Autoindustrie, Elektromobilität

Auto-Deal von Merz und Macron gefährdet 344.000 neue Jobs

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Eine Fraunhofer-Analyse warnt vor erheblichen Beschäftigungseinbußen, falls Deutschland und Frankreich europäische Vorgaben zur Elektrifizierung und zur Produktion in Europa abschwächen. Deutschland könnte nach der Studie besonders stark von den bestehenden Plänen profitieren.

Beschäftigungseffekte der EU-Autoregeln

  • Die Fraunhofer-Studie sieht bis zu 344.000 gefährdete neue Jobs in Europa.
  • Für Deutschland nennt die Analyse bis zu 134.000 zusätzliche Stellen im Jahr 2030.
  • Bei Volkswagen könnten die EU-Vorgaben zwischen 14.000 und 56.000 Jobs zusätzlich ermöglichen.
Autoproduktion (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Fraunhofer-Studie sieht Auto-Deal als Jobrisiko

Der Auto-Deal zwischen Deutschland und Frankreich bedroht laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts bis zu 344.000 neue Jobs in Europa, davon die meisten in Deutschland. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland in seiner Mittwochausgabe.

Studie untersucht EU-Vorgaben

Die Untersuchung im Auftrag der Organisation Transport and Environment befasst sich mit EU-Vorgaben zur Elektrifizierung großer Firmenwagenflotten und mit Regeln für in Europa hergestellte Fahrzeuge. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollen diese Vorgaben nach ihrer gemeinsamen Vereinbarung abschwächen.

Die beiden Politiker fordern demnach mehr Flexibilität anstelle eines festen EU-Ziels für den Anteil von Elektroautos bei Firmenneuwagen. Auch die Vorgaben für in Europa produzierte Fahrzeuge sollen schwächer ausfallen.

Anzeige | trading-house Börsenakademie

Leo, Referent der trading-house Börsenakademie

Referent: Leo

Kostenlose Trading-Webinare für Privatanleger

Live lernen, live fragen. Erfahrene Trader zeigen Dir ihre Strategien beim Handel mit Aktien, Indizes und Rohstoffen in Echtzeit und beantworten Deine Fragen direkt - zum Beispiel, wie Du Nachrichten wie diese für Deine Entscheidungen an der Börse richtig einordnest. 100 % kostenlos, live und interaktiv, jeden Mittwoch um 15:15 Uhr, von der trading-house Börsenakademie, die Privatanleger seit 28 Jahren ausbildet.

Kostenlos zum nächsten Webinar anmelden

Deutschland könnte besonders profitieren

Deutsche Hersteller und Standorte würden der Analyse zufolge besonders von den EU-Vorhaben profitieren, wenn die Pläne nicht aufgeweicht würden. Im Jahr 2030 könnten allein in Deutschland bis zu 134.000 zusätzliche Jobs entstehen, falls Firmenwagen großer Unternehmen entsprechend dem Vorschlag der EU-Kommission elektrifiziert werden.

Für Volkswagen nennt die Studie zwischen 14.000 und 56.000 zusätzliche Jobs im Jahr 2030. Mit deutlichem Abstand auf Deutschland folgen Automobilhersteller in Polen mit 38.500 und in der Slowakei mit 26.200 zusätzlichen Stellen.

Kritik von Transport and Environment

„Das Beispiel VW zeigt, dass Deutschland als starker Industriestandort besonders profitieren könnte. Wenn die Bundesregierung wirklich Jobs bei VW schützen will, sollte sie aufhören, die geplanten Gesetze zugunsten von Verbrennern zu verwässern“, sagte E-Mobilitäts-Referentin Susanne Goetz von Transport and Environment den Zeitungen.

Das jüngste Auto-Abkommen von Merz und Macron sei an Kurzsichtigkeit kaum zu übertreffen, sagte Goetz weiter.

Die Studie ordnet den Streit über die europäische Verkehrspolitik in einen tiefgreifenden Strukturwandel der Autoindustrie ein. Der Wechsel vom Verbrennungsmotor zu batterieelektrischen Fahrzeugen verändert nicht nur Antriebe, sondern auch Wertschöpfungsketten, Produktionsstandorte und Qualifikationsprofile. Firmenwagen spielen dabei eine zentrale Rolle, weil sie einen großen Teil der Neuzulassungen ausmachen und später den Gebrauchtwagenmarkt mit emissionsärmeren Fahrzeugen versorgen.

Arbeitsplätze hängen an der Regulierung

Die genannten Beschäftigungseffekte beruhen auf der Annahme, dass europäische Hersteller von einer stärkeren Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und von einer Produktion innerhalb Europas profitieren. Deutschland verfügt mit Volkswagen, großen Zulieferern und zahlreichen Entwicklungsstandorten über eine besonders breite industrielle Basis. Zugleich befindet sich die Branche bereits unter erheblichem Kostendruck: Ein Stellenabbau in der Autoindustrie und bei Zulieferern trifft deshalb auf laufende Sparprogramme und Umbauprozesse.

Politisch stehen sich zwei Argumentationslinien gegenüber. Befürworter einer Aufweichung wollen Herstellern mehr Zeit und technologische Freiheit geben, um Wettbewerbsfähigkeit, Preise und Beschäftigung zu sichern. Die Gegenseite warnt, weniger verbindliche Vorgaben könnten Investitionen in europäische Elektrofahrzeuge bremsen und den Aufbau von Produktionskapazitäten außerhalb Europas begünstigen.

Entscheidung auf EU-Ebene

Für Unternehmen und Beschäftigte ist deshalb entscheidend, wie die angekündigte deutsch-französische Initiative in konkrete EU-Regeln übersetzt wird. Die Debatte betrifft neben Neuwagenzielen auch die Herkunft von Fahrzeugen und Komponenten. Die im Auftrag von Transport and Environment erstellte Analyse liefert dafür ein wirtschaftspolitisches Argument: Eine ambitioniertere Elektrifizierung könnte nach ihrer Berechnung zusätzliche Beschäftigung schaffen, während eine Abschwächung der Vorgaben diese Chancen verringern würde.

Disclaimer...
de | politik | 70378658 |