Friedrich Merz trifft in Bonn auf selbstbewusste Junge Union
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 07:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWinkels Rückhalt und die Redner in Bonn
- Johannes Winkel erhielt bei seiner Wiederwahl 265 von 283 gültigen Stimmen.
- Der JU-Vorsitzende griff Manuela Schwesig wegen ihrer früheren Unterstützung für Nord Stream 2 an.
- Markus Söder soll am Sonntag nach Merz und Wüst beim Deutschlandtag auftreten.
JU setzt in Bonn auf Eigenständigkeit
Die Junge Union empfängt Bundeskanzler Friedrich Merz heute bei ihrem Deutschlandtag in Bonn mit demonstrativem Selbstbewusstsein. Der Kanzler muss sich dabei einer Parteijugend stellen, die sich trotz der Krise der CDU als Hoffnungsträgerin der Union versteht.
Winkel mit deutlicher Mehrheit bestätigt
JU-Chef Johannes Winkel erhielt bei seiner Wiederwahl 265 von 283 gültigen Stimmen. Ohne die zwei Enthaltungen entspricht das 94,3 Prozent Zustimmung; 2024 waren es 90,5 Prozent, bei seiner ersten Wahl im November 2022 87,0 Prozent.
Angriff auf Schwesig und Abgrenzung zur AfD
In seiner Rede griff Winkel Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig scharf an. Er verwies auf ihren früheren Einsatz für die Pipeline Nord Stream 2 und wies ihre Kritik am Umgang der CDU mit der zurückgetretenen SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas zurück.
Zugleich schloss Winkel eine Zusammenarbeit mit der AfD aus, solange diese völkische Positionen vertrete und Extremisten in ihren Reihen aufnehme. Dies sei für ihn eine Frage des Charakters und nicht der Umfragewerte.
Wüst kritisiert Berliner Sondierungen
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst warnte beim Auftakt vor politischen Extremisten von links und rechts. Besonders scharf wandte er sich gegen Sondierungen von Linken, Grünen und SPD nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin.
Wüst bezeichnete die Verhandlungen als Schande für die Hauptstadt und forderte SPD und Grüne auf, sie zu beenden. Für seine Rede erhielt er eineinhalb Minuten stehenden Applaus.
Merz steht vor schwieriger Aussprache
Mit Spannung erwarten die Delegierten nun Merz’ Rede am Samstagvormittag. Bereits im vergangenen Jahr war der Kanzler beim Deutschlandtag wegen des Rentenpakets heftig mit der JU aneinandergeraten.
Seitdem belasteten Niederlagen der Union bei den Landtagswahlen im September und schlechte Umfragewerte seine Autorität in der Partei. Am Sonntag tritt CSU-Chef Markus Söder auf, der als möglicher Nachfolger von Merz im Kanzleramt gilt.
Winkel weist Kanzler-Casting zurück
Winkel betonte, der Deutschlandtag sei kein Schaulaufen möglicher Kanzlerkandidaten. Die Junge Union wolle kein Applausmesser für politische Bewerber sein, sondern ihren eigenen Kurs verfolgen.
Der Deutschlandtag der Jungen Union fällt in eine Phase, in der die Nachwuchsorganisation ihre Eigenständigkeit gegenüber der CDU/CSU sichtbar macht. Johannes Winkel verbindet die Unterstützung für die Union mit der Forderung, deren politische Erzählung stärker auf die Zukunft auszurichten. Seine Wiederwahl mit 94,3 Prozent der gültigen Stimmen ohne Enthaltungen gibt ihm dafür zusätzlichen Rückhalt.
Der Auftritt in Bonn ist zugleich ein Belastungstest für Friedrich Merz. Die JU hatte sich bereits im Vorjahr gegen zentrale Teile des Rentenpakets der schwarz-roten Bundesregierung gestellt. Der damalige Konflikt zeigte, dass der Parteinachwuchs nicht nur als Unterstützer, sondern auch als organisierter innerparteilicher Kritiker auftritt.
Konflikte über Kurs und Abgrenzung
Mit den Angriffen auf Manuela Schwesig und der klaren Absage an eine Zusammenarbeit mit der AfD setzt Winkel politische Kontrapunkte. Die JU versucht damit, Haltung in der politischen Auseinandersetzung zu markieren und zugleich den Abstand zu extremistischen Positionen zu betonen.
Hendrik Wüsts Rede verstärkt die innerunionale Konkurrenz um politische Deutungshoheit. Dass neben Merz auch Wüst und am Sonntag Markus Söder auftreten, macht den Deutschlandtag zu einer Plattform für unterschiedliche Akzente innerhalb der Union. Für Merz geht es deshalb nicht nur um die Reaktion auf frühere Kritik, sondern auch um die Geschlossenheit der eigenen Partei und um den Umgang mit einem selbstbewussten Nachwuchsverband.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „Junge Union: Johannes Winkel mit Rekordergebnis im Amt bestätigt“ (17.10.2026)
Der Beitrag hebt Winkels Zustimmung von 94,3 Prozent und seine Forderung nach Zuversicht trotz der schwierigen Lage der Union hervor. Einen zusätzlichen Schwerpunkt legt er auf Winkels klare Absage an eine Zusammenarbeit mit der AfD sowie auf die erwartete Aussprache mit Merz.
Frankfurter Rundschau: „Deutschlandtag der Jungen Union in Bonn: Merz und Söder stellen sich dem Parteinachwuchs“ (16.10.2026)
Der Artikel ordnet den Deutschlandtag als dreitägige programmatische Beratung mit Schwerpunkten wie Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung, Rente und Generationengerechtigkeit ein. Anders als der ZDFheute-Beitrag richtet er den Blick stärker auf die Themenagenda und die Auftritte von Merz und Söder.
Beide Beiträge bestätigen Winkels starke Wiederwahl und die erwartete besondere Aufmerksamkeit für Merz’ Auftritt. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: Während ZDFheute die innerparteiliche Lage und Abgrenzung zur AfD betont, stellt die Frankfurter Rundschau die programmatischen Debatten und die politische Bühne in Bonn heraus.
