Pflegeversicherung, FDP

FDP-Vize Höne fordert kapitalgedeckte Säule in Pflegeversicherung

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die FDP lehnt einen Pflege-Soli für Privatpatienten ab und fordert stattdessen eine kapitalgedeckte Säule in der Pflegeversicherung nach Vorbild der Aktienrente. Parteivize Henning Höne spricht von einer „Aktienpflege“ und wirft der SPD vor, Reformen jahrelang blockiert zu haben.

FDP schlägt kapitalgedeckte Säule für Pflegeversicherung vor
Alte Frau in einem Pflegeheim (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die FDP stellt sich in der Debatte um die Finanzierung der Pflegeversicherung gegen einen von der SPD ins Gespräch gebrachten Pflege-Soli für Privatpatienten und setzt stattdessen auf ein kapitalgedecktes Modell nach Vorbild der Rente. FDP-Vize Henning Höne fordert für die Pflegeversicherung eine zusätzliche kapitalgedeckte Säule, um die finanziellen Probleme des Systems langfristig zu lösen.

FDP fordert „Aktienpflege“

„Auch die Pflegeversicherung muss eine kapitalgedeckte Säule erhalten“, sagte Höne der „Rheinischen Post“. Er knüpft damit an die Diskussion um eine Aktienrente an und überträgt das Konzept auf die Pflege: „Wir brauchen nicht nur die Aktienrente, wir brauchen auch die Aktienpflege“, sagte der FDP-Politiker.

Die Idee zielt darauf, Teile der Finanzierung der Pflegeversicherung über Kapitalmarktanlagen abzusichern und so zusätzliche Erträge zu erzielen. Die FDP sieht darin einen Weg, die steigenden Ausgaben im Pflegebereich zu bewältigen, ohne allein auf höhere laufende Beiträge oder staatliche Zuschüsse angewiesen zu sein.

Kritik an SPD-Vorstoß zum Pflege-Soli

Höne kritisiert zugleich Forderungen aus der SPD, eine Art Pflege-Soli für Privatpatienten zugunsten der defizitären gesetzlichen Pflegekasse einzuführen. Der „fette Staat“ nehme den Menschen zu viele Steuern ab und gehe dann nicht gut mit dem Geld um, sagte er. Mit einem Pflege-Soli werde aus seiner Sicht lediglich nach einer weiteren Möglichkeit gesucht, mehr privates Geld in reformbedürftige Systeme zu lenken.

Nach Hönes Darstellung habe die SPD notwendige Reformen in der Pflegeversicherung über Jahre verhindert und wolle nun diejenigen bestrafen, die privat vorgesorgt hätten. Mit ihrem Vorschlag einer kapitalgedeckten Säule schlägt die FDP damit einen grundsätzlich anderen Weg vor als die SPD, die Privatpatienten stärker an den Kosten der gesetzlichen Pflegeversicherung beteiligen will.

Die Debatte um die Zukunft der Pflegeversicherung gewinnt angesichts steigender Ausgaben und einer alternden Gesellschaft weiter an Schärfe. Die gesetzliche Pflegeversicherung verzeichnet seit Jahren wachsende Belastungen, unter anderem durch höhere Löhne in der Pflege, mehr pflegebedürftige Menschen und die Entlastung von Angehörigen. Gleichzeitig stoßen Beitragserhöhungen und Leistungskürzungen auf erheblichen Widerstand.

Hintergrund: Umlage vs. Kapitaldeckung

Bislang funktioniert die Pflegeversicherung überwiegend umlagefinanziert: Aktive Beitragszahler tragen laufende Leistungen für Pflegebedürftige. Eine kapitalgedeckte Säule, wie sie die FDP nun fordert, würde bedeuten, dass Teile der Beiträge am Kapitalmarkt angelegt werden und später zusätzliche Erträge zur Finanzierung der Pflegeleistungen bereitstellen. Vergleichbare Modelle werden bei der Diskussion um die Aktienrente in der gesetzlichen Rentenversicherung diskutiert und teilweise bereits gesetzlich vorbereitet.

Dem steht die Idee eines Pflege-Soli gegenüber, bei dem insbesondere Privatversicherte stärker zur Finanzierung der gesetzlichen Pflegekasse herangezogen würden. Befürworter sehen darin eine Möglichkeit, zusätzliche Mittel zu mobilisieren und Verteilungsfragen zwischen gesetzlich und privat Versicherten neu zu justieren. Kritiker warnen vor neuen Belastungen für bestimmte Gruppen und vor einer weiteren Verkomplizierung des Systems.

Politische Konfliktlinien und Bedeutung für Bürger

Die unterschiedlichen Vorschläge spiegeln eine grundsätzliche Konfliktlinie in der Sozialpolitik wider: Soll die Finanzierung primär über höhere Abgaben und Umverteilung erfolgen, oder über kapitalgedeckte Elemente und eine stärkere Orientierung an Kapitalmarkterträgen? Für Bürgerinnen und Bürger ist entscheidend, ob künftige Reformen zu höheren Beiträgen, veränderten Leistungsansprüchen oder zusätzlicher privater Vorsorge führen. Klar ist, dass der Reformdruck in der Pflegeversicherung angesichts demografischer Trends weiter zunehmen wird und politische Entscheidungen direkte Auswirkungen auf Pflegebedürftige, ihre Familien und Beschäftigte in der Pflege haben.

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