Westjordanland: Siedler greifen EU-Diplomaten in Taybeh an
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 23:09 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDelegation bei Olivenernte betroffen
- Die Delegation aus Frankreich, Belgien und Polen hielt sich im Dorf Taybeh östlich von Ramallah auf.
- Vermummte Siedler sollen Scheiben eines belgischen Konsulatsfahrzeugs eingeschlagen haben.
- Der Bürgermeister Bernard Baudoux berichtete von Schlägen mit Eisenstangen und Tritten.
Angriff auf EU-Delegation im Westjordanland
Israelische Siedler haben am Samstag offenbar eine diplomatische Delegation aus Vertretern Frankreichs, Belgiens und Polens im Westjordanland angegriffen. Die Gruppe soll sich zuvor an der Olivenernte im Dorf Taybeh östlich von Ramallah beteiligt haben.
Belgisches Fahrzeug beschädigt
Vermummte israelische Siedler sollen die Scheiben eines belgischen Konsulatsfahrzeugs eingeschlagen und Ausweispapiere verlangt haben. Unter den Angegriffenen ist nach eigenen Angaben Bernard Baudoux, Bürgermeister der nordfranzösischen Stadt Aulnoye-Aymeries.
Videoaufnahmen sollen zeigen, wie Baudoux nach dem Angriff am Boden liegt. Auf Facebook schrieb er, er sei mit Eisenstangen geschlagen und mit Füßen getreten worden. Ihm sei die Flucht gelungen, nun gehe es ihm gut. Er werde sich weiterhin für Frieden einsetzen.
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Der Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen im Westjordanland, wo palästinensische Dörfer und internationale Beobachter immer wieder mit Gewalt, Einschüchterungen und Behinderungen konfrontiert sind. Die Olivenernte hat dabei eine besondere Bedeutung: Sie ist für viele Familien eine wichtige Einnahmequelle und zugleich eng mit Landbesitz, Bewegungsfreiheit und dem Zugang zu Feldern verbunden.
Diplomatische Delegationen europäischer Staaten besuchen palästinensische Gemeinden regelmäßig, um Solidarität zu zeigen, lokale Projekte zu unterstützen und die Lage vor Ort zu beobachten. Ein Angriff auf eine solche Gruppe hätte deshalb über den individuellen Schaden hinaus eine politische Dimension. Betroffen wären nicht nur Vertreter mehrerer EU-Staaten, sondern auch die Frage, ob internationale Akteure ihre Arbeit in der Region sicher ausüben können.
Politische Folgen des Vorfalls
Für Frankreich, Belgien und Polen dürfte der Schutz ihrer Staatsangehörigen und diplomatischen Vertreter im Mittelpunkt stehen. Sollte sich der geschilderte Ablauf bestätigen, wären zudem Forderungen nach Aufklärung und strafrechtlicher Verfolgung naheliegend. Für die betroffenen Gemeinden kann der Vorfall die ohnehin angespannte Erntesaison weiter erschweren. Die Schilderung des Bürgermeisters von Aulnoye-Aymeries verleiht dem Geschehen zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit, weil sie die Auswirkungen der Gewalt auf europäische Besucher unmittelbar sichtbar macht.
