Deutsche Bahn, Alkoholverbot

Fahrgastverband Pro Bahn unterstützt Alkoholverbot an Bahnhöfen, moniert Ausnahmen für Kneipen

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 10:58 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der Fahrgastverband Pro Bahn unterstützt das neue Alkoholkonsumverbot der Deutschen Bahn an Bahnhöfen, kritisiert aber Unklarheiten beim Umgang mit Bahnhofskneipen. Hintergrund ist der bundesweite Start der Maßnahme an weiteren großen Stationen.

Fahrgastverband begrüßt Alkoholverbot an Bahnhöfen
DB Sicherheit (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt das von der Deutschen Bahn eingeführte Alkoholkonsumverbot an deutschen Bahnhöfen, sieht aber Klärungsbedarf bei der Rolle von Bahnhofskneipen. In vielen Stationen stehen Reisenden gastronomische Betriebe offen, in denen Alkohol ausgeschenkt wird, während im übrigen Bahnhofsbereich der Konsum untersagt ist.

Pro Bahn kritisiert Regelungswiderspruch

Der Ehrenvorsitzende von Pro Bahn, Detlef Neuß, verwies darauf, dass Fahrgäste in einer Bahnhofskneipe unbegrenzt trinken dürften, während bereits ein leicht alkoholhaltiges Getränk wie ein Radler vor der Tür verboten sei. Diesen aus seiner Sicht widersprüchlichen Umgang mit Alkohol an ein und demselben Ort müsse die Bahn klarer erklären und begründen, um die Regeln für Reisende nachvollziehbar zu machen.

Verbandsposition: Verbot grundsätzlich sinnvoll

Grundsätzlich bezeichnete Neuß das Alkoholverbot an Bahnhöfen als sinnvolle Maßnahme. Nach seinen Worten werden extreme Situationen und Streit in Zügen häufig durch Alkoholkonsum verstärkt. Ein Alkoholkonsumverbot im Bahnhofsbereich soll dazu beitragen, solche Konflikte zu reduzieren und die Sicherheit sowie das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu erhöhen.

Grenzen bei Großveranstaltungen

Mit Blick auf Großereignisse wie Fußballspiele sieht der Fahrgastverband jedoch Grenzen der Wirksamkeit. Bei großen Gruppen werde ein solches Verbot eher begrenzt wirken, sagte Neuß. Die Bahn habe zudem keinen Einfluss darauf, ob Fahrgäste bereits alkoholisiert am Bahnhof eintreffen, bevor die Verbotszone überhaupt betreten wird.

Bundesweite Einführung an weiteren Bahnhöfen

Vor wenigen Wochen hatte die Deutsche Bahn angekündigt, ein Alkoholkonsumverbot an allen Bahnhöfen in Deutschland einzuführen. An diesem Dienstag beginnt die Umsetzung an weiteren großen Stationen, darunter der Berliner Hauptbahnhof, die Station Berlin-Gesundbrunnen sowie die Bahnhöfe in Kiel und Braunschweig. Damit wird die Regelung schrittweise auf immer mehr Standorte im Bundesgebiet ausgedehnt.

Das bundesweite Alkoholkonsumverbot der Deutschen Bahn an allen Bahnhöfen zielt darauf ab, die Sicherheitslage und das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu verbessern. Alkohol gilt seit Jahren als einer der Faktoren, die zu Aggressionen, Belästigungen und Eskalationen in öffentlichen Verkehrsanlagen beitragen. Der Fahrgastverband Pro Bahn knüpft daran an und stellt die praktische Wirksamkeit des Verbots in den Mittelpunkt, ohne den grundsätzlichen Ansatz infrage zu stellen.

Regeln, Ausnahmen und praktische Umsetzung

Die Bahn verbietet den Konsum alkoholischer Getränke auf den Flächen ihrer Bahnhöfe, also etwa auf Bahnsteigen, in Wartebereichen und in den meisten öffentlich zugänglichen Zonen. Gleichzeitig bleiben gastronomische Betriebe in Bahnhofshallen Teil der üblichen Gewerbestruktur: Dort gelten andere rechtliche Rahmenbedingungen, etwa das Gaststättenrecht, das Alkoholausschank grundsätzlich erlaubt. Genau diesen Unterschied spricht Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Detlef Neuß an, wenn er auf den Widerspruch zwischen striktem Konsumverbot im Bahnhofsbereich und freiem Trinken in der Kneipe direkt nebenan hinweist.

Bedeutung für Reisende und Konfliktlage

Für Fahrgäste bedeutet das Verbot, dass der sichtbare Alkoholkonsum im unmittelbaren Zugangsbereich zur Bahn deutlich reduziert werden soll. Neuß verweist darauf, dass gerade Streitigkeiten und extreme Situationen in Zügen häufig mit vorhergehendem oder gleichzeitigem Alkoholkonsum verknüpft sind. Das Verbot soll solche Konflikte im Umfeld der Bahn eindämmen, stößt aber bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen an Grenzen, weil viele Reisende bereits alkoholisiert anreisen und große Gruppen sich erfahrungsgemäß schwer vollständig reglementieren lassen.

Ausblick und offene Fragen

Die Umsetzung an großen Knotenbahnhöfen wie dem Berliner Hauptbahnhof und weiteren Stationen zeigt, dass die Bahn ihr Konzept schrittweise ausrollt. Zugleich macht Pro Bahn deutlich, dass klare Kommunikation über Ausnahmen – etwa Bahnhofskneipen – wichtig bleibt, um Akzeptanz und Rechtsklarheit zu schaffen. Die Wirksamkeit des Verbots wird letztlich davon abhängen, wie konsequent es kontrolliert wird, wie verständlich die Regeln für Reisende sind und ob die Maßnahmen mit anderen Sicherheits- und Präventionsstrategien zusammengedacht werden.

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