Ermittlungen gegen SPD-Spitzenkandidat Krach belasten Berliner Wahlkampf
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 14:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Gegen den Berliner SPD-Spitzenkandidaten und Landesparteichef Steffen Krach ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme und weiterer Delikte, während Krach die Vorwürfe entschieden zurückweist.
Neue Details zu Ermittlungen gegen Krach
Krach erklärte am späten Donnerstagabend, die Staatsanwaltschaft werfe ihm vor, von einem Unternehmer im Zuge eines Vergabeverfahrens zweimal eine Parteispende gefordert zu haben. Zudem solle er in seiner Zeit als Präsident der Region Hannover in einem Verfahren zum Verkauf einer Immobilie unzulässig Geschäftsgeheimnisse weitergegeben haben. Der 47-Jährige bekräftigte, die Anschuldigungen träfen nicht zu und zeigte sich zuversichtlich, dass die Ermittlungsbehörden die Unbegründetheit der Vorwürfe feststellen werden.
Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Hannover
Die Staatsanwaltschaft Hannover teilte mit, dass es um den Anfangsverdacht der Vorteilsannahme in zwei Fällen geht. Außerdem wird wegen eines Anfangsverdachts auf wettbewerbsbeschränkende Absprachen bei Ausschreibungen in Tateinheit mit der Verletzung von Geschäftsgeheimnissen und der Geheimhaltungspflicht ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Seit dem 3. September führt die Behörde das Verfahren gegen Krach, das elf Tage vor der Wahl bekannt wurde.
Durchsuchungen im Wahlkampf
Ermittler durchsuchten in der heißen Wahlkampfphase Krachs Berliner Wohnung, Büroräume in Hannover und die Zentrale der Berliner Landes-SPD. Laut Staatsanwaltschaft wurden Datenträger und sein Handy beschlagnahmt, die nun ausgewertet werden. Erst am Donnerstagabend machte die Behörde öffentlich, welche rechtlichen Vorwürfe sie konkret erhebt. Krach betonte, dass nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft an seinen Anwalt nur ein ihn betreffendes Ermittlungsverfahren geführt werde.
Hintergrund: Spende und Bieterverfahren
In dem Verfahren geht es nach Krachs Darstellung um eine Spende eines Unternehmers an den SPD-Landesverband Berlin, die bei zwei Gelegenheiten im Zusammenhang mit einem behördlichen Verfahren von ihm gefordert worden sein soll. Außerdem steht die behauptete unzulässige Weitergabe eines Bieterangebotes als Geschäftsgeheimnis im Zusammenhang mit einem Bieterverfahren für eine Immobilie im Raum. Krach war 2021 zum Regionspräsidenten von Hannover gewählt worden und übernahm im Sommer 2025 die Spitzenkandidatur der Berliner SPD für die Wahl zum Abgeordnetenhaus, wofür er sich im März 2026 von seiner Tätigkeit in Hannover beurlauben ließ.
Nachnutzung eines Klinikgeländes
Nach Bekanntwerden der Ermittlungen hatte Krach mehrfach Vorwürfe zurückgewiesen und die Einschätzung geäußert, dass es konkret um ein Vergabeverfahren zur Nachnutzung eines Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover gehe. Dort konkurrierten in einem Bieterverfahren zwei Unternehmen um den Zuschlag, während Krach als Regionspräsident den Aufsichtsratsvorsitz der Klinik innehatte. Einer der Bieter überwies laut Krach noch während des laufenden Verfahrens eine Spende in Höhe von 9.900 Euro an die Berliner SPD, deren kommissarischer Vorsitzender er zu diesem Zeitpunkt bereits war.
Rolle der umstrittenen Spende
Die Spende habe Krach nach eigenen Angaben Anfang Januar 2026 sofort zurücküberweisen lassen. Brisant ist der Vorgang auch deshalb, weil Krach im Vergabeverfahren dafür eintrat, dem betreffenden Bieter den Zuschlag zu erteilen, da aus seiner Sicht dessen Angebot besser war als das des anderen Unternehmens. Der Aufsichtsrat entschied am 19. Februar 2026 jedoch anders und vergab den Zuschlag an den zweiten Bieter, während Krach sich bei der Abstimmung enthielt. Der betroffene Unternehmer äußert sich bislang nicht öffentlich zu der Spende.
Vorwurf der Aufforderung zu Spenden
Im Raum steht nun der Verdacht, dass Krach beziehungsweise die Berliner SPD den beteiligten Unternehmer zweimal zur Spende aufgefordert haben sollen. Die Partei wies dies ebenso wie Krach zurück. Nach eigenen Angaben wirbt die SPD nur bei Berliner Mitgliedern um Spenden, etwa per Briefen, E-Mails oder über soziale Medien, und kontaktiere externe Unternehmen nicht in dieser Weise. Krach versicherte zudem, dass es während des Vergabeverfahrens keinen persönlichen Kontakt mit Bietern gegeben habe und wies Behauptungen zurück, er habe Informationen aus dem Bieterverfahren weitergegeben.
