Drohnenregiment: Bundeswehr baut neuen Verband mit bis zu 600 Soldaten auf
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 17:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Bundeswehr baut im kommenden Jahr ein eigenes Drohnenregiment mit bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten auf, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen ankündigte.
Verband soll Fähigkeiten bündeln
Das Regiment soll den Kampf mit unbemannten Systemen voranbringen und Reichweiten von der unmittelbaren Distanz bis zu 500 Kilometern abdecken. Vorgesehen sind dabei nicht nur fliegende Drohnen, sondern auch unbemannte Landsysteme.
Zum Auftrag gehört außerdem eine eigene Kompanie für den elektromagnetischen Kampf. Damit sollen die Fähigkeiten in diesem Bereich gebündelt und das Tempo bei der Einführung unbemannter Systeme erhöht werden.
Kamikazedrohnen für die Truppe
Der Verband soll auch mit sogenannten Kamikazedrohnen oder „Loitering Munition“ ausgerüstet werden. Diese Systeme werden derzeit bei der Bundeswehr erprobt und sollen im kommenden Jahr bei der Truppe eintreffen.
Dem Vernehmen nach soll das Drohnenregiment Teil der 10. Panzerdivision werden. Zu dieser gehört auch die Panzerbrigade 45, die zum Schutz der Nato-Ostflanke in Litauen stationiert ist.
Lehren aus dem Ukrainekrieg
Die Bundeswehr führt seit einiger Zeit Drohnen und weitere unbemannte Waffensysteme ein. Anlass dafür sind unter anderem die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine, in dem Drohnen eine zentrale Rolle bei Aufklärung und Angriffen spielen.
Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding hatte im Juni bei der Militärübung „Freedom Shield 2026“ in Litauen einen schnellen Ausbau der Fähigkeiten gefordert. Dort wurde das Zusammenspiel von Panzertruppen, Drohnen, Drohnenabwehr und elektronischer Kampfführung geübt.
Mehr als 40 Systeme in Erprobung
Pistorius besuchte in Bergen eine Experimentalserie des Heeres. Gemeinsam mit Forschern und Entwicklern testen die Landstreitkräfte dort derzeit mehr als 40 Rüstungsgüter in taktischen Anwendungen.
Untersucht wird auch, ob sich die neuen Systeme in die bestehende IT-Infrastruktur der Bundeswehr einbinden lassen. Pistorius warnte zugleich wiederholt davor, einen möglichen Krieg zwischen Russland und der Nato schematisch mit dem Ukrainekrieg gleichzusetzen: Drohnen ergänzten das Spektrum der Waffensysteme, könnten Panzer, Flugzeuge oder Kriegsschiffe aber nicht vollständig ersetzen.
Vom Einzelgerät zum Verband
Mit dem geplanten Drohnenregiment soll die Bundeswehr unbemannte Systeme nicht mehr nur projektbezogen oder in einzelnen Einheiten einsetzen, sondern Fähigkeiten organisatorisch bündeln. Der angekündigte Umfang von bis zu 600 Angehörigen und die vorgesehene Reichweite bis 500 Kilometer zeigen, dass es um einen eigenständigen militärischen Verband mit breitem Auftrag geht.
Die Entwicklung folgt den Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine. Dort prägen Aufklärung, elektronische Kampfführung, Drohnenabwehr und bewaffnete Drohnen den Gefechtsalltag. Für die Bundeswehr bedeutet das, Systeme, Bedienpersonal, Auswertung, Führung und Abwehr enger miteinander zu verbinden. Die geplante Kompanie für elektromagnetischen Kampf ist dabei besonders relevant, weil Drohnen nicht nur Ziele bekämpfen, sondern auch Kommunikation und Navigation stören oder schützen können.
Bedeutung für Heer und Bündnis
Die Zuordnung zur 10. Panzerdivision würde das Regiment in die Strukturen der deutschen Landstreitkräfte einbinden. Das ist auch für die Verteidigungsfähigkeit an der Nato-Ostflanke bedeutsam, wo Deutschland mit der Panzerbrigade 45 in Litauen Verantwortung übernimmt. Zugleich bleibt der Einsatz unbemannter Systeme in ein größeres Gefechtsspektrum eingebettet: Drohnen ergänzen Panzer, Artillerie, Flugzeuge und weitere Fähigkeiten, ersetzen sie aber nicht vollständig.
Für die Truppe wird entscheidend sein, wie schnell Beschaffung, Ausbildung und technische Integration vorankommen. Auf dem Truppenübungsplatz Bergen prüft das Heer bereits zahlreiche Systeme und ihre Einbindung in bestehende IT-Strukturen. Der Aufbau des Regiments markiert damit einen organisatorischen Schritt; seine tatsächliche Wirkung hängt davon ab, ob aus Erprobungen rasch einsatzfähige Verfahren werden.
