Irina Scherbakowa, Drohnenangriff Leipzig

Irina Scherbakowa kritisiert deutsche Reaktion auf Drohnenangriff in Leipzig

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Menschenrechtsaktivistin Irina Scherbakowa kritisiert die Reaktion der Bundesregierung auf den russischen Drohnenangriff am Flughafen Leipzig/Halle als deutlich zu schwach. Sie fordert ernsthafte Sicherheitsmaßnahmen gegen den von ihr beschriebenen hybriden Krieg Russlands und warnt vor rein symbolischen Schritten.

Scherbakowa: Deutsche Antwort auf Drohnenangriff unzureichend
Johann Wadephul und Alexander Dobrindt am 01.09.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die in Berlin lebende Historikerin und Menschenrechtsaktivistin Irina Scherbakowa hält die Reaktion der Bundesregierung auf den russischen Drohnenangriff am Flughafen Leipzig/Halle für unzureichend. Sie wirft der Regierung vor, angesichts der Pläne des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu wenig und zu hilflos zu agieren.

Kritik an diplomatischen und symbolischen Maßnahmen

Scherbakowa erklärte, die bisher verkündeten Schritte der Bundesregierung wirkten nicht geeignet, in Moskau Beunruhigung auszulösen. Die Herbeizitierung des russischen Botschafters und die Schließung des Generalkonsulats in Bonn reichten ihrer Einschätzung nach nicht aus, um dem Angriff angemessen zu begegnen. Zudem sagte sie, das Russische Haus in Berlin gehöre schon seit Langem geschlossen.

Besorgt äußerte sie sich über mögliche Verschärfungen bei der Einreise russischer Staatsangehöriger. Solche Maßnahmen dürften nach ihrer Auffassung nicht dazu führen, dass gerade russische Dissidenten behindert werden oder zusätzliche Bürokratie entsteht. Scherbakowa verband ihre Kritik mit der Hoffnung, dass die genannten Schritte nur der Auftakt zu weitergehenden Maßnahmen seien.

Warnung vor Tradition von Attentaten und hybrider Kriegführung

In ihrem Interview betonte Scherbakowa, die Organisation von Attentaten habe in Russland eine lange Tradition. Der Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle sei Teil einer Fortsetzung dieser Praxis und Ausdruck eines hybriden Krieges gegen Deutschland und andere Staaten. Unter hybridem Krieg versteht sie das Zusammenspiel aus militärischen Aktionen, Geheimdienstaktivitäten und anderen Formen der Destabilisierung.

Gegen eine solche Bedrohungslage brauche Deutschland nach ihren Worten „ernsthafte Maßnahmen“. Dazu gehörten eine Verstärkung der Sicherheitsbehörden und ein besserer Schutz der kritischen Infrastruktur. Scherbakowa macht deutlich, dass ein rein diplomisches Vorgehen aus ihrer Sicht nicht ausreicht, um weiteren Angriffen vorzubeugen.

Forderung nach Professionalität und gesellschaftlicher Unterstützung

Um wirksam auf die hybride Kriegführung zu reagieren, fordert Scherbakowa mehr Professionalität bei den zuständigen Stellen. Die Bundesregierung brauche aus ihrer Sicht spezialisierte Fachleute, funktionierende Strukturen und ausreichend finanzielle Mittel, um Sicherheitsbehörden und Schutzmaßnahmen entsprechend auszustatten. Nur so lasse sich der Schutz wichtiger Einrichtungen wie Flughäfen nachhaltig verbessern.

Zugleich verweist sie auf die Bedeutung der Unterstützung durch die Bevölkerung. Scherbakowa sieht eine breite gesellschaftliche Rückendeckung als Voraussetzung dafür, dass weitreichende Sicherheitsmaßnahmen politisch durchsetzbar und langfristig tragfähig sind. Ihre Aussagen unterstreichen damit sowohl den Handlungsdruck für die Regierung als auch die Rolle der Bürgerinnen und Bürger in einer angespannten Sicherheitslage.

