Düngemittel-Krise, Totschnig

Düngemittel-Krise: Totschnig fordert Finanzhilfen vor EU-Agrarrat

26.05.2026 - 14:30:25 | boerse-global.de

Österreichs Agrarminister verlangt zusätzliche Finanzhilfen, da die Düngemittelpreise durch den Iran-Krieg stark gestiegen sind.

Düngemittel-Krise: Totschnig fordert Finanzhilfen vor EU-Agrarrat - Foto: über boerse-global.de
Düngemittel-Krise: Totschnig fordert Finanzhilfen vor EU-Agrarrat - Foto: über boerse-global.de

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) fordert vor dem EU-Agrarrat am heutigen Dienstag zusätzliche Finanzhilfen für heimische Landwirte. Der Grund: Die Düngemittelpreise sind durch geopolitische Spannungen massiv gestiegen.

Die EU-Kommission hat zwar bereits erste Maßnahmen eingeleitet. Doch aus Sicht des österreichischen Ressortchefs reichen diese strukturellen Ansätze nicht aus, um die Existenz vieler Betriebe kurzfristig zu sichern. Die Diskussion in Brüssel zeigt: Die europäische Agrarwirtschaft ist zunehmend von globalen Krisen abhängig.

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Iran-Krieg treibt Düngerpreise

Die angespannte Lage auf dem Weltmarkt für Düngemittel geht maßgeblich auf die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten zurück. Besonders die Blockade der Straße von Hormus stört die Lieferketten für Energie und Rohstoffe empfindlich.

Die Produktion von Stickstoffdünger ist extrem energieintensiv. Steigende Gaspreise und logistische Engpässe wirken sich daher direkt auf die Kosten der Landwirte aus. Nikola Steinbock, Chefin der Landwirtschaftlichen Rentenbank, warnte vor den schwerwiegenden Folgen.

Die Preise für Düngemittel sind weltweit um bis zu 50 Prozent gestiegen. Konkret verteuerte sich Stickstoffdünger von rund 370 Euro auf etwa 460 Euro pro Tonne.

Mehrere Kostenfaktoren gleichzeitig

Die Entwicklung trifft die Landwirtschaft in einer ohnehin schwierigen Phase. Auch andere Betriebsmittel sind deutlich teurer geworden. Diesel kostet aktuell 1,858 Euro pro Liter, Benzin liegt bei etwa 1,763 Euro.

Obwohl die Rohölpreise zuletzt leicht nachgaben und bei etwa 98,3 Dollar pro Fass notierten, bleiben die Belastungen für Agrarbetriebe auf historischem Höchststand. Der Gaspreis liegt trotz eines leichten Rückgangs bei 46,45 Euro pro Megawattstunde.

Diese kumulierten Kostensteigerungen gefährden die Rentabilität vieler Betriebe. Totschnig kritisiert die vor einer Woche von der EU-Kommission präsentierten Pläne als unzureichend. Die Sofortmaßnahmen müssten nachgeschärft werden.

EU setzt Importzölle aus

Die Europäische Union hat bereits reagiert. Ein zentrales Instrument ist die Aussetzung der Einfuhrzölle für stickstoffhaltige Düngemittel wie Harnstoff und Ammoniak. Die Maßnahme ist zunächst auf ein Jahr befristet.

Die Kommission rechnet mit einem Entlastungseffekt von rund 60 Millionen Euro für die europäische Landwirtschaft. Ziel ist es, die Kosten zu senken und die Abhängigkeit von Importen aus Russland und Belarus zu verringern. Lieferungen aus diesen Ländern sind daher von der Zollbefreiung ausgenommen.

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Die befristete Zollfreiheit unterliegt einer bestimmten Warenquote. Diese orientiert sich am Volumen der Meistbegünstigungseinfuhren des Jahres 2024, ergänzt um einen Aufschlag von 20 Prozent. Bisher lagen die Zollsätze zwischen 5,5 und 6,5 Prozent.

EU-Agrarkommissar Christophe Hansen signalisierte Gesprächsbereitschaft für weitergehende Unterstützung. Er stellte gezielte Ausnahmehilfen aus einer speziellen Notfallreserve in Aussicht. Zudem werde an einem zusätzlichen Hilfspaket gearbeitet.

Für Totschnig bleibt das hinter den Erwartungen zurück. Der Fokus der Kommission liege zu sehr auf langfristigen Maßnahmen, während die aktuelle Preisspitze sofortiges Handeln erfordere.

Widerstand gegen Soja-Einstufung

Neben der Düngemittelproblematik geht Österreich gegen eine geplante Neuregelung bei der Sojaproduktion vor. Totschnig kündigte Widerstand gegen die Einstufung von Soja als Rohstoff mit hohem Risiko für indirekte Landnutzungsänderungen (ILUC) an.

Österreich ist der drittgrößte Sojaproduzent innerhalb der EU. Eine Einstufung als Risiko-Rohstoff hätte weitreichende Konsequenzen für heimische Ölmühlen. Totschnig warnte vor massivem wirtschaftlichem Druck, falls Sojaöl als Basis für die Biodiesel-Produktion wegfällt.

Die Initiative unterstreicht das Bemühen, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Veredelungswirtschaft trotz strenger EU-Umweltauflagen zu sichern.

Wirtschaftliche Lage bleibt angespannt

Die Forderungen aus Wien spiegeln eine wachsende Nervosität in der Agrarbranche wider. Die Kombination aus hohen Energiepreisen, gestiegenen Zinsen und volatilen Düngemittelpreisen führt zu einer prekären Situation.

Für 2026 werden in Österreich rund 4.100 Insolvenzverfahren erwartet, hinzu kommen schätzungsweise 3.600 Abweisungen mangels Masse. Der finanzielle Spielraum vieler Betriebe ist erschöpft. Die Kostensteigerungen könnten nach den Sommermonaten voll durchschlagen, wenn neue Düngemittelmengen für die nächste Aussaat geordert werden müssen.

Die Diskussion um den EU-Agrarhaushalt und die Notfallreserven wird in den kommenden Wochen an Intensität gewinnen. Der Erfolg von Totschnigs Initiative hängt davon ab, ob sich eine Mehrheit der Agrarminister für eine Ausweitung der Finanzhilfen findet. Die Preisentwicklung an den Energiebörsen und die militärische Lage in der Golfregion bleiben dabei die unsicheren Variablen.

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