Forsa-Umfrage, Reformpaket Bundesregierung

Forsa-Umfrage: 70 Prozent fordern Änderungen am Reformpaket

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 14:58 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Eine aktuelle Forsa-Umfrage für RTL und ntv zeigt: Sieben von zehn Bundesbürgern wollen Änderungen am Reformpaket der Bundesregierung, und eine Mehrheit ist für eine Rückkehr des Tankrabatts. Die Skepsis zieht sich durch nahezu alle politischen Lager.

Umfrage: 70 Prozent wollen Nachbesserungen am Reformpaket
Senioren in einer Fußgängerzone (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Eine klare Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich Änderungen am Reformpaket der Bundesregierung. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa sprechen sich 70 Prozent dafür aus, die im Sommer vereinbarten Reformmaßnahmen zu Arbeitsmarkt, Steuern und Rente noch einmal zu überarbeiten.

Mehrheit gegen unveränderte Verabschiedung im Bundestag

Nur 24 Prozent der Befragten befürworten es, die beschlossenen Reformen weitgehend unverändert im Bundestag zu verabschieden. Das geht aus dem "Trendbarometer" von RTL und ntv hervor, für das Forsa 1.001 Personen am 11. und 14. September befragt hat. Auch unter den Anhängern der Union ist der Wunsch nach Änderungen größer als die Zustimmung zum aktuellen Paket: 50 Prozent wollen Nachbesserungen, 46 Prozent ein weitgehend unverändertes Festhalten an den Plänen.

Parteienvergleich: Deutliche Forderungen nach Änderungen

Besonders ausgeprägt ist die Forderung nach Nachbesserungen bei den Anhängern der Linken. Dort wünschen sich 85 Prozent Änderungen am Reformpaket. Unter Anhängern der AfD liegt der Anteil bei 78 Prozent, bei den Grünen bei 73 Prozent und bei der SPD bei 62 Prozent. Zwischen Ost- und Westdeutschland zeigen sich nur geringe Unterschiede: Im Osten sprechen sich 72 Prozent für Änderungen aus, im Westen 70 Prozent.

Mehrheit für Rückkehr des Tankrabatts

Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage sind die aktuell hohen Spritpreise. 58 Prozent der Bundesbürger befürworten die Wiedereinführung des sogenannten Tankrabatts. Dabei handelt es sich um die bis Ende Juni geltende Steuersenkung für Benzin und Diesel von knapp 17 Cent pro Liter, die aus Kostengründen nicht verlängert wurde. 37 Prozent lehnen eine Rückkehr des Tankrabatts ab.

Regionale Unterschiede und Parteipräferenzen beim Tankrabatt

Im Osten Deutschlands ist die Zustimmung zu einer Neuauflage des Tankrabatts besonders hoch: 70 Prozent der dort Befragten sprechen sich dafür aus, im Westen sind es 56 Prozent. Die Anhänger der Union sind bei dieser Frage nahezu gespalten; 48 Prozent unterstützen eine Wiedereinführung, 49 Prozent sind dagegen. Bei den AfD-Anhängern sind 79 Prozent für den Tankrabatt, bei der Linken 62 Prozent und bei der SPD 54 Prozent.

Grünen-Anhänger lehnen Tankrabatt mehrheitlich ab

Eine klare Gegenposition zeigt sich bei den Anhängern der Grünen. Nur 27 Prozent von ihnen sprechen sich für eine Rückkehr des Tankrabatts aus, während 68 Prozent eine Wiedereinführung ablehnen. Damit bildet diese Gruppe die einzige Parteienanhängerschaft, in der eine Mehrheit gegen die Reaktivierung der früheren Steuersenkung auf Kraftstoffe ist.

Die Forsa-Umfrage zeigt eine breite Skepsis gegenüber dem Reformpaket der Bundesregierung, das im Sommer vereinbart wurde. Dass 70 Prozent der Befragten Nachbesserungen verlangen, deutet darauf hin, dass viele Bürger die geplanten Änderungen bei Arbeitsmarkt, Steuern und Rente als nicht ausreichend oder nicht ausgewogen empfinden.

Auffällig ist, dass der Wunsch nach Änderungen parteiübergreifend vorhanden ist. Selbst unter Anhängern der Union, die das Reformpaket politisch eher stützen könnten, überwiegen die Stimmen für Nachbesserungen knapp. Besonders hohe Zustimmungswerte für Änderungen bei Linken- und AfD-Anhängern weisen darauf hin, dass die Reformpläne aus sehr unterschiedlichen politischen Lagern kritisiert werden – sowohl aus sozialpolitischer als auch aus populistisch-oppositioneller Perspektive.

Stimmungslage und politische Konsequenzen

Die Umfrage dürfte den Druck auf die Bundesregierung erhöhen, zentrale Elemente des Pakets im weiteren Gesetzgebungsverfahren zu überprüfen. Für Koalitionsfraktionen im Bundestag entsteht damit die Herausforderung, einerseits Verlässlichkeit zu signalisieren und andererseits auf die verbreitete Unzufriedenheit zu reagieren. Die nahezu identischen Werte in Ost- und Westdeutschland legen nahe, dass die Kritik eher inhaltlich als regional begründet ist.

Beim Thema Tankrabatt zeigt sich eine ähnlich kritische Haltung gegenüber steigenden Lebenshaltungskosten. Eine Mehrheit spricht sich für die Wiedereinführung der zuvor befristeten Steuersenkung auf Kraftstoffe aus, mit besonders hoher Zustimmung im Osten. Das deutet auf anhaltende Belastungen durch Energie- und Mobilitätskosten hin und könnte die Debatte über gezielte Entlastungsmaßnahmen neu anfachen. Gleichzeitig steht eine Neuauflage des Tankrabatts im Spannungsfeld zwischen kurzfristiger Entlastung und langfristigen klima- und haushaltspolitischen Zielen.

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