Durchschnittsalter steigt in Landgemeinden auf 46,8 Jahre
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 08:21 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSJe ländlicher eine Gemeinde in Deutschland ist, desto stärker ist ihre Bevölkerung in den vergangenen 15 Jahren gealtert. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag auf Basis einer Auswertung von rund 10.500 Gemeinden mit.
Landgemeinden altern um 2,5 Jahre
In Großstädten stieg das Durchschnittsalter von Ende 2011 bis Ende 2025 nur leicht von 43,2 auf 43,5 Jahre. In Landgemeinden erhöhte es sich dagegen von 44,3 auf 46,8 Jahre.
Auch Kleinstädte verzeichneten einen deutlichen Anstieg: Ihr Durchschnittsalter nahm von 44,1 auf 46,3 Jahre zu. In Mittelstädten stieg es von 43,8 auf 45,4 Jahre.
Deutschland insgesamt älter
Bundesweit lag das Durchschnittsalter Ende 2011 bei 43,9 Jahren und Ende 2025 bei 45,0 Jahren. Damit nahm es innerhalb von 15 Jahren um gut ein Jahr zu.
Stadtstaaten bleiben am jüngsten
Im Vergleich der Bundesländer war die Bevölkerung Ende 2025 in Hamburg mit durchschnittlich 42,3 Jahren am jüngsten. Es folgten Berlin mit 42,8 Jahren und Bremen mit 43,2 Jahren.
Am höchsten lag das Durchschnittsalter in Sachsen-Anhalt mit 48,4 Jahren. Mecklenburg-Vorpommern kam auf 48,3 Jahre, Thüringen auf 48,2 Jahre.
Mecklenburg-Vorpommern altert am stärksten
Den stärksten Anstieg seit 2011 verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern mit 2,5 Jahren. In Bremen sank das Durchschnittsalter dagegen um 0,7 Jahre. Die Bevölkerung des Stadtstaats wurde damit im Schnitt etwas jünger.
Die Zahlen markieren keinen gleichmäßigen Alterungsprozess, sondern eine deutliche räumliche Spreizung. Während Großstädte zwischen 2011 und 2025 nahezu ihr Durchschnittsalter hielten, legten Landgemeinden um 2,5 Jahre zu. Kleinstädte und Mittelstädte lagen dazwischen. Damit konzentriert sich der demografische Druck besonders dort, wo Kommunen häufig kleinere Verwaltungen, längere Wege und eine geringere Dichte an medizinischen, sozialen und Bildungsangeboten haben.
Eine zentrale Rolle spielt die Altersstruktur der geburtenstarken Jahrgänge, die zunehmend das Rentenalter erreichen. Zugleich ziehen viele jüngere Menschen für Ausbildung, Studium und Beruf in größere Städte oder deren Umland. Die Entwicklung des Durchschnittsalters beschreibt deshalb nicht nur eine längere Lebenserwartung, sondern auch die Zusammensetzung der Bevölkerung durch Geburten, Sterbefälle und Wanderungen.
Folgen für Kommunen und Regionen
Für besonders stark alternde Gemeinden steigen die Anforderungen an Pflege, medizinische Versorgung, barrierefreien Wohnraum und öffentlichen Verkehr. Gleichzeitig können weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter Fachkräfteengpässe verschärfen und die Finanzierung kommunaler Angebote belasten. Stadtstaaten wie Hamburg und Berlin weisen dagegen weiterhin eine jüngere Altersstruktur auf; das kann ihre Arbeitsmärkte und Bildungsangebote stärken, erhöht aber zugleich den Druck auf Wohnraum und Infrastruktur.
Die Unterschiede zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Bremen zeigen, dass regionale Alterung nicht zwangsläufig verläuft. Entscheidend sind unter anderem Zuwanderung, wirtschaftliche Perspektiven, Hochschulen, Erreichbarkeit und die Attraktivität von Städten und Gemeinden für Familien und jüngere Beschäftigte.
