US-Notenbank Fed: Erste Zinserhöhung seit 2023 verschärft Konflikt mit Trump
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 22:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie US-Notenbank Federal Reserve hat wegen der hartnäckig hohen Inflation erstmals seit Sommer 2023 den Leitzins angehoben.
Fed erhöht Leitzins um 0,25 Prozentpunkte
Der Zentralbankrat der Fed beschloss, die Spanne des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent zu erhöhen. Die Entscheidung solle eine schnellere Rückkehr zum Inflationsziel von zwei Prozent unterstützen, wie Fed-Chef Kevin Warsh erklärte. Er betonte, die Maßnahme sei notwendig, um den Auftrag des US-Kongresses zur Sicherung stabiler Preise zu erfüllen.
Konflikt mit Trump um die Zinspolitik
Mit der Straffung der Geldpolitik gerät Warsh in offenen Konflikt mit US-Präsident Donald Trump. Dieser fordert seit Monaten niedrigere Zinsen und kritisierte die Notenbank erneut scharf. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump, die Zinssätze in den Vereinigten Staaten sollten bei einem Prozent oder darunter liegen, da das Land seiner Ansicht nach „die beste Bonität der Welt – BEI WEITEM“ habe. Seine Forderungen nach Zinssenkungen blieben bislang wirkungslos.
EZB folgt ebenfalls straffem Kurs
Auch die Europäische Zentralbank hat ihre Zinsen jüngst erhöht. Angesichts der durch den Iran-Krieg gestiegenen Teuerung hob sie vor knapp einer Woche den Einlagenzins, der für Banken und Sparer besonders wichtig ist, von 2,25 auf 2,5 Prozent an. Damit setzte die EZB bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Schritt hin zu einer strafferen Geldpolitik.
Weitere Zinsschritte in den USA möglich
Für die Federal Reserve dürfte es in diesem Jahr nicht bei einer einzigen Zinserhöhung bleiben. Nach Angaben der Notenbank erwarten 16 von 18 befragten Fed-Mitgliedern mindestens einen weiteren Schritt um 25 Basispunkte. Vier von ihnen halten eine noch deutlichere Straffung der Geldpolitik für möglich. Für das Jahr 2027 zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: 14 Mitglieder rechnen mit einem Leitzins zwischen 4,00 und 4,25 Prozent, eine knappe Mehrheit davon mit 4,25 bis 4,5 Prozent.
Warsh reagiert auf Kritik an seiner Linie
Mit der Zinserhöhung begegnet Warsh auch Kritikern, die ihm seit seinem Amtsantritt im Mai mangelnden Einsatz im Kampf gegen die Inflation vorgeworfen hatten. An den Finanzmärkten war befürchtet worden, dass eine sechste Zinspause in Folge seit Dezember 2025 die Glaubwürdigkeit der Fed beschädigen könnte. Zudem entkräftet der Schritt zunächst Zweifel an seiner Unabhängigkeit von Trump, denen zufolge die Notenbank politisch gesteuert werden könnte. Warsh betonte, er habe sich gegenüber dem Präsidenten zu keiner bestimmten Zinsentscheidung verpflichtet und wolle die Fed unabhängig führen.
Ökonomen hatten Straffung erwartet
Zahlreiche Volkswirte hatten eine Straffung der US-Geldpolitik bereits erwartet. Warsh hatte Ende August bei einem Notenbanktreffen ungewöhnlich deutlich auf die hohe Teuerungsrate hingewiesen und erklärt, die Fed müsse überzeugt sein, dass sich die Kerninflation klar und mit ausreichender Geschwindigkeit dem Ziel nähere. Andernfalls gebe es „noch einiges zu tun“. Zwar zeigten jüngste Konjunkturdaten eine leichte Abkühlung, doch laut Warsh habe sich an der grundlegenden Entwicklung nichts geändert.
Hintergrund: Zielkonflikt der Geldpolitik
Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die Federal Reserve, einen Ausgleich zwischen Preisstabilität und möglichst hoher Beschäftigung zu erreichen. Ein zu hoher Leitzins kann die Wirtschaft durch steigende Kreditkosten bremsen, während ein niedriger Zins Wachstum und Arbeitsmarkt stützt, aber die Inflation anheizen kann. Seit Dezember 2025 hatte die Fed fünfmal in Folge den Leitzins unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen; die letzte Erhöhung war im Juli 2023 erfolgt.
