EKD-Synode: Fehrs fordert Abgrenzung von Antisemiten
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 14:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEKD-Synode mit Steinmeier-Besuch
- Die 7. Tagung der 13. EKD-Synode läuft bis zum 11. November in Würzburg.
- Die Synode trägt das Motto „Gemeinsam weiter - Kirche als Werkstatt für Demokratiebildung und intergenerationales Lernen als Ausdruck gelebten Glaubens“.
- Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird am Dienstag als Gast erwartet.
Fehrs fordert klare Grenzen für Parteien
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kirsten Fehrs, fordert von Parteien eine klare Abgrenzung von Menschen mit antisemitischen Positionen. Zum Auftakt der EKD-Synode in Würzburg verwies sie dabei auf die mögliche Regierungsbildung in Berlin unter Führung der Linken.
Streit um Vanessa Emde
Fehrs sagte, eine Partei, die Regierungsverantwortung übernehmen wolle, müsse sich „glasklar von Leuten abgrenzen“, die antisemitische Positionen verträten. Anlass ist der Umgang der Berliner Linken mit ihrer Abgeordneten Vanessa Emde.
Emde weigert sich, der Aufforderung ihres Parteivorstands zum Mandatsverzicht zu folgen. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, das Existenzrecht Israels zu bestreiten. Die Abgeordnete war am 20. September neu ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt worden.
Kirche legt Maßstab für alle Parteien an
Für die evangelische Kirche gelte gegenüber allen Parteien derselbe Maßstab, sagte Fehrs. Menschenwürde, Demokratie und der Schutz vor Diskriminierung seien nicht verhandelbar; Antisemitismus widerspreche dem christlichen Glauben fundamental.
Die EKD unterscheide dabei zwischen dem Verhalten einzelner Personen und den Positionen und Entscheidungen einer Partei insgesamt. Damit richtet sich die Aussage sowohl auf den Umgang mit einzelnen Abgeordneten als auch auf die politische Verantwortung von Parteien.
Synode berät bis zum 11. November
Die 7. Tagung der 13. Synode findet bis zum 11. November in Würzburg statt. Diskussionsforen und Arbeitsgruppen stehen unter dem Motto „Gemeinsam weiter - Kirche als Werkstatt für Demokratiebildung und intergenerationales Lernen als Ausdruck gelebten Glaubens“.
Am Dienstag wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Gast erwartet. Die Synode ist das Kirchenparlament der EKD, der knapp 17,4 Millionen Menschen angehören.
Fehrs’ Äußerung fällt in eine Synodentagung, die ausdrücklich der Demokratiebildung und dem intergenerationalen Lernen gewidmet ist. Damit verbindet die EKD die Abgrenzung von antisemitischen Positionen mit einer breiteren Debatte über die Widerstandskraft demokratischer Institutionen.
Der Fall Vanessa Emde verknüpft diese Grundsatzfrage mit der möglichen Regierungsbildung in Berlin. Für Parteien entsteht dabei ein Spannungsverhältnis: Sie müssen innerparteiliche Konflikte und unterschiedliche Positionen aushalten, zugleich aber klare Grenzen dort ziehen, wo das Existenzrecht Israels bestritten oder antisemitische Argumentation vertreten wird.
Demokratie und klare Grenzen
Die Synode berät bis zum 11. November in Würzburg über die Rolle der Kirche in einer polarisierten Gesellschaft. Zu den angekündigten Gästen zählen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster.
Die EKD zählt knapp 17,4 Millionen Mitglieder. Ihre Erklärung richtet sich damit nicht nur an Parteien, sondern auch an Gemeinden und kirchliche Einrichtungen: Dialogbereitschaft soll erhalten bleiben, ohne menschenfeindliche Positionen als normale politische Beiträge zu behandeln.
Politische Bedeutung in Berlin
Für die Berliner Linke bleibt der Umgang mit Emde politisch folgenreich. Die Partei hatte sie zum Mandatsverzicht aufgefordert; Emde weist diese Aufforderung zurück. In einer möglichen Regierungsbildung könnte die Frage, wie verbindlich die Abgrenzung von antisemitischen Positionen organisiert wird, das öffentliche Vertrauen in die Regierungsfähigkeit mitprägen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Kirche im Fokus: Protestanten wollen Zukunft nicht Extremisten überlassen“ (08.11.2026)
Der Artikel berichtet, Fehrs habe zum Auftakt der Synode vor Angriffen auf die Demokratie gewarnt und für eine klare Antwort auf Populisten und Extremisten plädiert. Der Schwerpunkt liegt breiter auf Demokratie, Dialog und dem geplanten Besuch Steinmeiers; der konkrete Streit um Emde steht nicht im Mittelpunkt.
Bayerischer Rundfunk: „Evangelische Jahressynode berät über Demokratie“ (08.11.2026)
Der Beitrag berichtet über das Treffen von mehr als 100 Delegierten in Würzburg und ordnet die Synode als Beratung über Demokratie ein. Er bestätigt den institutionellen Rahmen der dpa-Meldung, setzt aber einen stärkeren Akzent auf die Tagung selbst als auf den Berliner Parteikonflikt.
Gemeinsam ist beiden Beiträgen der Fokus auf Demokratie und die Würzburger Synode. Unterschiedlich gewichten sie Fehrs’ allgemeine Demokratieaussagen und den konkreten Umgang der Berliner Linken mit Emde.
