für rund 12.000 Beschäftigte und zahlreiche Standorte ist die Zukunft offen.

  • Galeria hatte erst im Sommer eine Neuausrichtung angekündigt. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    Galeria hatte erst im Sommer eine Neuausrichtung angekündigt. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Bernd Beetz zählt seit zwei Jahren zu den Eigentümern von Galeria. (Archivbild) - Bild: Fabian Strauch/dpa
    Bernd Beetz zählt seit zwei Jahren zu den Eigentümern von Galeria. (Archivbild) - Bild: Fabian Strauch/dpa
  • Einzelne Vermieter klagten in den vergangenen Monaten über ausbleibende Mietzahlungen. (Archivbild) - Bild: Jörg Carstensen/dpa
    Einzelne Vermieter klagten in den vergangenen Monaten über ausbleibende Mietzahlungen. (Archivbild) - Bild: Jörg Carstensen/dpa
Galeria hatte erst im Sommer eine Neuausrichtung angekündigt. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa Bernd Beetz zählt seit zwei Jahren zu den Eigentümern von Galeria. (Archivbild) - Bild: Fabian Strauch/dpa Einzelne Vermieter klagten in den vergangenen Monaten über ausbleibende Mietzahlungen. (Archivbild) - Bild: Jörg Carstensen/dpa

Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt; der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen.

Arbeitsplätze und Filialen betroffen

Der Antrag soll nach Angaben des Unternehmens den rechtlichen Rahmen schaffen, um die aktuelle Situation zu ordnen, Galeria zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen. Zu den Hintergründen machte die Kette zunächst keine weiteren Angaben.

Für die rund 12.000 Beschäftigten ist offen, ob sie Insolvenzgeld erhalten und welche Standorte möglicherweise schließen müssen.

Vierter Antrag seit 2020

Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. In den zurückliegenden Verfahren wurden zahlreiche Filialen geschlossen; Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen.

Der bislang letzte Antrag war vor gut zweieinhalb Jahren gestellt worden. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa. Damals mussten neun der 92 Warenhäuser schließen.

Neue Eigentümer und Sanierungsplan

Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen, der Unternehmenssitz wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt.

Im April 2026 hatten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen beklagt. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und bat Vermieter um Stundungen. Im Juni erhielt Galeria eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro von Gordon Brothers, die unter anderem zur Ablösung eines laufenden Kredits und zur Begleichung offener Mieten dienen sollte.

33 Warenhäuser auf dem Prüfstand

Die Finanzierung ist an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser zu prüfen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Eine Entscheidung über die Zukunft der Filialen stand zuletzt aus.

Warenhäuser verlieren an Bedeutung

Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI sank der Nettoumsatz von Galeria Karstadt Kaufhof von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf rund 2 Milliarden Euro sechs Jahre später. Die Zahl der Standorte hatte sich in diesem Zeitraum mehr als halbiert.

Der Marktanteil von Kauf- und Warenhäusern sank laut EHI seit 2020 von 4,2 auf zuletzt 1,2 Prozent. In den Zahlen sind neben Galeria unter anderem Müller und Woolworth enthalten. Ein Ende von Galeria würde zugleich das Ende der Ära klassischer Warenhäuser markieren.

Einzelhandel unter Druck

Die schwache Konsumstimmung und der wachsende Onlinehandel belasten den deutschen Einzelhandel. Nach Angaben von Allianz Trade meldeten zwischen Juni 2025 und Mai 2026 gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an – ein Zehnjahreshoch.

Zu den jüngeren Fällen zählen die Non-Food-Discounter Kodi und Mäc Geiz, die Deko-Kette Depot sowie die Baumarktkette Hellweg. Nach einer Prognose des Handelsverbands Deutschland könnte die Zahl der Geschäfte in Deutschland in diesem Jahr unter 300.000 sinken; Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.

Vierter Insolvenzantrag in sechs Jahren

Der erneute Antrag zeigt, wie wenig nachhaltig die bisherigen Rettungen von Galeria offenbar waren. Nach den Verfahren von 2020, 2022 und 2024 wurden Filialen geschlossen, Milliardenforderungen erlassen und die Eigentümerstruktur verändert. Dennoch blieb das Geschäftsmodell unter erheblichem Druck.

Besonders problematisch ist die Kombination aus hohen Standortkosten, schwacher Konsumstimmung und einem seit Jahren wachsenden Onlinehandel. Galeria muss deshalb nicht nur kurzfristig Liquidität sichern, sondern für jedes Warenhaus eine tragfähige Perspektive entwickeln. Die im Sommer vereinbarte Finanzierung von bis zu 160 Millionen Euro verschafft dem Unternehmen Zeit, ersetzt aber keine dauerhafte Verbesserung der Ertragslage.

Folgen für Beschäftigte und Innenstädte

Für die rund 12.000 Beschäftigten stehen zunächst Fragen zu Insolvenzgeld, Löhnen und der Zukunft einzelner Standorte im Mittelpunkt. Für Kundinnen und Kunden dürfte der Geschäftsbetrieb vorerst weitergehen; mögliche Filialschließungen wären jedoch vor allem für kleinere und mittlere Städte bedeutsam, in denen Warenhäuser häufig eine zentrale Funktion im Einzelhandel und in den Innenstädten erfüllen.

Der Fall steht zugleich für einen breiteren Strukturwandel. Sinkende Marktanteile klassischer Warenhäuser und die hohe Zahl von Einzelhandelsinsolvenzen erhöhen den Anpassungsdruck auf Händler, Vermieter und Kommunen. Ob Galeria diesmal stabilisiert werden kann, hängt damit nicht allein von neuem Kapital ab, sondern auch von dauerhaft profitablen Standorten und einem überzeugenden Konzept für den stationären Handel.

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