Digitale Plattformen: VZBV fordert sichere Standards für Kinder
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSVZBV fordert Schutz als Plattformstandard
- Ramona Pop fordert strengere Regeln für Plattformen, KI-Chatbots und Messengerdienste.
- Der VZBV will schädliche Designs wie endloses Scrollen für Kinder und Jugendliche grundsätzlich abschalten.
- Pop verlangt mehr Verantwortung und Haftung der Plattformen für algorithmisch ausgespielte Nutzerinhalte.
VZBV-Chefin verlangt sichere Voreinstellungen
Die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Ramona Pop, hat die Politik zu einer strengeren Regulierung digitaler Plattformen aufgerufen. Plattformen, KI-Chatbots und Messengerdienste sollten nach ihrer Forderung von vornherein sicher gestaltet sein.
Endloses Scrollen für Kinder abschalten
Pop sagte der „Rheinischen Post“, schädliche Designs wie endloses Scrollen sollten für Kinder und Jugendliche grundsätzlich abgeschaltet werden. Erwachsene sollten selbst entscheiden können, ob sie bestimmte Funktionen freischalten möchten.
„Denn wir brauchen Sicherheit als Grundstandard, nicht als Zusatzoption“, sagte die VZBV-Chefin. Altersgrenzen allein hält sie nicht für ausreichend, weil sie sich umgehen ließen.
Kritik am Geschäftsmodell
Nach Pops Einschätzung muss die Politik dort ansetzen, wo Geschäftsmodelle auf Nähe und Vertrauen setzen, um sensible Daten abzufragen oder gefährdende Ratschläge zu geben. Das betreffe auch KI-Chatbots und andere digitale Dienste.
Mehr Haftung für ausgespielte Inhalte
Zusätzlich forderte Pop eine stärkere Verantwortung der Plattformen für Inhalte von Nutzern. Anbieter beriefen sich bislang auf das sogenannte Plattformprivileg und verwiesen darauf, dass die Inhalte von Nutzern stammten.
Dieses Argument gerate jedoch ins Wanken, weil Algorithmen gezielt steuerten, welche Inhalte Nutzer zu sehen bekämen. Deshalb sollten Plattformen nach Ansicht der VZBV-Chefin für das, was sie ausspielen, Verantwortung übernehmen und auch haften.
Die Forderung des VZBV zielt auf einen Perspektivwechsel in der Plattformregulierung: Schutz soll nicht erst greifen, wenn Nutzer problematische Inhalte melden oder Altersgrenzen umgehen, sondern bereits in der technischen Gestaltung der Dienste beginnen. Dazu gehören Voreinstellungen, die besonders verletzliche Nutzer vor Funktionen mit hohem Bindungs- und Nutzungsdruck schützen.
Im Mittelpunkt steht dabei das Geschäftsmodell vieler digitaler Angebote. Plattformen finanzieren sich häufig über Aufmerksamkeit, Daten und personalisierte Ausspielung. Endloses Scrollen und algorithmische Empfehlungen sind deshalb nicht bloß neutrale Funktionen, sondern können beeinflussen, wie lange Nutzer bleiben und welche Inhalte sie sehen.
Verantwortung für algorithmische Auswahl
Die Debatte über eine stärkere Haftung knüpft an die Frage an, ob Plattformen nur als technische Vermittler gelten können, wenn ihre Systeme Inhalte aktiv priorisieren. Eine weitergehende Verantwortung würde voraussichtlich mehr Transparenz über Empfehlungssysteme, nachvollziehbare Schutzvorgaben und wirksame Beschwerdewege erfordern.
Für Familien wären solche Regeln vor allem bei Angeboten relevant, die von Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Für Erwachsene bliebe nach Pops Vorschlag die Möglichkeit, bestimmte Funktionen bewusst freizuschalten. Politisch entscheidend wäre damit die konkrete Ausgestaltung: Schutzmechanismen müssten wirksam sein, ohne pauschal sämtliche digitalen Kommunikations- und Informationsangebote zu beschränken.