Arbeitsmarkt und Inflation als Auslöser
Zuletzt hatten mehrere Indikatoren für eine Straffung gesprochen. Im August stieg die Beschäftigtenzahl überraschend stark um 162.000 Stellen, deutlich mehr als die von Volkswirten im Schnitt erwarteten 55.000. Gleichzeitig verharrte die Inflation in den USA auf hohem Niveau: Im August legten die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 3,4 Prozent zu, ebenso wie im Juli. Damit liegt die Teuerungsrate seit fünf Jahren klar über dem von der Fed angestrebten Ziel von zwei Prozent.
Trump droht weiter mit Druck auf die Fed
Trump dürfte die Entscheidung der Notenbank dauerhaft ablehnen. Der Präsident fordert seit langem von der gesetzlich unabhängigen Fed – entgegen der Mehrheitsmeinung von Experten – niedrigere Leitzinsen und drohte zuletzt mit einem Handelsstopp mit bestimmten Ländern, sollte die Geldpolitik nicht gelockert werden. Sein Umgang mit früheren Fed-Vertretern deutet auf eine harte Linie hin: Ex-Fed-Chef Jerome Powell sah sich wiederholten Angriffen und Rücktrittsforderungen ausgesetzt, zudem liefen Ermittlungen wegen angeblich überhöhter Renovierungskosten.
Umstrittener Umgang mit Fed-Personalien
Auch Fed-Vorständin Lisa Cook geriet ins Visier des Präsidenten. Trump wollte sie entlassen lassen, doch der Oberste Gerichtshof der USA wies Ende Juni einen Antrag der Regierung ab, sodass Cook zunächst im Amt blieb. Das Verfahren zu ihrer Personalie läuft in einer unteren Instanz weiter. Medienberichten zufolge soll das Weiße Haus im August einen Brief an die Gouverneurin geschickt haben, in dem ihre mögliche Entlassung erwogen wurde. Die aktuelle Zinserhöhung unter Warshs Führung dürfte die Debatte über die Unabhängigkeit der Federal Reserve weiter befeuern.
Signalwirkung für die US-Wirtschaft
Die Zinserhöhung der Federal Reserve markiert eine geldpolitische Zäsur in den USA: Erstmals seit Sommer 2023 wird der Kurs wieder gestrafft, nachdem die Notenbank über mehrere Quartale hinweg pausiert hatte. Damit setzt Fed-Chef Kevin Warsh die von ihm betonte Priorität der Preisstabilität nun auch operativ um. Für Unternehmen und Haushalte bedeutet dies mittelfristig steigende Finanzierungskosten, etwa bei Investitionskrediten, Hypotheken und Konsumentendarlehen. Gleichzeitig soll der Schritt helfen, die seit fünf Jahren über dem Ziel liegende Inflation wieder Richtung zwei Prozent zu drücken.
Politische Spannungen mit dem Weißen Haus
Die Entscheidung fällt in eine Phase erhöhter politischer Spannungen: US-Präsident Donald Trump drängt seit langem auf deutlich niedrigere Leitzinsen und stellt dies als Voraussetzung für sein Konzept eines starken Wachstums und eines harten außenwirtschaftlichen Kurses dar. Dass die Fed nun entgegen dieser Linie handelt, ist ein sichtbares Bekenntnis zur Unabhängigkeit der Notenbank. Für internationale Anleger spielt die Glaubwürdigkeit dieser Unabhängigkeit eine zentrale Rolle, weil sie Vertrauen in die Stabilität des Dollar-Raums und in die Verlässlichkeit geldpolitischer Entscheidungen schafft.
Internationale Dimension und Blick nach Europa
Auch global hat die Entscheidung Gewicht: Höhere US-Zinsen können Kapitalströme in Richtung Dollar-Anlagen lenken und Währungen anderer Staaten unter Druck setzen. Zugleich folgt die Fed dem Kurs der Europäischen Zentralbank, die ihren Einlagenzins vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs bereits angehoben hat. Für Leserinnen und Leser in Deutschland bedeutet dies, dass sowohl im Dollar- als auch im Euro-Raum der Kampf gegen die Inflation Vorrang vor wachstumsfördernden Zinssenkungen hat. Finanzmärkte werden die weiteren Inflationsdaten und Arbeitsmarktzahlen genau beobachten, um abzuschätzen, ob weitere Zinsschritte folgen könnten und wie stark das Wachstum dadurch gebremst wird.
