Elif Eralp, Berliner Linke

Elif Eralp erklärt Angst mit Rat der Sicherheitsbehörden

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 07:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp erklärt ihre zurückhaltenden Äußerungen zu einem Palästina-Aktivisten mit dem Rat der Sicherheitsbehörden. Zugleich weist sie Kritik zurück und betont, dass Gewalt, organisierte Kriminalität und Terrorverherrlichung in Berlin keinen Platz hätten.

Eralps Stellungnahme und die nächsten Schritte

  • Eralp erklärte am Abend in einem Instagram-Video, dass Bedrohungen gegen sie nach der Wahl zugenommen hätten.
  • Die schriftlichen Anmerkungen waren laut Meldung versehentlich mit dem Interviewtext an den Spiegel zurückgeschickt worden.
  • Die Berliner Linke strebt mit Grünen und SPD eine Koalition an, gegen die es Vorbehalte auf Bundesebene gibt.
Eralp tritt ihren Kritikern in einer Videobotschaft entgegen. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa

Eralp erklärt Zurückhaltung mit Sicherheitsrat

Die Berliner Linken-Wahlsiegerin Elif Eralp hat sich gegen Kritik an ihren veröffentlichten Anmerkungen zu einem Interview verteidigt. In einem am Abend auf Instagram veröffentlichten Video sagte sie, Bedrohungen gegen sie hätten nach der Wahl zugenommen und sie tausche sich mit Sicherheitsbehörden über die aktuelle Bedrohungslage aus.

Behördenrat prägt ihre Wortwahl

Eralp erklärte, sie nehme den professionellen Rat der Behörden ernst und wäge deshalb ihre Worte genau ab. Dass ihre nicht zur Veröffentlichung gedachten Anmerkungen nun bekannt seien, ignoriere die Bitte ihres Teams.

Die Politikerin hatte dem Spiegel ein Interview gegeben und dabei schriftliche Anmerkungen hinterlassen. Darin ging es laut Magazin um die Sicherheit ihrer Familie für den Fall, dass sie sich öffentlich und ausdrücklich zu einem bekannten Palästina-Aktivisten äußert, der seit Jahren der in der EU und den USA als Terrororganisation eingestuften Volksfront für die Befreiung Palästinas angehört.

Eralp sieht Grenze überschritten

Die Anmerkungen waren offenbar versehentlich zusammen mit dem Interviewtext an den Spiegel zurückgeschickt worden. Eralp sagte, sie stelle sich jeder politischen Diskussion und Kritik, doch bei der Sicherheit ihrer Familie und ihrer selbst seien Grenzen überschritten worden.

Zugleich betonte sie, sie lasse sich nicht einschüchtern. Organisierte Kriminalität, Gewalt, Terrorverherrlichung, Menschenfeindlichkeit und alles, was die Sicherheit der Menschen in Berlin bedrohe, hätten in der Stadt keinen Platz.

Linke verteidigt Spitzenfrau

Der Co-Fraktionsvorsitzende der Berliner Linken, Tobias Schulze, sagte im RBB-Inforadio, Politikerinnen und Politiker in hervorgehobenen Positionen hätten immer Angst um ihre Familien. Seine Partei halte es nicht für redlich, aus persönlichen Anmerkungen eine Geschichte zu machen, wie der Spiegel es getan habe.

Eralp möchte Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden. Die Berliner Linke strebt dafür eine Koalition mit Grünen und SPD an; Politikerinnen und Politiker auf Bundesebene beider Parteien haben gegen ein solches Bündnis Vorbehalte geäußert.

Der Vorgang fällt in eine politisch besonders sensible Phase: Die Berliner Linke strebt gemeinsam mit Grünen und SPD eine Regierungsbildung an. Der Linken-Parteitag soll am Samstag über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden; anschließend wäre eine Befragung der Parteimitglieder zum Koalitionsvertrag vorgesehen.

Damit berührt Eralps Stellungnahme nicht nur ihre persönliche Sicherheit, sondern auch die sicherheitspolitische Glaubwürdigkeit eines möglichen rot-grün-roten Bündnisses. In Berlin geht es dabei um den Umgang mit organisierter Kriminalität, Gewalt, Terrorismus und politisch motivierter Einschüchterung. Eralp verbindet ihre Zurückhaltung ausdrücklich mit dem Rat der Sicherheitsbehörden und stellt zugleich klar, dass sie gegen Bedrohungen vorgehen wolle.

Koalitionsbildung unter Sicherheitsdruck

Die Reaktionen der möglichen Partner zeigen, dass die Debatte über die veröffentlichten Anmerkungen in die Regierungsbildung hineinwirkt. Während aus den Reihen der Grünen Unterstützung für Eralps Sicherheitskurs kommt, werden in der SPD Fragen nach der politischen Klarheit und der Regierungsfähigkeit gestellt. Eine zusätzliche Belastung ist die bereits zuvor kontroverse Diskussion über den Umgang der Berliner Linken mit propalästinensischen und extremistischen Akteuren.

Für die weiteren Gespräche dürfte entscheidend sein, ob die beteiligten Parteien gemeinsame Maßstäbe für den Schutz von Amtsträgern, die Benennung extremistischer Strukturen und das Vorgehen staatlicher Sicherheitsbehörden formulieren. Für Berlinerinnen und Berliner betrifft das unmittelbar die Prioritäten einer möglichen Landesregierung bei Polizei, Verfassungsschutz und dem Schutz politisch engagierter Menschen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „„Spiegel“-Story über Elif Eralp: Eine Frage der Sicherheit“ (29.10.2026)

Der Beitrag ordne die Stellungnahme in die geplante Koalition von Linken, Grünen und SPD ein und beleuchte die Reaktionen der möglichen Partner. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt stärker auf die Folgen für die Regierungsbildung und den bevorstehenden Linken-Parteitag.

tagesschau: „Berlin Nach "Spiegel"-Bericht: Eralp bekräftigt Bedeutung von Sicherheit in Berlin“ (29.10.2026)

Der Bericht habe Eralps öffentliche Zusicherung hervorgehoben, gegen organisierte Kriminalität, Gewalt und Terror vorzugehen. Im Unterschied zur dpa-Meldung habe er außerdem die Reaktionen von SPD, CDU und AfD sowie die daraus abgeleiteten Fragen zur Koalitionsbildung dargestellt.

Beide Beiträge hätten die sicherheitspolitische Erklärung Eralps bestätigt, zugleich aber unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt: Der taz-Artikel habe stärker die Koalitionsperspektive betrachtet, während tagesschau die politischen Reaktionen gebündelt habe. Offen bleibe, wie sich die Debatte auf die Entscheidung der Berliner Linken über Koalitionsverhandlungen auswirke.

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