Galeria, Insolvenz

Galeria stellt erneut Insolvenzantrag – 12.000 Beschäftigte bangen um Jobs

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 10:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf erneut Insolvenz beantragt. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll zunächst weiterlaufen – für rund 12.000 Beschäftigte ist die Zukunft ungewiss.

  • Galeria hatte erst im Sommer eine Neuausrichtung angekündigt. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    Galeria hatte erst im Sommer eine Neuausrichtung angekündigt. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Bernd Beetz zählt seit zwei Jahren zu den Eigentümern von Galeria. (Archivbild) - Bild: Fabian Strauch/dpa
    Bernd Beetz zählt seit zwei Jahren zu den Eigentümern von Galeria. (Archivbild) - Bild: Fabian Strauch/dpa
  • Einzelne Vermieter klagten in den vergangenen Monaten über ausbleibende Mietzahlungen. (Archivbild) - Bild: Jörg Carstensen/dpa
    Einzelne Vermieter klagten in den vergangenen Monaten über ausbleibende Mietzahlungen. (Archivbild) - Bild: Jörg Carstensen/dpa
Galeria hatte erst im Sommer eine Neuausrichtung angekündigt. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa Bernd Beetz zählt seit zwei Jahren zu den Eigentümern von Galeria. (Archivbild) - Bild: Fabian Strauch/dpa Einzelne Vermieter klagten in den vergangenen Monaten über ausbleibende Mietzahlungen. (Archivbild) - Bild: Jörg Carstensen/dpa

Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

Filialen bleiben zunächst geöffnet

Der Geschäftsbetrieb in den 83 Warenhäusern soll vorerst weiterlaufen. Galeria erklärte, der Antrag solle den rechtlichen Rahmen schaffen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen.

Zu den Hintergründen machte das Unternehmen zunächst keine weiteren Angaben. Ob und welche Standorte schließen müssen, ist offen.

Rund 12.000 Beschäftigte betroffen

Für die rund 12.000 Beschäftigten wächst damit die Unsicherheit über ihre Arbeitsplätze. Auch die Frage, ob sie Insolvenzgeld erhalten, ist noch ungeklärt.

Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung nach der bislang letzten Insolvenz noch nicht aufgehoben. Ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit hatte im Juni erklärt, während einer laufenden Planüberwachung könne mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden. Die konkrete Situation müsse jedoch jeweils individuell geprüft werden.

Vierter Insolvenzantrag binnen sechs Jahren

Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Nach dem Verfahren von 2024 mussten neun der damals 92 Warenhäuser schließen.

Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Karstadt und Kaufhof verschwanden aus dem Firmennamen; der Unternehmenssitz wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt.

Mietzahlungen und neue Kreditlinie

Im April 2026 hatten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen beklagt. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben.

Im Juni erhielt Galeria eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro durch die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers. Das Geld sollte unter anderem einen laufenden Kredit ablösen und offene Mietzahlungen begleichen. Die Kreditlinie ist durch Waren abgesichert und an einen dreijährigen Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht.

Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über die Konditionen zu verhandeln. Eine Entscheidung über die Zukunft dieser Filialen stand zuletzt noch aus.

Warenhausgeschäft verliert an Bedeutung

Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI sank der Nettoumsatz von Galeria Karstadt Kaufhof von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf rund 2 Milliarden Euro im Jahr 2025. Die Zahl der Standorte beträgt inzwischen weniger als die Hälfte des damaligen Bestands.

Der Marktanteil von Kauf- und Warenhäusern sank laut EHI seit 2020 von 4,2 auf zuletzt 1,2 Prozent. Neben Galeria gehören auch Anbieter wie Müller und Woolworth zu diesem Segment.

Hoher Insolvenzdruck im Einzelhandel

Der Einzelhandel steht wegen der schwachen Konsumstimmung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an – ein Zehnjahreshoch.

Zu den jüngeren Fällen zählen unter anderem die Non-Food-Discounter Kodi und Mäc Geiz, die Deko-Kette Depot sowie die Baumarktkette Hellweg. Nach einer Prognose des Handelsverbands Deutschland könnte die Zahl der Geschäfte in Deutschland in diesem Jahr unter 300.000 sinken; Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.

Wiederholte Sanierung unter Druck

Der erneute Insolvenzantrag trifft Galeria nach mehreren tiefgreifenden Einschnitten. Seit 2020 wurden zahlreiche Standorte geschlossen, Forderungen in Milliardenhöhe erlassen und das Geschäftsmodell verkleinert. Mit 83 Filialen ist die Kette weiterhin bundesweit präsent, arbeitet aber deutlich kleiner als vor der ersten Insolvenz.

Die finanzielle Schieflage steht zugleich für den strukturellen Wandel im Einzelhandel. Warenhäuser konkurrieren nicht nur mit Onlinehändlern, sondern auch mit spezialisierten Filialketten und preisaggressiven Anbietern. Hohe Mieten, große Verkaufsflächen und der Aufwand für ein breites Sortiment belasten den Betrieb besonders dann, wenn die Konsumstimmung schwach ist.

Bedeutung für Beschäftigte und Innenstädte

Für rund 12.000 Beschäftigte beginnt eine Phase großer Unsicherheit. Zunächst sollen die Filialen geöffnet bleiben; über mögliche Schließungen ist noch nicht entschieden. Ob erneut Insolvenzgeld gezahlt werden kann, hängt von der konkreten rechtlichen und wirtschaftlichen Situation im laufenden Verfahren ab.

Die Folgen reichen über Galeria hinaus. Warenhäuser dienen in vielen Innenstädten als große Kundenmagnete und Anker für kleinere Geschäfte. Schließungen können deshalb Leerstände verstärken und die Attraktivität zentraler Lagen weiter schwächen. Zugleich eröffnet eine Neuordnung die Möglichkeit, unrentable Flächen zu reduzieren und tragfähige Standorte gezielter weiterzuentwickeln.

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