Evonik, Stellenabbau

Evonik baut 3.200 Stellen ab – 2.150 Jobs in Deutschland betroffen

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 10:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Evonik bestätigt den Abbau von 3.200 Stellen, davon 2.150 in Deutschland. Der Chemiekonzern will seine deutschen Produktionsstandorte neu ordnen und Wachstum vor allem in Asien und Amerika prüfen.

Der Chemiekonzern bekräftigt den Abbau von mehr als 3.000 Stellen. (Archivbild) - Bild: Federico Gambarini/dpa
Der Chemiekonzern bekräftigt den Abbau von mehr als 3.000 Stellen. (Archivbild) - Bild: Federico Gambarini/dpa

Der Chemiekonzern Evonik baut weltweit 3.200 Stellen ab, davon 2.150 in Deutschland, und ordnet die Aufgaben seiner sechs großen deutschen Produktionsstandorte neu.

Umbau bis 2029

Das Unternehmen bekräftigte nach einer Strategieklausurtagung seine im Juni veröffentlichten Pläne. Das Produktportfolio soll nach Rollenprofilen geordnet werden, den deutschen Standorten sollen jeweils spezifische Aufgaben zugeteilt werden.

Der nächste Sparplan soll bis 2029 sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden. Frei werdende Stellen sollen nicht nachbesetzt werden; außerdem sind frühere Ruhestände und freiwillige Abgänge gegen Abfindungen vorgesehen.

Wachstum in Asien und Amerika

Übergangschef Claus Rettig erklärte laut Unternehmensmitteilung, Vorstand, Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertreter teilten die Einschätzung, die Industrie befinde sich in einer strukturellen und ökonomischen Krise. Wachstumsmöglichkeiten sieht Evonik besonders in Asien und Amerika. Dort prüft der Konzern weitere Investitionsprojekte.

Druck auf die Chemiebranche

Die Chemieindustrie leidet unter teurer Energie, US-Zöllen, schwacher Konjunktur und Überkapazitäten auf dem Weltmarkt. Die Anlagen in Deutschland sind unterdurchschnittlich ausgelastet. Öl und Gas werden in der Branche in großem Umfang eingesetzt; chemische Grundstoffe werden unter anderem für Kunststoffe, Dünger, Medikamente, Lösungsmittel und Kosmetika benötigt.

Der Verband der Chemischen Industrie senkte seine Produktionsprognose für das Gesamtjahr im Sommer auf einen Rückgang von 1,5 Prozent. Zu Jahresbeginn war noch Stagnation erwartet worden. Der Verband spricht von der schwersten Krise der deutschen Chemieindustrie seit dem Zweiten Weltkrieg.

Weitere Sparmaßnahmen

Bereits bis Ende 2026 sollen durch Spar- und Effizienzprogramme rund 2.800 Stellen wegfallen. Evonik kündigte zudem an, das Polyester-Geschäft mit einem Jahresumsatz von etwa 150 Millionen Euro einzustellen.

Ende 2025 beschäftigte der Konzern 31.053 Menschen und damit fast 900 weniger als ein Jahr zuvor. Mit dem nun bestätigten Abbau setzt Evonik seine laufende Neuaufstellung fort.

Strukturwandel trifft deutsche Chemie

Evoniks Stellenabbau steht für einen breiteren Anpassungsdruck in der deutschen Chemieindustrie. Hohe Energie- und Rohstoffkosten, eine schwache Konjunktur und Überkapazitäten belasten besonders Unternehmen mit energieintensiven Produktionsprozessen. Zugleich verschärfen internationale Handelskonflikte den Kostendruck und erschweren die Planung.

Die geplante Verteilung neuer Aufgaben auf sechs deutsche Produktionsstandorte deutet darauf hin, dass der Konzern nicht allein Kapazitäten abbauen, sondern seine Werke stärker spezialisieren will. Das kann einzelne Standorte stabilisieren, verändert aber zugleich Tätigkeiten, Beschäftigungsstrukturen und regionale Arbeitsmärkte. Dass Evonik betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, begrenzt die unmittelbaren sozialen Folgen; frei werdende Stellen werden jedoch nicht vollständig ersetzt.

Wachstum außerhalb Deutschlands

Die angekündigten Investitionsprüfungen in Asien und Amerika zeigen, wohin Evonik Wachstum verlagern will. Für Beschäftigte und Zulieferer in Deutschland wird entscheidend sein, ob die verbleibenden Standorte künftig höherwertige Aufgaben übernehmen und dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben. Für Kunden aus Branchen wie Kunststoff, Pharma und Kosmetik können Umbauten außerdem Lieferketten und Produktangebote verändern. Die Entwicklung bleibt damit nicht auf die betroffenen Arbeitsplätze beschränkt.

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