Ferat Koçak, Innenausschuss

Ferat Koçak gibt Sitz im Bundestags-Innenausschuss auf

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 18:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Berliner Linke-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak gibt seinen Sitz im Innenausschuss auf. Zuvor hatte er seine Ausschusstätigkeit wegen Kritik an Kontakten zur Familie Remmo ruhen lassen.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak gibt seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestages auf.  - Bild: Michael Kappeler/dpa
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak gibt seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestages auf. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Der Berliner Linke-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak gibt seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags nach Kritik an seiner Nähe zu kriminellen Clanstrukturen vollständig auf.

Koçak übernimmt Verantwortung

„Ich möchte nicht, dass meine Kolleginnen und Kollegen und ihre wichtige parlamentarische Arbeit durch Angriffe auf meine Person zusätzlich belastet werden“, schrieb Koçak auf X. Deshalb gebe er seinen Sitz im Innenausschuss ab. Seine Ausschusstätigkeit hatte er wegen der Vorwürfe zuvor bereits ruhen lassen.

Koçak erklärte zugleich, er sei weder kriminell noch unterstütze er organisierte Kriminalität. Er räumte jedoch ein, im Umgang mit seinem Kontakt zur Familie Remmo einen Fehler gemacht zu haben. In der konkreten Situation sei er naiv und überfordert gewesen, schrieb der Abgeordnete.

Kritik wegen Chatnachrichten

Koçak war nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus unter Druck geraten. Er hatte freundschaftliche Chatnachrichten mit einem Sohn einer dem Clan-Milieu zugeordneten Großfamilie ausgetauscht.

Nach dem von diesem veröffentlichten angeblichen Chatverlauf bat Koçak zudem um die Unterstützung „aller euren Leute“ bei der Verbreitung eines Videos. Der Abgeordnete bezeichnete dies bereits zuvor als Fehler und zog sich vorerst aus der Öffentlichkeit zurück.

Fotos von der Wahlparty

Zusätzliche Kritik lösten Fotos von einer Wahlparty der Linken aus. Darauf war Koçak neben Ibrahim Ibrahim zu sehen. Nach Angaben des Vereins democ ist Ibrahim ein langjähriger Aktivist der Volksfront für die Befreiung Palästinas, die von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird.

Erstmals im Bundestag

Koçak zog bei der Bundestagswahl 2025 erstmals in den Bundestag ein, nachdem er das Direktmandat in Neukölln gewonnen hatte. Zuvor gehörte er der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus an.

Der Begriff „Clankriminalität“ ist umstritten. Kritiker warnen davor, Menschen allein wegen ihrer Familienzugehörigkeit oder Herkunft zu stigmatisieren und zu diskriminieren. Auch die Linke lehnt die Bezeichnung weitgehend ab.

Rückzug unter politischem Druck

Koçaks Entscheidung fällt in eine Phase, in der die Berliner Linke nach ihrem Wahlsieg Gespräche über eine mögliche Regierungsbildung mit SPD und Grünen vorbereitet. Der Umgang mit Kontakten ins Clan-Milieu und mit propalästinensischen Akteuren ist dabei zu einem Belastungstest für die Partei geworden. Für Koçak geht es nicht nur um eine persönliche Erklärung, sondern auch um die Frage, ob die Linke glaubhaft zwischen politischer Vernetzung, Naivität und unzulässiger Einflussnahme unterscheiden kann.

Innenausschuss als besonders sensibler Ort

Der Innenausschuss befasst sich mit innerer Sicherheit, Polizei, Extremismus und organisierter Kriminalität. Ein Abgeordneter, der wegen privater Kontakte zu einer dem Clan-Milieu zugerechneten Familie unter Druck gerät, steht dort deshalb unter besonderer öffentlicher Beobachtung. Koçak bestreitet, kriminell zu sein oder organisierte Kriminalität zu unterstützen, räumt aber einen Fehler im Umgang mit seinem Kontakt zur Familie Remmo ein.

Folgen für die Berliner Linke

Die Debatte berührt zugleich den umstrittenen Begriff „Clankriminalität“. Kritiker warnen vor einer pauschalen Stigmatisierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Familienzugehörigkeit; Sicherheitsbehörden verwenden den Begriff, um bestimmte Täterstrukturen zu beschreiben. Politisch entscheidend bleibt daher, ob konkrete Vorwürfe belegt sind und wie Parteien Transparenz, Verantwortungsübernahme und klare Abgrenzung organisieren. Koçaks Rückzug nimmt den unmittelbaren Druck vom Ausschuss, beendet die Debatte über die politischen Konsequenzen seiner Kontakte aber nicht.

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