Forsa-Umfrage: 79 Prozent sorgen sich um Zukunft der Demokratie
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 06:24 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSFast vier Fünftel der Deutschen blicken mit Sorge auf die Zukunft der Demokratie. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv machen sich 79 Prozent der Befragten große oder sehr große Sorgen um die demokratische Entwicklung in Deutschland, nur 19 Prozent äußern wenig oder keine Sorge.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen. Besonders ausgeprägt sind die Sorgen bei Frauen und jungen Erwachsenen.
Frauen und junge Erwachsene besonders beunruhigt
Unter den befragten Frauen geben 85 Prozent an, große oder sehr große Sorgen um die Zukunft der Demokratie zu haben. Bei den Männern liegt dieser Anteil bei 73 Prozent. Auch bei den 18- bis 29-Jährigen ist die Verunsicherung besonders stark ausgeprägt: In dieser Altersgruppe machen sich ebenfalls 85 Prozent große oder sehr große Sorgen.
Die mittleren Altersgruppen zeigen ein etwas geringeres, aber weiterhin hohes Niveau an Sorge. Bei den 30- bis 44-Jährigen liegt der Anteil derjenigen, die sich deutlich sorgen, bei 73 Prozent.
Sorgen reichen über Parteigrenzen hinweg
Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass die Sorge um die Zukunft der Demokratie keine Frage einzelner politischer Lager ist. Unter den Anhängern der Linken äußern 97 Prozent große oder sehr große Sorgen. Bei den Anhängern der SPD liegt der entsprechende Anteil bei 84 Prozent, bei den Grünen bei 82 Prozent und bei CDU/CSU-Anhängern bei 78 Prozent.
Auch unter AfD-Anhängern ist die Verunsicherung präsent: Dort geben 70 Prozent an, sich große oder sehr große Sorgen um die demokratische Entwicklung in Deutschland zu machen. Damit bleibt der Anteil in allen abgefragten Parteianhängerschaften deutlich über der Hälfte und unterstreicht die Breite der demokratiebezogenen Sorgen.
Die hohe Sorge um die Zukunft der Demokratie, die Forsa für RTL und ntv gemessen hat, fügt sich in eine Reihe von Stimmungsbildern, die seit einiger Zeit eine wachsende Verunsicherung in der Bevölkerung zeigen. Politische Konflikte, gesellschaftliche Polarisierung und internationale Krisen tragen dazu bei, dass Vertrauen in demokratische Institutionen und Verfahren zunehmend unter Druck gerät.
Hintergrund der Verunsicherung
In den vergangenen Jahren standen zentrale Elemente der demokratischen Ordnung immer wieder im Fokus öffentlicher Debatten: vom Umgang mit Desinformation und Hass im Netz über Streit um Wahlrechtsreformen bis hin zu kontroversen Diskussionen über die Rolle von Parteien und Parlamenten. Hinzu kommen wirtschaftliche Unsicherheiten und globale Spannungen, die das Gefühl verstärken können, politische Entscheidungsprozesse seien überfordert oder reagierten zu langsam.
Die Forsa-Zahlen verdeutlichen, dass die Sorge nicht nur in einzelnen politischen Lagern oder Altersgruppen verbreitet ist, sondern die Bevölkerung insgesamt erreicht. Dass sich insbesondere Frauen und junge Erwachsene überdurchschnittlich stark sorgen, weist darauf hin, dass sich unterschiedliche Lebensrealitäten und Erwartungen an Politik in den Antworten spiegeln.
Bedeutung für Politik und Gesellschaft
Für Politik und Institutionen bedeutet die breite Sorge um die Demokratie, dass klassische Vertrauensressourcen – etwa Verlässlichkeit von Verfahren, Transparenz und Beteiligungsmöglichkeiten – weiter gestärkt werden müssen. Gleichzeitig zeigt die Verteilung nach Parteipräferenz, dass Kritik und Sorge nicht automatisch mit Ablehnung des demokratischen Systems gleichzusetzen sind, sondern auch als Signal gelesen werden können, demokratische Strukturen widerstandsfähiger und nachvollziehbarer zu gestalten.
Für Bürgerinnen und Bürger stellt die Umfrage eine Erinnerung daran dar, wie wichtig aktive Teilhabe bleibt: sei es durch Wahlbeteiligung, Engagement in Initiativen oder den konstruktiven Austausch über politische Unterschiede. Die Demokratie steht nicht nur institutionell, sondern auch im Alltag der Menschen auf dem Prüfstand.
