Endlagersuche: Weniger als fünf Prozent kommen noch infrage
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 14:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundestag entscheidet über die nächsten Regionen
- Die BGE prüft noch Gebiete im Harz, im Bayerischen Wald und nahe der tschechischen Grenze.
- 2020 galten zunächst 90 Gebiete auf 54 Prozent der deutschen Fläche als potenziell geeignet.
- Bis Ende 2027 soll die BGE wenige Standortregionen zur oberirdischen Erkundung vorschlagen.
Endlagersuche erreicht nächste Prüfphase
Die Suche nach einem deutschen Endlager für hochradioaktiven Atommüll wird konkreter: Nach Einschätzung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) kommen weniger als fünf Prozent der deutschen Landesfläche noch infrage. Fünf Bundesländer sind nicht mehr Teil der laufenden Suche.
Fünf Länder scheiden aus
Rheinland-Pfalz, Hessen, Berlin, Sachsen und das Saarland gehören nicht mehr zu den möglichen Gebieten. Das Saarland war bereits 2020 herausgefallen, Rheinland-Pfalz schied 2025 aus; Sachsen, Berlin und Hessen wurden in diesem Jahr neu aussortiert.
Im Rennen sind unter anderem Regionen im Harz, im Bayerischen Wald und in Bayern nahe der tschechischen Grenze. Das letzte Wort über die Auswahl des Standorts hat der Bundestag.
Geologie entscheidet über die Vorauswahl
Die BGE ist seit 2017 für die Endlagersuche zuständig. 2020 hatte sie 90 Gebiete als potenziell geeignet eingestuft, die zusammen 54 Prozent der deutschen Fläche ausmachten. Seither werden die Sicherheitsanforderungen schrittweise verschärft und weitere Flächen ausgeschlossen.
Untersucht werden Untergründe aus Granit, Salz und Ton. Die Gesteine sollen radioaktive Stoffe zurückhalten, wenig Wasser und Gas durchlassen und hohen Temperaturen standhalten. Gesucht wird eine möglichst stabile, über lange Zeiträume wenig veränderte Geologie.
Entscheidung über Standortregionen folgt
Bis Ende 2027 will die BGE die verbliebenen Flächen weiter einengen und wenige Standortregionen für die Erkundung vorschlagen. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung prüft den Vorschlag und beteiligt Wissenschaft sowie Öffentlichkeit.
Anschließend entscheidet der Bundestag über die Regionen, die weiter untersucht werden. Als Zieldatum für die Entscheidung über ein Endlager gilt 2050.
Zwischenlager bleiben Übergangslösung
In Deutschland sind die letzten Atomreaktoren im April 2023 abgeschaltet worden. Aus mehr als 60 Jahren Atomkraft stammen rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiver Abfälle, die derzeit in 16 oberirdischen Zwischenlagern aufbewahrt werden.
Das genehmigte Endlager Schacht Konrad in Salzgitter ist nur für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle vorgesehen und soll in den 2030er Jahren in Betrieb gehen. Der hochradioaktive Müll benötigt weiterhin eine eigene unterirdische Lösung.
Die Endlagersuche tritt mit der Eingrenzung auf weniger als fünf Prozent der deutschen Landesfläche in eine konkretere Phase ein. Dennoch ist die aktuelle Auswahl noch keine Standortentscheidung: Bis Ende 2027 soll die BGE aus den verbliebenen Gebieten wenige Standortregionen für die oberirdische Erkundung vorschlagen.
Das Verfahren trennt bewusst geologische Eignung und spätere politische Abwägung. Zunächst prüfen die Fachleute, ob Salz, Ton oder Granit den dauerhaften Einschluss hochradioaktiver Abfälle ermöglichen können. Fragen zur Nähe von Städten, zur Infrastruktur und zu oberirdisch nutzbaren Flächen spielen erst in späteren Schritten eine größere Rolle. Dadurch soll die Auswahl nachvollziehbar und wissenschaftlich begründet bleiben.
Langfristige Aufgabe trotz Atomausstieg
Der deutsche Atomausstieg beendet die Stromproduktion aus Kernkraft, nicht aber die Verantwortung für die bereits entstandenen Abfälle. Rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktives Material lagern weiterhin oberirdisch in 16 Zwischenlagern. Diese Zwischenlager sind Übergangslösungen; sie ersetzen kein Endlager, das Sicherheit über sehr lange Zeiträume gewährleisten soll.
Nach dem Vorschlag der BGE muss zunächst das BASE prüfen und Wissenschaft sowie Öffentlichkeit beteiligen. Danach entscheidet der Bundestag über die Regionen, die weiter erkundet werden. Das angestrebte Zieljahr 2050 markiert deshalb nicht den Abschluss der Suche, sondern den politischen Zeitrahmen für eine dauerhaft tragfähige Lösung.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Fünf Bundesländer fallen raus: Gebiete für Atommüll-Endlager deutlich eingegrenzt“ (27.10.2026)
Der Beitrag bestätige die Eingrenzung auf weniger als fünf Prozent der Landesfläche und das Ausscheiden von fünf Bundesländern. Zusätzlich stelle er die geologischen Ausschlusskriterien sowie den weiteren Ablauf bis zur Entscheidung des Bundestags heraus.
NDR: „Atommüllendlager-Suche: Bundesgesellschaft grenzt Gebiete weiter ein“ (27.10.2026)
Der NDR-Bericht bestätige den nächsten Verfahrensschritt bis Ende 2027 und setze einen regionalen Schwerpunkt auf mögliche Flächen in Norddeutschland. Anders als der n-tv-Beitrag ordne er zusätzlich die lange Perspektive des Verfahrens und internationale Entwicklungen ein.
Beide Beiträge seien sich beim enger werdenden Suchgebiet und beim mehrstufigen Verfahren einig. Unterschiede gebe es vor allem bei der regionalen Gewichtung und bei der Frage, wie stark der langfristige Zeitbedarf in den Mittelpunkt rücke.
