Dschibuti: 109 Migranten sterben bei Schiffsunglück
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 12:26 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSOpfer stammen aus überfülltem Migrantenboot
- Das Boot war mit 350 Menschen von Dschibuti in Richtung Jemen unterwegs.
- Das Unglück ereignete sich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nahe Guhere nördlich von Obock.
- Unter den 109 geborgenen Toten sind 52 Männer, 42 Frauen und 15 Kinder.
- Die 64 Überlebenden werden im Migrant Response Centre in Obock betreut.
Bei einem Schiffsunglück vor der Küste Dschibutis sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration mindestens 109 Migranten ums Leben gekommen. Das Boot mit 350 Menschen an Bord kenterte auf dem Weg von Dschibuti in den Jemen nahe Guhere nördlich von Obock.
15 Kinder unter den geborgenen Toten
Unter den geborgenen Leichen befinden sich 52 Männer, 42 Frauen und 15 Kinder. Zu den getöteten Kindern zählen neun Mädchen und sechs Jungen.
Mehr als 116 Menschen werden weiterhin vermisst. Mehr als 80 Personen überlebten den Schiffbruch; 64 von ihnen werden im Migrant Response Centre in Obock versorgt.
IOM unterstützt Behörden vor Ort
Die IOM arbeitet nach eigenen Angaben mit den lokalen Behörden zusammen und leistet Nothilfe. IOM-Missionsleiter Alexandre Coissac erklärte, die Tragödie mache die Gefahren für Migranten auf diesem Korridor deutlich.
Jedes Jahr reisen Zehntausende Menschen aus dem Horn von Afrika durch Dschibuti und überqueren die Meerenge Bab el-Mandeb in Richtung Jemen. Viele hoffen, anschließend die Golfstaaten zu erreichen, um dort Sicherheit, Stabilität und Arbeit zu finden.
Der Seeweg zwischen dem Horn von Afrika und dem Jemen gehört zu den wichtigsten, zugleich gefährlichsten Migrationsrouten der Region. Menschen aus Äthiopien reisen über Dschibuti und die Meerenge Bab el-Mandeb weiter auf die Arabische Halbinsel. Viele hoffen auf Arbeit und ein sichereres Leben in den Golfstaaten.
Die Überfahrt erfolgt häufig in überfüllten und für die offene See ungeeigneten Booten. Schleuser organisieren die Transporte unter Bedingungen, bei denen Wetter, technische Mängel und fehlende Rettungsmöglichkeiten die Risiken erhöhen. Bei einem Unglück können die Entfernungen zu Küsten und Rettungsdiensten binnen kurzer Zeit lebensentscheidend werden.
Folgen für Überlebende und Angehörige
Die hohe Zahl der Vermissten zeigt, dass das Ausmaß des Unglücks auch nach der Bergung der ersten Opfer noch nicht abschließend feststeht. Für die Überlebenden stehen zunächst medizinische Versorgung, Unterbringung und die Klärung ihrer Identität im Mittelpunkt. Angehörige benötigen Informationen über Vermisste und Tote.
Die Betreuung im Migrant Response Centre in Obock ist Teil der unmittelbaren Nothilfe. Zugleich macht der Unfall sichtbar, dass Maßnahmen gegen Schleuser allein die Ursachen der Bewegung nicht beseitigen. Solange wirtschaftliche Perspektiven, Schutz und reguläre Wege fehlen, bleibt die riskante Route für viele Migranten eine Option trotz der bekannten Gefahren.

