Investitionsgipfel: DIW fordert weniger Protektionismus
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSFratzscher fordert europäische Standortpolitik
- DIW-Chef Marcel Fratzscher verlangt weniger Protektionismus zugunsten deutscher Unternehmen.
- Er nennt höhere öffentliche Investitionen in Forschung, Innovation und Infrastruktur als notwendige Rahmenbedingungen.
- Für global wettbewerbsfähige Unternehmen fordert er einen integrierten europäischen Binnenmarkt sowie Kapitalmarkt- und Bankenunion.
DIW-Chef Fratzscher fordert offenen Wettbewerb
Zum Abschluss des Investitionsgipfels der Bundesregierung hat DIW-Chef Marcel Fratzscher weitere Maßnahmen für den Wirtschaftsstandort Deutschland gefordert und vor Protektionismus gewarnt. Der „Invest in Germany Summit“ und die staatlichen Bemühungen um mehr ausländische Investitionen seien gut und richtig, könnten aber nur ein erster Schritt sein.
Deutschland brauche bessere Rahmenbedingungen, sagte Fratzscher dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dazu zählten weniger Bürokratie, weniger Privilegien und mehr Wettbewerb für deutsche wie ausländische Unternehmen.
Mehr Investitionen in Forschung und Infrastruktur
Als weitere Voraussetzungen nannte der DIW-Chef mehr öffentliche Investitionen in Forschung, Innovation und Infrastruktur. Zugleich müsse Europa als Wirtschaftsraum stärker zusammenwachsen.
Der relevante Wirtschaftsstandort sei künftig nicht Deutschland, sondern Europa, erklärte Fratzscher. Es werde keine deutschen Champions geben, sondern europäische – oder keine Unternehmen, die global bestehen könnten.
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Europa soll den Rahmen setzen
Für die künftige Wettbewerbsfähigkeit brauche es nach Fratzschers Einschätzung einen integrierten Binnenmarkt, eine Kapitalmarktunion und eine Bankenunion. Nur auf dieser Grundlage könnten europäische Unternehmen dauerhaft global bestehen.
Der Investitionsgipfel war damit aus Sicht des DIW-Chefs ein Ausgangspunkt, dem strukturelle Reformen folgen müssten. Neben der Anwerbung ausländischer Investoren rückt damit die grundsätzliche Ausgestaltung des Wettbewerbs- und Finanzierungsumfelds in den Mittelpunkt.
Der zweitägige „Invest in Germany Summit“ sollte internationale Investoren für Deutschland interessieren und Zusagen für zusätzliche Investitionen fördern. Im Mittelpunkt standen dabei Standortbedingungen wie Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungen und die Stärkung von Forschung, Innovation und Infrastruktur.
Fratzschers Forderung zielt auf einen Zielkonflikt der deutschen Wirtschaftspolitik: Der Staat möchte Investitionen aus dem Ausland anwerben, muss Unternehmen aber zugleich gleiche Wettbewerbsbedingungen bieten. Sonderregeln und privilegierte Behandlung einzelner deutscher Unternehmen können den Wettbewerb verzerren und die Attraktivität des Standorts für internationale Firmen mindern.
Europäischer statt nationaler Standort
Die Einordnung gewinnt zusätzlich an Bedeutung, weil viele Investitionsentscheidungen nicht mehr isoliert für einzelne Länder getroffen werden. Ein größerer europäischer Binnenmarkt, gemeinsame Kapitalmarktregeln und eine vollendete Bankenunion könnten Unternehmen bessere Finanzierungsmöglichkeiten und größere Absatzchancen bieten.
Für Deutschland bedeutet das: Öffentliche Investitionen allein ersetzen keine verlässlichen Rahmenbedingungen. Entscheidend sind planbare Regeln, weniger administrative Hürden und ein Umfeld, in dem deutsche und ausländische Unternehmen miteinander konkurrieren können. Die Debatte über den Gipfel dürfte deshalb über einzelne Investitionszusagen hinaus auf die Frage führen, wie Deutschland und Europa dauerhaft wettbewerbsfähiger werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag ordnet den Gipfel als Versuch der Bundesregierung ein, internationale Geldgeber für Investitionen in Deutschland zu gewinnen und dauerhaft zu binden. Einen zusätzlichen Schwerpunkt bildet die angekündigte Zusammenarbeit im Bereich künstlicher Intelligenz.
Deutschlandfunk: „Investorengipfel in Berlin - Merz zufrieden mit zweitägigem Treffen“ (20.10.2026)
Dieser Bericht stellt die positive Bewertung des zweitägigen Treffens durch Bundeskanzler Friedrich Merz heraus. Als zentrale Standortthemen nennt er unter anderem weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungen.
Die Beiträge stimmen darin überein, dass Deutschland um internationale Investitionen wirbt und dafür bessere Standortbedingungen benötigt. Unterschiedliche Akzente liegen bei den konkreten politischen Maßnahmen und bei der Frage, ob Gipfelzusagen in dauerhaft höhere Investitionen münden.

