FIFA-Council: Neuendorf nennt Infantino-Ergebnisse „dünn“
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 16:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFIFA-Wahl rückt ins Zentrum
- Das FIFA-Council tagte mehr als dreieinhalb Stunden in Zürich.
- DFB-Chef Bernd Neuendorf bezeichnete die Ergebnisse als „dünn“.
- Bis zum 18. November können Gegenkandidaten für die Wahl im März 2027 benannt werden.
FIFA-Council beendet Krisensitzung ohne konkrete Antworten
Nach mehr als dreieinhalb Stunden Krisensitzung in Zürich sind die Gegner von FIFA-Präsident Gianni Infantino ohne konkrete Ergebnisse abgereist. DFB-Präsident Bernd Neuendorf bezeichnete die Resultate als „dünn“ und kündigte an, der Machtkampf werde fortgesetzt.
Infantino hört zu und vertröstet
Neuendorf sagte nach dem Council-Meeting, es seien viele kritische Fragen gestellt worden, befriedigende Antworten habe es aus seiner Sicht aber nicht gegeben. Infantino habe zugehört und zugesagt, alle Themen zu beantworten, einen Zeitrahmen nannte er jedoch nicht.
Im Mittelpunkt stand auch der umstrittene Finanzplan rund um das WM-Premiumprodukt. Das Projekt mit dem US-Unternehmer Joshua Kushner als Geldsammler ist inzwischen verworfen; Infantino entschuldigte sich nach Angaben der englischen FIFA-Vizepräsidentin Debbie Hewitt lediglich für die ausgebliebene Kommunikation.
Europäer suchen Gegenkandidaten
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin verließ die FIFA-Zentrale kurz nach dem Ende der Sitzung ohne Kommentar. Neuendorf erklärte, das Vertrauen in Infantino sei verloren; bis zum 18. November müsse ein möglicher Gegenkandidat für die FIFA-Präsidentschaftswahl am 18. März 2027 in Rabat gefunden werden.
Unterstützung erhielt Infantino aus Afrika. Das mauretanische Council-Mitglied Ahmed Yahya verwies darauf, dass die Mehrheit der Verbände weltweit sowie die Konföderationen hinter dem FIFA-Präsidenten stehe.
Arbeitsgruppe soll FIFA-Governance ändern
Das Council beschloss eine Arbeitsgruppe unter Leitung von FIFA-Vizepräsident Scheich Salman Bin Ebrahim al Khalifa. Sie soll die Governance-Struktur des Weltverbands neu ordnen, damit Alleingänge bei wichtigen Projekten künftig erschwert werden.
Bis zur nächsten Council-Sitzung am 16. Dezember in Doha soll außerdem über die Zukunft des FIFA-Friedenspreises entschieden werden. Infantino hatte ihn im Vorjahr an US-Präsident Donald Trump verliehen.
Finanzhilfen sollen deutlich steigen
Auf den Weg gebracht wurde zudem eine Erhöhung der jährlichen Zuschüsse für die 211 nationalen Verbände von rund zehn auf etwa 25 Millionen Dollar. Ein Vorschlag zur Neuregelung der Sperren nach Roten Karten wurde laut Hewitt verworfen.
Die Sitzung markiert eine weitere offene Konfrontation zwischen europäischen Verbänden und FIFA-Präsident Gianni Infantino. Im Zentrum steht nicht nur der verworfene WM-Investorenplan, sondern auch die Frage, wie weit der FIFA-Chef Entscheidungen vorbereiten kann, bevor Council und andere Institutionen eingebunden werden.
Für die europäischen Verbände ist der Konflikt eng mit der Präsidentenwahl am 18. März 2027 verbunden. Sie wollen bis zum 18. November einen Gegenkandidaten aufstellen und zugleich einen Wahlprozess erreichen, den die FIFA-Administration nicht allein steuert. Infantino kann dagegen auf Unterstützung aus anderen Konföderationen und von der Mehrheit der nationalen Verbände verweisen.
Reformdruck vor der Wahl
Die beschlossene Arbeitsgruppe zur Governance soll künftig Alleingänge bei wichtigen Projekten erschweren. Ihre praktische Wirkung hängt davon ab, ob sie Entscheidungswege, Transparenz und Zuständigkeiten tatsächlich verändert oder zunächst vor allem politischen Druck abfedert.
Auch finanzielle Vorhaben erhöhen die Bedeutung des Streits. Die geplante Anhebung der jährlichen Zuschüsse für die 211 Mitgliedsverbände könnte Infantinos Rückhalt außerhalb Europas stärken. Für die europäische Opposition bleibt deshalb entscheidend, ob sie bis zur Wahl einen gemeinsamen Kandidaten und ein belastbares Reformprogramm zustande bringt.
Nächste Termine und offene Konflikte
Bis zur nächsten Council-Sitzung am 16. Dezember soll eine Entscheidung über den FIFA-Friedenspreis fallen. Zugleich bleibt die Behandlung des Investorenplans politisch folgenreich, weil die ausgebliebene Kommunikation das Misstrauen der Gegner nicht beseitigt hat.
