Forsa-Umfrage: Kanzler Merz fällt auf zehn Prozent Zustimmung
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 09:30 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSForsa-Gründer Manfred Güllner hat die öffentlich geäußerte Kritik von Regierungssprecher Stefan Kornelius an Umfrageinstituten für sein eigenes Haus zurückgewiesen, die Branche insgesamt aber nicht vollständig in Schutz genommen. Anlass der Debatte ist eine aktuelle Forsa-Umfrage, nach der Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nur noch auf zehn Prozent Zustimmung kommt.
Güllner verteidigt seriöse Institute
Die Kritik von Kornelius an der Arbeit „seriöser Institute“ sei unberechtigt, sagte Güllner am Donnerstag der dts Nachrichtenagentur in Berlin. Stattdessen solle der Regierungssprecher dem Kanzler nahelegen, die große Unzufriedenheit vieler Bundesbürger mit seiner bisherigen Arbeit ernst zu nehmen. Aus Güllners Sicht bilden seriöse Umfragen reale Einstellungen ab, die Politik müsse diese Signale wahrnehmen.
Warnung vor „schwarzen Schafen“ der Branche
Zugleich bezeichnete Güllner die von Kornelius angesprochene Kritik als berechtigt, soweit sie „mit der Realität meist nicht übereinstimmende Datengenerierungen mancher `schwarzen` Schafe in der Branche der Meinungsforscher“ betreffe. Problematisch sei aus seiner Sicht auch die unkritische, lautstarke Verbreitung solcher verzerrten Daten in einigen Medien. Namen nannte der Forsa-Gründer nicht, verwies aber darauf, dass er sich über Jahre mit einem kleineren, vor allem für Online-Umfragen bekannten Institut rechtlich auseinandergesetzt habe.
Regierungssprecher stellt Umfragepraxis infrage
Stefan Kornelius hatte zuvor in Berlin erklärt, man müsse bei vielen Umfragen hinterfragen, „wie sie vernünftig und seriös zustande kommen“. Keines der Institute, die in hoher Frequenz Erhebungen veröffentlichten, habe aus seiner Sicht die Finanzressourcen, um solche Umfragen regelmäßig zu stemmen. Daher solle man mit diesem Instrument vorsichtig umgehen, wobei es ihm nicht nur um die Zahl der Befragten gehe.
Umfragewerte als Momentaufnahme
Auslöser der Aussagen war die jüngste Forsa-Erhebung zu den Zustimmungswerten von Kanzler Merz. Kornelius betonte in diesem Zusammenhang, Umfragewerte seien „Momentaufnahmen“, die den Regierungschef auf seinem Reformkurs nicht irritierten. Güllner unterstützte diese Sicht teilweise: Politik dürfe sich bei Entscheidungen nicht vorrangig an Mehrheitsmeinungen orientieren, sondern müsse sachliche Notwendigkeiten in den Vordergrund stellen.
Umfragen als Hinweis auf Stimmung im Land
Gleichzeitig warnte Güllner davor, die Erkenntnisse aus seriösen Umfragen zu ignorieren. Diese seien keine Erfindung der Meinungsforscher, sondern gäben wieder, was die befragten Menschen den Instituten anvertrauten. Vor diesem Hintergrund sieht er die aktuelle Kontroverse auch als Mahnung an die Politik, negative Stimmungsbilder nicht nur kommunikativ einzuhegen, sondern ernsthaft zu adressieren.
Die öffentliche Kritik von Regierungssprecher Stefan Kornelius an der Arbeit von Umfrageinstituten fällt in eine Phase stark polarisierten politischen Klimas. Hintergrund ist eine aktuelle Forsa-Erhebung, nach der die Zustimmungswerte von Bundeskanzler Friedrich Merz auf nur noch zehn Prozent gesunken sind. Damit geraten sowohl die Aussagekraft politischer Umfragen als auch der Umgang der Regierung mit schlechteren Beliebtheitswerten ins Zentrum der Debatte.
Spannung zwischen Politik und Demoskopie
Mit seiner Formulierung, viele Institute hätten gar nicht die finanziellen Möglichkeiten für seriöse Erhebungen, stellt Kornelius strukturelle Fragen zur Branche. Zugleich versucht die Regierungsseite, Umfragen als „Momentaufnahmen“ zu relativieren, um den Reformkurs des Kanzlers nicht ergebnisgetrieben erscheinen zu lassen. Forsa-Gründer Manfred Güllner widerspricht dieser pauschalen Kritik ausdrücklich für „seriöse Institute“, bestätigt aber, dass es „schwarze Schafe“ und verzerrende Datengenerierungen gibt. Er verteidigt Umfragen als Spiegel dessen, was Bürgerinnen und Bürger den Instituten anvertrauen.
Bedeutung für Öffentlichkeit und Medien
Die Auseinandersetzung macht deutlich, wie groß der Einfluss von Umfragen auf die politische Kommunikation ist. Werden Institute öffentlich in Zweifel gezogen, kann dies Vertrauen in Daten und auch in mediale Berichterstattung schwächen. Zugleich mahnt Güllner, dass die Politik die aus Umfragen gewonnenen Erkenntnisse nicht ignorieren sollte, sondern sie als Hinweis auf Unzufriedenheit und Erwartungen der Bevölkerung verstehen muss. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies: Umfragen bleiben ein wichtiges Informationsinstrument, deren Qualität stark von Methodik, Transparenz und Finanzierungsgrundlagen der Institute abhängt – und deren Interpretation durch Politik und Medien zunehmend umstritten ist.
