Arbeitslosigkeit, Herbstbelebung

Arbeitslose im September knapp unter drei Millionen – Herbstbelebung bleibt schwach

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 12:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Zahl der Arbeitslosen ist im September auf 2,994 Millionen gesunken und damit wieder knapp unter die Drei-Millionen-Marke gefallen. Der Rückgang bleibt jedoch schwach: Im Jahresvergleich sind 40.000 Menschen mehr arbeitslos, die wirtschaftliche Erholung erreicht den Arbeitsmarkt noch nicht.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im September wieder unter die Drei-Millionen-Grenze gefallen (Archivbild).  - Bild: Daniel Karmann/dpa
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im September wieder unter die Drei-Millionen-Grenze gefallen (Archivbild). - Bild: Daniel Karmann/dpa

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im September um 67.000 auf 2,994 Millionen gesunken und damit wieder knapp unter die Marke von drei Millionen gefallen.

Herbstbelebung bleibt schwunglos

Die Arbeitslosenquote ging gegenüber August um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent zurück. Im Vergleich zum September 2025 waren jedoch 40.000 Menschen mehr arbeitslos; die Quote lag 0,1 Punkte höher.

Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, bezeichnete den Auftakt der Herbstbelebung als „schwunglos“. Die wirtschaftliche Verbesserung komme auf dem Arbeitsmarkt derzeit noch nicht an.

Trendwende nicht im Schlussquartal erwartet

Die Arbeitsmarktforschung rechnet für das Schlussquartal 2026 noch nicht mit einer Trendwende. Nach Einschätzung von Nahles würde sich eine stabile konjunkturelle Erholung jedoch mit Verzögerung auf den Arbeitsmarkt auswirken.

Die Unterbeschäftigung ging im September saisonbereinigt um 7.000 auf 3,615 Millionen zurück. Damit lag sie 25.000 über dem Wert des Vorjahresmonats.

Wenige freie Stellen

Bei der Bundesagentur waren 660.000 freie Stellen gemeldet, 30.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb damit dennoch schwach.

Das Arbeitskräftepotenzial sinkt zugleich, weil weitere Angehörige der Baby-Boomer-Jahrgänge in Rente gehen und weniger Menschen aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Nahles sprach sich deshalb für mehr, aber regulierten Zuzug aus. Der Fachkräftemangel werde in den kommenden fünf Jahren zu einem größeren Problem als die aktuelle Arbeitslosigkeit.

Leistungsbezug und regionale Unterschiede

Arbeitslosengeld aus der Arbeitslosenversicherung erhielten im September 1,082 Millionen Menschen, 85.000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Zahl der erwerbsfähigen Empfänger von Grundsicherung sank dagegen um 145.000 auf 3,704 Millionen.

Die höchste Arbeitslosenquote verzeichnete Bremen mit 11,2 Prozent, gefolgt von Berlin mit 10,4 Prozent. Am niedrigsten waren die Quoten in Bayern mit 4,2 Prozent und Baden-Württemberg mit 4,7 Prozent. Thüringen und Brandenburg lagen mit jeweils 6,3 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Konjunktur erreicht den Arbeitsmarkt mit Verzögerung

Die Septemberzahlen zeigen die typische Verzögerung zwischen einer wirtschaftlichen Stabilisierung und einer spürbaren Verbesserung bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit. Unternehmen halten sich bei Neueinstellungen zunächst zurück, wenn Aufträge und Absatz zwar wieder anziehen, die Erholung aber noch nicht als dauerhaft gilt. Der leichte Rückgang gegenüber August ändert deshalb wenig am Jahresvergleich: Gegenüber September 2025 sind weiterhin mehr Menschen arbeitslos.

Arbeitskräftenachfrage bleibt selektiv

Die gemeldeten 660.000 freien Stellen und der leicht gestiegene Stellenindex deuten auf eine vorsichtige Belebung hin. Gleichzeitig liegt die Nachfrage nach Personal weiterhin auf niedrigem Niveau. Das erklärt, warum die Zahl der Arbeitslosen trotz besserer Konjunkturaussichten zunächst hoch bleibt: Neue Beschäftigung entsteht nicht flächendeckend, sondern vor allem dort, wo Unternehmen konkrete Engpässe oder Wachstumsperspektiven sehen.

Demografie verschärft den Handlungsdruck

Mittelfristig verschiebt sich das Problem jedoch. Mit dem Ausscheiden geburtenstarker Jahrgänge sinkt das Arbeitskräftepotenzial, während sich der Bedarf in bestimmten Berufen weiter erhöht. Für Beschäftigte bedeutet das regional und fachlich unterschiedliche Chancen; für Betriebe werden Ausbildung, Weiterbildung, längere Erwerbsphasen und gesteuerte Zuwanderung wichtiger. Die aktuelle Arbeitslosigkeit und der künftige Fachkräftemangel stehen dabei nicht im Widerspruch: Qualifikationen, Regionen und offene Stellen passen häufig nicht unmittelbar zusammen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Arbeitslosenzahl sinkt leicht unter Marke von drei Millionen“ (30.09.2026)

Der Bericht bestätige den leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit und hebe zugleich hervor, die Herbstbelebung falle nur minimal aus. Einen Schwerpunkt setze er auf die weiterhin schwache Personalsuche der Unternehmen und die im Jahresvergleich höhere Arbeitslosenzahl.

DER SPIEGEL: „Bundesagentur für Arbeit: Zahl der Arbeitslosen bleibt im September auf hohem Niveau“ (30.09.2026)

Der Artikel bestätige die Marke von 2,994 Millionen und stelle die Quote von 6,4 Prozent sowie die geringe Dynamik der Herbstbelebung heraus. Zusätzlich ordne er ein, die offizielle Arbeitslosenzahl erfasse nicht alle Menschen ohne reguläre Beschäftigung, und verweise auf die höhere Unterbeschäftigung.

Beide Berichte stellten den leichten Monatsrückgang einer weiterhin angespannten Jahresbilanz gegenüber; unterschiedlich gewichtet würden vor allem die strukturelle Unterbeschäftigung und die schwache Nachfrage nach neuen Arbeitskräften.

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