Diesel-Deal, Donald Trump

Diesel-Deal: Trump und Putin vereinbaren russische Lieferungen für USA

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 21:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

US-Präsident Donald Trump will gemeinsam mit Wladimir Putin russischen Diesel auf den US- und Weltmarkt bringen. Deutschland und die EU halten trotz der Vereinbarung an ihren Sanktionen gegen russische Ölprodukte fest.

  • Nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Putin stellt US-Präsident Trump russische Diesellieferungen in Aussicht. (Archivbild) - Bild: Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
    Nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Putin stellt US-Präsident Trump russische Diesellieferungen in Aussicht. (Archivbild) - Bild: Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
  • Merz und Reiche hatten erst Anfang Oktober die unentwegt von Russland angegriffene ukrainische Hauptstadt Kiew besucht. (Archivbild)  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Merz und Reiche hatten erst Anfang Oktober die unentwegt von Russland angegriffene ukrainische Hauptstadt Kiew besucht. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Für Grünen-Chefin Franziska Brantner ist Trumps Vorgehen «skrupellos». (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Für Grünen-Chefin Franziska Brantner ist Trumps Vorgehen «skrupellos». (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
Nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Putin stellt US-Präsident Trump russische Diesellieferungen in Aussicht. (Archivbild) - Bild: Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa Merz und Reiche hatten erst Anfang Oktober die unentwegt von Russland angegriffene ukrainische Hauptstadt Kiew besucht. (Archivbild)  - Bild: Kay Nietfeld/dpa Für Grünen-Chefin Franziska Brantner ist Trumps Vorgehen «skrupellos». (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa

US-Präsident Donald Trump hat nach einem Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin umfangreiche russische Diesellieferungen für die USA und den Weltmarkt angekündigt, während Deutschland und die EU an ihren Sanktionen festhalten.

Lieferungen in mehreren Etappen

Trump teilte auf Truth Social mit, umgehend sollten mehr als 300.000 Tonnen Diesel bereitgestellt werden. Im November solle eine weitere halbe Million Tonnen folgen, danach eine Million Tonnen; abhängig vom Zustand russischer Raffinerien stellte er zusätzlich drei Millionen Tonnen in Aussicht.

Putin bestätigte die Vereinbarung und erklärte, Russland sei bereit, Erdöl und Erdölprodukte auf den amerikanischen und die Weltmärkte zu liefern. Die russische Regierung hob daraufhin ihr Exportverbot für Dieselkraftstoff teilweise auf und ermöglichte zunächst die Ausfuhr von 500.000 Tonnen.

EU warnt vor Finanzierung des Krieges

Die EU kritisierte den Schritt. Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte, eine Lockerung der Sanktionen verschaffe Moskau zusätzliche Einnahmen zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine. Russland hatte das Exportverbot zuvor verhängt, um den eigenen Markt nach Engpässen infolge ukrainischer Angriffe auf Raffinerien zu versorgen.

Selenskyj spricht von falschem Signal

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Vereinbarung als „nicht fair und nicht ehrlich“. Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, sei eine Investition in den Krieg; eine Abschwächung der Sanktionen sei ein Zeichen offensichtlicher Schwäche.

Die USA erlaubten Verkauf, Lieferung, Entladen und Import russischen Diesels vorübergehend bis zum 7. April 2027. Trump begründete den Schritt mit seinem Ziel, die Dieselpreise insbesondere für Landwirte, Viehzüchter und Lastwagenfahrer zu senken.

Berlin hält an Sanktionen fest

Die Bundesregierung erklärte, Deutschland beziehe seit 2023 kein russisches Öl und keine russischen Ölprodukte. Die Unterstützung der Ukraine bleibe ungebrochen, die Versorgungssicherheit sei gewährleistet. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erwartet keine größeren Auswirkungen auf deutsche Tankstellenpreise.

Trump wegen Spritpreisen unter Druck

Trump steht wegen gestiegener Kraftstoffpreise vor den US-Zwischenwahlen in weniger als einem Monat unter Druck. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA würden 300.000 Tonnen Diesel rechnerisch den US-Verbrauch von gut 14 Stunden decken.

Auch aus den Reihen der US-Demokraten und der deutschen Grünen kam scharfe Kritik an der Vereinbarung. In Berlin verwies die Bundesregierung zugleich auf ihre unveränderte Unterstützung für Kiew und die geltenden europäischen Sanktionspakete.

US-Innenpolitik trifft Sanktionspolitik

Der Diesel-Deal fällt in eine Phase hoher Kraftstoffpreise in den USA. Präsident Donald Trump steht wenige Wochen vor den Zwischenwahlen unter innenpolitischem Druck und stellt niedrigere Preise für Farmer, Viehzüchter und Lastwagenfahrer in den Mittelpunkt. Der russische Diesel soll kurzfristig zusätzliches Angebot schaffen, die angekündigten Mengen bleiben im Verhältnis zum US-Verbrauch jedoch begrenzt.

Begrenzter Preiseffekt möglich

Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA decken 300.000 Tonnen rechnerisch etwa den US-Dieselverbrauch von gut 14 Stunden. Damit kann die erste Lieferung den angespannten Markt entlasten, sie ersetzt aber keine dauerhafte Versorgungslösung. Ob weitere Mengen tatsächlich exportiert werden können, hängt laut den vorliegenden Berichten vom Zustand russischer Raffinerien ab, die durch ukrainische Drohnenangriffe beeinträchtigt worden sind.

Signal an Europa und die Ukraine

Für Deutschland bleibt der unmittelbare wirtschaftliche Effekt gering, weil die EU seit Februar 2023 ein Importverbot für russischen Diesel hat. Politisch verschärft die US-Ausnahmegenehmigung jedoch den Gegensatz zwischen Washingtons kurzfristigem Preisziel und der europäischen Sanktionslinie. Für Kiew ist entscheidend, dass Einnahmen aus Energieexporten den russischen Staat trotz des Angriffskriegs erreichen können. Die ukrainische Bereitschaft zu einem Stopp der Raffinerieangriffe im Gegenzug für ein Ende russischer Angriffe auf ukrainische Energieanlagen verweist zugleich auf eine mögliche Verbindung von Energie- und Sicherheitsfragen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Trump kündigt russische Diesellieferungen an“ (10.10.2026)

Der Bericht bestätige die angekündigten Liefermengen, die russische Zustimmung und die befristete US-Ausnahme von den Sanktionen. Einen anderen Schwerpunkt setze er auf die begrenzte Wirkung für den US-Markt: Experten zufolge entspreche die erste Menge rechnerisch nur rund 14 Stunden Verbrauch; offen bleibe, ob die Lieferungen zu einem nachhaltigen Preisrückgang führten.

n-tv: „„Nicht fair und nicht ehrlich“: Selenskyj zürnt über Trumps Diesel-Deal mit Putin“ (10.10.2026)

Der Artikel bestätige den Deal und die Kritik des ukrainischen Präsidenten. Er betone stärker den innenpolitischen Zeitdruck durch die hohen US-Spritpreise sowie den Widerspruch zu den erst im September ausgeweiteten Sanktionsbefugnissen; zusätzlich stelle er Selenskyjs Vorschlag eines gegenseitigen Stopps von Angriffen auf Energieanlagen heraus.

Beide Berichte stellten die Vereinbarung als politisch umstritten und wirtschaftlich zunächst begrenzt wirkend dar. Unterschiedliche Akzente lägen bei der Marktanalyse und bei der Frage, ob der Schritt vor allem der Preisentlastung in den USA oder Russland politisch zugutekomme.

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