Weitere Ermittlungen im Umfeld der Kliniknachnutzung
Parallel bestätigte die Staatsanwaltschaft Hannover, dass gegen einen Unternehmer im Zusammenhang mit der Nachnutzung der Klinik ermittelt werde und bereits im Mai Räume durchsucht worden seien. Die Behörde stellte zugleich keinen Zusammenhang zu den Ermittlungen gegen Krach her und äußerte sich nicht zur Gesamtzahl der Beschuldigten in dem Komplex. Damit bleibt offen, wie umfassend der Fall und die mögliche Verantwortung verschiedener Beteiligter am Ende bewertet werden.
SPD in den Umfragen unter Druck
Unabhängig von den Ermittlungen zeigen aktuelle Umfragen, dass Krachs SPD bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September schlechte Chancen hat. In Erhebungen im Auftrag von ARD und ZDF liegt die Partei mit 10 bis 12 Prozent abgeschlagen auf Platz fünf und damit ähnlich schwach wie in früheren Befragungen. Mit 21 bis 23 Prozent führt die Linke vor CDU mit 20 bis 21 Prozent, AfD mit 17 bis 18 Prozent und Grünen mit 16 Prozent. Die Ermittlungen treffen die SPD damit in einer Phase, in der sie ohnehin um politischen Einfluss in der Hauptstadt ringt.
Belastete Spitzenkandidatur kurz vor der Berlin-Wahl
Die Ermittlungen gegen Steffen Krach treffen die Berliner SPD in einer Phase, in der sie ohnehin mit schwachen Umfragewerten zu kämpfen hat. Der Vorwurf, ein Unternehmer habe im Zusammenhang mit einem Vergabeverfahren zweimal zu Parteispenden aufgefordert werden sollen, berührt zentrale Fragen politischer Integrität und der Trennung von Amt und Partei. Hinzu kommt der Anfangsverdacht auf wettbewerbsbeschränkende Absprachen und die Verletzung von Geschäftsgeheimnissen, der unmittelbar auf die Amtsführung Krachs als Regionspräsident von Hannover zielt.
Für die Berliner Landespolitik ist der Fall brisant, weil Krach als SPD-Spitzenkandidat eine Schlüsselrolle im Wahlkampf spielt. Ermittlungen gegen einen führenden Bewerber können das Vertrauen in Parteien und Institutionen weiter schwächen, insbesondere wenn finanzielle Verflechtungen zwischen öffentlichen Vergabeverfahren und Parteispenden in den Blick geraten. Zugleich bleibt festzuhalten, dass Krach die Vorwürfe entschieden zurückweist und die Staatsanwaltschaft ausdrücklich von einem Anfangsverdacht spricht. Rechtlich gilt damit weiterhin die Unschuldsvermutung; ob es zu einer Anklage kommt, ist offen.
Signalwirkung für Parteienfinanzierung und Vergabepraxis
Der geschilderte Vorgang um das Klinikgelände in Lehrte und die zurücküberwiesene Spende über 9.900 Euro wirft ein Schlaglicht auf die Sensibilität von Parteispenden im Umfeld öffentlicher Entscheidungen. Selbst wenn Spenden formal zulässig sind, entsteht schnell der Eindruck möglicher Einflussnahme, wenn sie mit laufenden Verfahren zusammentreffen. Für die Praxis der Kommunal- und Landespolitik dürfte der Fall daher als Warnsignal dienen, Spendenströme und Vergabeverfahren noch stärker organisatorisch voneinander zu trennen und transparente Regeln zu kommunizieren.
Auswirkungen auf das Kräfteverhältnis in Berlin
Die in der Meldung genannten Umfragen deuten darauf hin, dass die SPD bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus weit hinter anderen Parteien liegt, während die Linke klar vorne liegt und CDU, AfD und Grüne um die weiteren Plätze konkurrieren. In einem Umfeld, in dem die Sozialdemokraten bereits mit zweistelligen Verlusten konfrontiert sind, können Ermittlungen gegen den Spitzenkandidaten zusätzliche Belastungen im Wahlkampf bedeuten. Ob dies die Umfragetrends noch weiter verschiebt oder ob andere Themen wie Wohnungsmarkt, innere Sicherheit und soziale Infrastruktur stärker entscheidend bleiben, wird sich erst am Wahltag zeigen. Für die Berlinerinnen und Berliner steht damit nicht nur eine Richtungsentscheidung über die künftige Regierung an, sondern auch ein Test für das Vertrauen in die politische Kultur der Hauptstadt.
