Galeria stellt erneut Insolvenzantrag – 83 Filialen vorerst geöffnet
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 21:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.
Filialen bleiben vorerst geöffnet
Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll zunächst weiterlaufen, teilte das Unternehmen mit. Der Antrag solle den rechtlichen Rahmen schaffen, um die aktuelle Lage zu ordnen, Galeria zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen.
Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Zu den Hintergründen machte das Unternehmen zunächst keine weiteren Angaben.
12.000 Beschäftigte bangen um Arbeitsplätze
Ob und welche Standorte schließen müssen, ist offen. Rund 12.000 Beschäftigte wurden am Freitagvormittag informiert und müssen nun um ihre Arbeitsplätze bangen.
Unklar ist auch, ob sie Insolvenzgeld erhalten. Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung nach dem vorherigen Verfahren bislang nicht aufgehoben. Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit kann in einer solchen Situation mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden; die konkrete Lage müsse jedoch jeweils einzeln geprüft werden.
Vorläufiger Insolvenzverwalter benannt
Das Amtsgericht Düsseldorf bestätigte den Eingang des Antrags. Frank Kebekus wurde vorläufig als Insolvenzverwalter benannt. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt hatte Galeria bereits in den Insolvenzverfahren von 2020 und 2022 als Sachwalter begleitet.
Die Geschäftsführung erklärte in einer internen Mitteilung, oberste Priorität sei die Sicherung der Gehaltszahlungen für die kommenden Monate. Der Gesamtbetriebsrat forderte Aufklärung und kündigte an, mit allen verfügbaren Mitteln für den Fortbestand des Unternehmens und den Erhalt der Arbeitsplätze zu kämpfen.
Gewerkschaft verlangt schnelle Aufklärung
Die Gewerkschaft Verdi beklagte die völlige Ungewissheit für die Beschäftigten. Es müsse schnell geklärt werden, wie es für die Belegschaft weitergehe.
Neuer Eigentümer seit 2024
Die jüngste Insolvenz war vor gut zweieinhalb Jahren unter dem damaligen Namen Galeria Karstadt Kaufhof beantragt worden. Vorausgegangen war die Schieflage des Mutterkonzerns Signa. Neun der damals 92 Warenhäuser mussten im Zuge des Verfahrens schließen.
Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen, der Sitz wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt.
Mieten und Finanzierung unter Druck
Im April 2026 hatten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen beklagt. Galeria verwies auf Liquiditätsschwankungen und bat Vermieter um Stundungen.
Im Juni erhielt die Warenhauskette eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro von Gordon Brothers. Damit sollten unter anderem ein laufender Kredit abgelöst und offene Mietzahlungen beglichen werden. Die Finanzierung war an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan mit weiteren Schließungen geknüpft.
Im Juli stellte Galeria 33 Warenhäuser auf den Prüfstand und kündigte Verhandlungen über Mietkonditionen an. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung einzelner Filialen gefährdet.
Warenhäuser verlieren an Bedeutung
Nach Angaben des EHI sank der Nettoumsatz von Galeria Karstadt Kaufhof von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf rund 2 Milliarden Euro zuletzt. Im selben Zeitraum schrumpfte die Zahl der Filialen von 174 auf weniger als die Hälfte.
Der Marktanteil von Kauf- und Warenhäusern sank laut EHI seit 2000 von 4,2 auf zuletzt 1,2 Prozent. In die Vergleichszahlen fallen neben Galeria auch andere Handelsketten wie Müller und Woolworth.
Branche insgesamt unter Druck
Schwache Konsumstimmung und wachsender Onlinehandel belasten den Einzelhandel. Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten nach Angaben von Allianz Trade gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an – ein Zehnjahreshoch.
Zu den betroffenen Unternehmen zählen unter anderem Kodi, Mäc Geiz, Depot und Hellweg. Nach einer Prognose des Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl der Geschäfte in Deutschland in diesem Jahr unter 300.000 sinken; Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.
Erneuter Sanierungsdruck
Der vierte Insolvenzantrag binnen sechs Jahren zeigt, dass die bisherigen Sanierungen die strukturellen Probleme des Warenhausgeschäfts nicht dauerhaft gelöst haben. Galeria hatte sein Filialnetz seit 2019 bereits von 174 auf 83 Standorte verkleinert. Zugleich fiel der Umsatz nach Angaben des EHI von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf rund 2 Milliarden Euro zuletzt.
Die Krise betrifft damit nicht nur die aktuelle Finanzierung. Warenhäuser stehen unter Druck, weil Kundinnen und Kunden viele Produkte online, bei spezialisierten Händlern oder in preisorientierten Ketten kaufen. Für Galeria kommen hohe Kosten für große Verkaufsflächen und die Abhängigkeit von tragfähigen Mietverträgen hinzu. Der im Juni zugesagte Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro sollte Zeit für einen Sanierungsplan schaffen, konnte die erneute Zahlungsproblematik aber offenbar nicht verhindern.
Folgen für Standorte und Beschäftigte
Entscheidend wird nun, ob ein Investor Kapital und ein belastbares Konzept für einzelne Häuser bereitstellt. Nach Einschätzung des Handelsexperten Johannes Berentzen könnten unter veränderten Bedingungen 40 bis 50 Standorte fortführungsfähig sein; eine Rückkehr zum früheren Vollsortiment gilt dabei nicht als Perspektive.
Für die rund 12.000 Beschäftigten sind zunächst die Gehaltszahlungen und die Frage des Insolvenzgeldes zentral. Die noch laufende Planüberwachung nach dem vorherigen Verfahren macht den Anspruch rechtlich kompliziert. Für Städte und Vermieter stehen zudem Kundenfrequenz, Leerstände und die Nachnutzung großer Innenstadtflächen auf dem Spiel.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Galeria wieder insolvent - Gründe unklar“ (02.10.2026)
Der Bericht bestätige den Insolvenzantrag, den vorläufigen Weiterbetrieb der 83 Filialen und die Unsicherheit für die Beschäftigten. Er setze einen Schwerpunkt auf die strukturellen Probleme des Warenhausmodells, die Planüberwachung und den Reformbedarf bei Sortiment und regionaler Ausrichtung.
n-tv: „Zeit gekauft, Sanierung verpasst: Warum Galeria schon wieder am Abgrund steht“ (02.10.2026)
Der Artikel bestätige die erneute Insolvenz und stelle heraus, dass der Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro die finanzielle Schieflage nicht dauerhaft beendet habe. Von Experten werde die wiederholte Refinanzierung ohne grundlegende Transformation als Kernproblem bewertet; offen bleibe, welche Standorte und Gläubiger letztlich betroffen seien.
Beide Berichte stimmten beim Insolvenzantrag, dem vorläufigen Filialbetrieb und der Gefährdung von Arbeitsplätzen überein. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: Der WDR beleuchte stärker die rechtlichen und regionalen Folgen, während n-tv die Finanzierung und das Geschäftsmodell analysiere.
