Bildungspolitik, Kindergesundheit

DAK-Präventionsradar: Mehr Schlafprobleme und Erschöpfung bei Schülerinnen und Schülern

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eine neue Auswertung des DAK-Präventionsradars zeigt deutliche Zunahmen von Schlafproblemen und Erschöpfung bei Schülerinnen und Schülern – und stellt einen Zusammenhang zu den historisch schlechten Pisa-Ergebnissen her. Die Studie wirft Fragen nach Alltagsbelastung und Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen auf.

Viele Schüler fühlen sich erschöpft. (Symbolfoto) - Bild: Marcus Brandt/dpa
Viele Schüler fühlen sich erschöpft. (Symbolfoto) - Bild: Marcus Brandt/dpa

Eine aktuelle Auswertung des DAK-Präventionsradars zeigt, dass fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis zehn über Schlafstörungen klagt und sich viele von ihnen regelmäßig erschöpft fühlen.

Groß angelegte Befragung an Schulen

Für das Präventionsradar lässt die Krankenkasse DAK seit 2016 regelmäßig das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung die Lebenslage von Kindern und Jugendlichen untersuchen. Im Schuljahr 2025/2026 beteiligten sich rund 30.000 Schülerinnen und Schüler an 141 allgemeinbildenden weiterführenden Schulen in 15 Bundesländern; alle Länder außer dem Saarland waren vertreten.

Die aktuelle Befragung ergab, dass sich 69 Prozent der Teilnehmenden mindestens einmal pro Woche erschöpft fühlen. 49 Prozent berichten von einem verminderten Wohlbefinden, nur 57 Prozent sehen ihre persönliche Zukunft positiv. Insgesamt wird von einer durchweg negativen Tendenz gesprochen.

Mehr Müdigkeit – schlechtere Lernchancen

Die DAK stellt einen Zusammenhang zwischen der hohen Erschöpfung vieler junger Menschen und den jüngsten Ergebnissen der internationalen Pisa-Studie her. Nach Einschätzung von DAK-Vorstand Andreas Storm haben Kinder und Jugendliche, die früh unter Müdigkeit und Schlafstörungen leiden und keine Strategien zum Umgang mit Belastungen kennen, deutlich schlechtere Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen.

Storm fordert daher, die Gesundheitskompetenz bereits bei Schülerinnen und Schülern zu stärken. Gesundheitliche Prävention und Aufklärung sollen ihnen helfen, mit Stress, Schlafproblemen und anderen Belastungen umzugehen, um so ihre Lernfähigkeit zu verbessern.

Deutlicher Anstieg innerhalb weniger Jahre

Der Vergleich mit früheren Erhebungen zeigt eine deutliche Zunahme der Probleme. Im Schuljahr 2019/2020 gaben 36 Prozent der Befragten an, unter Schlafstörungen zu leiden; im vergangenen Schuljahr waren es bereits 46 Prozent. Auch Erschöpfung hat klar zugenommen: Vor drei Jahren berichteten 52 Prozent davon, inzwischen sind es 69 Prozent.

Die Krankenkasse sieht darin einen Trend, der über einzelne Schulen oder Regionen hinausreicht. Die Zahlen deuten darauf, dass sich die Lebens- und Lernbedingungen für viele Kinder und Jugendliche in Deutschland spürbar verschlechtert haben.

Einfluss der Mediennutzung am Abend

Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Michael Hubmann, nennt als möglichen Erklärungsfaktor eine starke Nutzung digitaler Medien. Kinder und Jugendliche, die bis spät in den Abend soziale Medien verwenden oder durch algorithmisch gesteuerte, aufwühlende Videoinhalte immer weiter zum Konsum angehalten werden, würden von einem gesunden Schlaf abgehalten.

Übermäßiger Medienkonsum am Abend könne nach seiner Einschätzung dazu beitragen, dass junge Menschen weniger schlafen, schlechter zur Ruhe kommen und dadurch tagsüber müde sind. Dies wiederum wirke sich negativ auf Aufmerksamkeit, Wohlbefinden und Lernleistung aus.

Pisa-Ergebnisse verstärken die Alarmzeichen

Die Ergebnisse des Präventionsradars erscheinen vor dem Hintergrund der kürzlich veröffentlichten Pisa-Studie 2025 besonders brisant. In dieser internationalen Vergleichsstudie schnitten die 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. Rund 6.700 Jugendliche wurden insbesondere in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet.

Auch die Bundesschülerkonferenz hat Faktoren wie hohen Leistungsdruck, Mobbing, Social-Media-Nutzung und mangelndes Wohlbefinden in der Schule als Belastungen benannt. Vor diesem Hintergrund versteht die DAK die neuen Zahlen als weiteren Hinweis darauf, wie eng Gesundheit und Bildungserfolg bei jungen Menschen miteinander verbunden sind.

Steigende Belastung im Schulalltag

Die aktuellen Ergebnisse des DAK-Präventionsradars fügen sich in ein Bild wachsender Belastungen für Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Wenn fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen über Schlafstörungen klagt und mehr als zwei Drittel sich regelmäßig erschöpft fühlen, deutet dies auf eine strukturelle Überforderung im Schul- und Lebensalltag hin. Der deutliche Anstieg gegenüber den Vergleichsjahren zeigt, dass es sich nicht um eine kurzfristige Schwankung, sondern um eine anhaltende Entwicklung handelt.

Gleichzeitig rücken die schlechten Ergebnisse der Pisa-Studie 2025 die Lernbedingungen in den Mittelpunkt. Wenn Jugendliche müde und erschöpft in die Schule kommen, sinken Konzentration, Aufnahmefähigkeit und Motivation – mit unmittelbaren Folgen für Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Bildungsexperten verweisen seit Längerem darauf, dass Lernleistung nicht nur von Unterrichtsqualität, sondern auch von Gesundheit, psychischer Stabilität und einem verlässlichen Tagesrhythmus abhängt.

Rolle digitaler Medien und Familienalltag

Die Hinweise von Kinder- und Jugendärzten auf eine übermäßige Nutzung sozialer Medien und aufwühlender Videos am Abend passen zu Beobachtungen aus der Praxis: Smartphones und Plattformen begleiten viele Schülerinnen und Schüler bis spät in die Nacht. Wenn Nachrichten, Videos und Chats kaum Pausen lassen, verkürzt sich die Schlafdauer, und die Schlafqualität leidet. Parallel diskutieren Politik und Fachleute verstärkt über Altersgrenzen, verbindliche Regeln und mehr Aufklärung zur digitalen Mediennutzung.

Handlungsdruck für Politik, Schulen und Eltern

Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass Gesundheit und Bildung ihrer Kinder eng miteinander verbunden sind. Schulen stehen vor der Aufgabe, Gesundheitskompetenz und Schlafhygiene stärker zum Thema zu machen, zum Beispiel in Präventionsprogrammen, Projektwochen oder Beratungsangeboten. Eltern können durch feste Schlafenszeiten, klare Handyregeln und eine ruhige Lernumgebung beitragen. Für die Bildungspolitik ergeben sich aus den Daten der DAK und den Pisa-Ergebnissen zusätzliche Argumente, Prävention, Schulsozialarbeit und psychische Gesundheit im Bildungssystem stärker zu verankern.

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