EU-Asylanträge sinken um 24,3 Prozent auf 452.969 Anträge
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 04:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSIn der Europäischen Union sowie in Norwegen und der Schweiz sind die Asylanträge in den ersten neun Monaten dieses Jahres deutlich zurückgegangen. Nach bisher unveröffentlichten Zahlen der Asylagentur der Europäischen Union wurden 452.969 Schutzanträge registriert, 24,3 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum mit 598.575 Anträgen.
Deutschland liegt auf Platz drei
Deutschland verzeichnete seit Januar 70.257 Anträge und liegt damit bei den Zielländern hinter Frankreich mit 98.822 und Italien mit 78.496 Schutzgesuchen. Die niedrigsten Werte meldeten Malta mit 294, die Slowakei mit 131 und Ungarn mit 83 Anträgen.
Afghanistan wichtigste Herkunft
In Deutschland kamen die meisten Antragsteller aus Afghanistan. Sie stellten 23 Prozent der Anträge, gefolgt von syrischen Staatsangehörigen mit zwölf Prozent und türkischen Staatsangehörigen mit zehn Prozent.
Venezuela und Bangladesch folgen europaweit
Im gesamten EU+-Raum führten Afghanen mit 52.361 Anträgen die Statistik an. Danach folgten Menschen aus Venezuela mit 37.294 und aus Bangladesch mit 26.497 Anträgen. Zudem stellten 6.420 russische Staatsangehörige einen Schutzantrag.
Ukrainer stellen vergleichsweise wenige Asylanträge
Insgesamt beantragten 12.182 Menschen aus der Ukraine Asyl. Die meisten ukrainischen Antragsteller wurden in Frankreich registriert, das 49 Prozent der Anträge aus dieser Gruppe verzeichnete. Es folgten Polen mit 13 Prozent, Rumänien mit sechs Prozent und Deutschland mit fünf Prozent.
Der Rückgang der Asylanträge betrifft den gesamten EU+-Raum, fällt aber zwischen den Staaten sehr unterschiedlich aus. Frankreich registrierte in den ersten neun Monaten die meisten Anträge, während Deutschland hinter Frankreich und Italien auf dem dritten Platz liegt. Damit verschiebt sich die relative Verteilung der Verfahren innerhalb Europas, ohne dass daraus allein eine Aussage über die Belastung einzelner Kommunen oder die Zahl bereits anerkannter Schutzberechtigter folgt.
Politischer Kontext
Die Zahlen treffen auf eine europäische Migrationspolitik, die zugleich auf schnellere Verfahren, Rückführungen und eine stärkere Kontrolle der Außengrenzen setzt. Beim Treffen der EU-Innenminister Anfang Oktober wurden unter anderem Rückkehrzentren in Drittstaaten und ein Krisenmechanismus für außergewöhnliche Migrationslagen beraten. Der Rückgang der Anträge bildet damit den statistischen Hintergrund für eine politische Debatte, in der mehrere Regierungen weitere Verschärfungen verlangen.
Herkunft und Bedeutung
Afghanistan bleibt sowohl in Deutschland als auch im EU+-Raum das wichtigste Herkunftsland. In Deutschland folgen Syrien und die Türkei, europaweit Venezuela und Bangladesch. Die vergleichsweise geringe Zahl ukrainischer Asylanträge steht zudem neben anderen Schutzformen, die für Menschen aus der Ukraine in Europa weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Für die nationalen Behörden bedeutet die Entwicklung zunächst weniger neue Verfahren; entscheidend bleiben jedoch Bearbeitungsdauer, Anerkennungsquoten, Rückführungen und die Verteilung der Zuständigkeiten zwischen den Mitgliedstaaten.
