Ferat Koçak, Familie Remmo

Ferat Koçak verlässt Innenausschuss nach Kritik an Remmo-Kontakten

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 20:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Berliner Linke-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak gibt seinen Sitz im Innenausschuss ab. Hintergrund sind umstrittene Kontakte zur Familie Remmo und Fotos mit einem Aktivisten, der der PFLP zugerechnet wird.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak gibt seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestages auf.  - Bild: Michael Kappeler/dpa
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak gibt seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestages auf. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Der Berliner Linke-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak verlässt nach Kritik an seinen Kontakten ins Clan-Milieu den Innenausschuss des Bundestags.

Koçak übernimmt Verantwortung

Koçak erklärte auf X, er wolle nicht, dass seine Kolleginnen und Kollegen sowie deren parlamentarische Arbeit durch Angriffe auf seine Person zusätzlich belastet würden. Deshalb gebe er seinen Sitz im Innenausschuss ab.

Zugleich wies der Neuköllner Abgeordnete den Vorwurf zurück, kriminell zu sein oder organisierte Kriminalität zu unterstützen. Er räumte jedoch einen Fehler im Umgang mit seinem Kontakt zur Familie Remmo ein und erklärte, in der konkreten Situation naiv und überfordert gewesen zu sein.

Chats mit Sohn der Familie Remmo

Koçak geriet nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus unter Druck, weil er freundschaftliche Nachrichten mit Firas Remmo ausgetauscht hatte. Nach dem von Remmo veröffentlichten angeblichen Chatverlauf bat Koçak auch um Unterstützung bei der Verbreitung eines Videos.

Der Kontakt entstand nach Koçaks Darstellung über einen Aufruf in sozialen Medien, mit dem Jugendliche aus einer Antifa-Gruppe neue Handys suchten. Koçak habe daraufhin gefragt, ob jemand ein Smartphone abzugeben habe. Später kam es demnach zu einem Treffen in einem Büro der Familie Remmo, bei dem er auch Issa Remmo begegnete.

Fotos von Linken-Wahlparty

Zusätzliche Kritik lösten Fotos von einer Neuköllner Linken-Wahlparty aus. Darauf war Koçak neben Ibrahim Ibrahim zu sehen. Nach Angaben des Vereins democ ist Ibrahim ein langjähriger Aktivist der Volksfront für die Befreiung Palästinas, die in der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft ist.

Koçak hatte seinen Sitz im Innenausschuss bereits vorübergehend ruhen lassen und sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Er war bei der Bundestagswahl 2025 erstmals in den Bundestag eingezogen, nachdem er das Direktmandat in Neukölln gewonnen hatte. Zuvor gehörte er der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus an.

Debatte über den Begriff Clankriminalität

Koçak hatte sich im Bundestag und zuvor im Berliner Abgeordnetenhaus mit dem Thema Clankriminalität beschäftigt. Der Begriff ist umstritten, weil Kritiker darin eine Stigmatisierung von Menschen mit Migrationshintergrund allein wegen ihrer familiären Herkunft sehen. Die Linke lehnt ihn weitgehend ab.

Rückzug unter politischem Druck

Der Verzicht auf den Sitz im Innenausschuss beendet die Debatte um Koçaks Kontakte nicht, verschiebt aber die unmittelbare parlamentarische Verantwortung. Der Ausschuss befasst sich mit innerer Sicherheit, Extremismus und organisierter Kriminalität. Gerade deshalb wiegt der Vorwurf politisch schwerer als ein gewöhnlicher Streit über private Bekanntschaften.

Koçaks Fall steht zugleich in einem größeren Berliner Spannungsfeld. Die Linke grenzt sich traditionell vom Begriff der „Clankriminalität“ ab, weil er aus ihrer Sicht ganze Familien und Menschen mit Einwanderungsgeschichte unter Generalverdacht stellen kann. Der aktuelle Vorgang zeigt jedoch, dass die Kritik an einer pauschalisierenden Sprache und der sachliche Umgang mit einzelnen Kontakten voneinander getrennt werden müssen.

Folgen für Partei und Parlament

Für die Linke kommt die Entscheidung in einer Phase besonderer Aufmerksamkeit nach ihrem Erfolg bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Fragen nach Nähe zu Personen aus dem Clan-Milieu sowie nach dem Umgang mit dem PFLP-Aktivisten Ibrahim Ibrahim können die Debatte über Abgrenzung, Sicherheitskompetenz und den Schutz jüdischen Lebens weiter prägen.

Für Bürgerinnen und Bürger ist entscheidend, ob Parteiführung und Fraktion die Vorgänge transparent aufarbeiten und klare Regeln für Kontakte zu Personen mit extremistischen oder kriminellen Bezügen anwenden. Koçaks Rückzug ist dafür ein politisches Signal, ersetzt aber keine nachvollziehbare Klärung der Abläufe und Verantwortlichkeiten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Merkur: „Linke in Neukölln: Wahlparty bringt neuen Clan-Ärger“ (29.09.2026)

Der Bericht bestätige Koçaks bereits bestehende Kritik wegen seiner Kontakte zur Remmo-Familie und stelle den Vorgang in den Zusammenhang weiterer Auftritte auf der Neuköllner Wahlparty. Er setze den Schwerpunkt auf Aktivisten aus dem Barbakh-Clan und auf den gemeinsamen Fototermin mit Ibrahim Ibrahim; offen bleibe nach Darstellung des Artikels, ob anwesende Linke-Politiker deren Hintergründe gekannt hätten.

Tagesspiegel: „Antisemitismus in der Linken: Ex-Parteichef van Aken weist Vorwürfe zurück – und kündigt Bericht über Clan-Kontakte an“ (29.09.2026)

Der Artikel bestätige den Chatkontakt und Koçaks Bitte um Unterstützung bei der Verbreitung eines Videos. Anders als der Merkur-Bericht rücke er die Reaktion der Parteiführung in den Mittelpunkt: Jan van Aken habe Koçaks Eingeständnis eines Fehlers positiv bewertet und einen umfassenden Bericht über die Kontakte angekündigt.

Beide Berichte bestätigten damit den politischen Druck auf Koçak, setzten aber unterschiedliche Akzente: Der Merkur-Bericht erweitere den Blick auf weitere Personen und Verbindungen rund um die Wahlparty, während der Tagesspiegel die innerparteiliche Aufarbeitung und die Abgrenzung vom Antisemitismus thematisiere.

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