Die Kritik von Irina Scherbakowa fällt in eine Phase, in der der mutmaßlich russische Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle als Zäsur für die deutsche Sicherheitsdebatte gilt. Der Vorfall wird von vielen Politikern als gezielte militärische Aktion und als Angriff auf die deutsche Souveränität beschrieben. Parallel dazu steht die Bundesregierung unter Druck, ihr Vorgehen gegenüber Russland und ihre Schutzkonzepte für kritische Infrastruktur zu überprüfen.

Debatte um Sicherheit und Reaktionen auf Russland

In der Innenpolitik verdichten sich seit dem Angriff die Forderungen nach einer klareren Linie gegenüber Moskau und einer sichtbaren Erhöhung des Verfolgungsdrucks auf russische Agentenstrukturen in Deutschland. Politiker verschiedener Parteien sprechen von der Notwendigkeit „spürbarer Konsequenzen“, etwa durch gezielte Sanktionen, eingefrorene Vermögenswerte und eine verstärkte Unterstützung der Ukraine. Die Äußerungen Scherbakowas reihen sich in diese Debatte ein, indem sie die bisherigen Schritte der Bundesregierung als zu zögerlich bewertet und auf die lange Tradition russischer Attentate verweist.

Bedeutung für kritische Infrastruktur und Bevölkerung

Der Angriff auf einen internationalen Flughafen rückt die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur in den Mittelpunkt. Scherbakowa betont den Bedarf an Professionalität, spezialisierten Sicherheitsbehörden und ausreichenden finanziellen Mitteln, um sich gegen hybride Bedrohungen zu wappnen. Ihre Forderung nach klarer Kommunikation und gesellschaftlicher Unterstützung unterstreicht, dass erfolgreiche Abwehrmaßnahmen nicht nur technische Fragen sind, sondern auch vom Vertrauen der Bevölkerung in staatliches Handeln abhängen.

Ausblick auf weitere Maßnahmen

Mit der Kritik an Ausweisungs- und Schließungsentscheidungen zeigt Scherbakowa, dass symbolische Schritte allein nicht ausreichen, um Russland von weiteren Angriffen abzuhalten. Die Frage, ob zusätzliche innen- und außenpolitische Maßnahmen notwendig sind, wird in den kommenden Wochen maßgeblich die Sicherheits- und Russlandpolitik prägen. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass sich sowohl die Sicherheitslage als auch Einreise- und Aufenthaltsregeln für russische Staatsangehörige verändern könnten, während gleichzeitig der Schutz von Oppositionellen und Dissidenten gewährleistet werden muss.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „+++ 09:30 "Bevölkerung muss wissen, was los ist" - Grüne genervt von Merz +++" (31.08.2026)

n-tv berichtet über deutliche Kritik aus Reihen der Grünen an der Reaktion der Bundesregierung auf den Drohnenvorfall in Leipzig/Halle. Der Beitrag hebt Forderungen nach einer entschlosseneren Linie gegenüber Russland, einem „wöchentlichen Lagebild“ zu mutmaßlichen russischen Aktivitäten und einem erhöhten Verfolgungsdruck auf Agenten hervor. Damit bestätigt der Artikel den Eindruck, dass Teile der Politik – ähnlich wie Scherbakowa – die bisherigen Maßnahmen als zu zögerlich bewerten, legt den Schwerpunkt aber stärker auf konkrete innenpolitische Forderungen und Transparenz gegenüber der Bevölkerung.

FOCUS online: „Russisches Haus wird zur Sicherheitsfrage" (31.08.2026)

FOCUS online beleuchtet die sicherheitsrelevante Bedeutung des „Russischen Hauses“ in Berlin und die Rolle der Behörden beim Schutz der Einrichtung. Der Artikel schildert, dass Sicherheitsbehörden frühzeitig eingebunden worden seien und empfohlene Schutzvorkehrungen umgesetzt würden. Im Vergleich zu Scherbakowas Forderung, das Russische Haus schon länger zu schließen, zeigt der Beitrag eine Perspektive, die stärker auf bestehende staatliche Sicherheitsmaßnahmen und deren Umsetzung verweist, während die Frage nach weitergehenden Schritten offen bleibt.

Beide Beiträge verdeutlichen, dass der Drohnenangriff in Leipzig/Halle und russische Einrichtungen in Deutschland als sicherheitspolitische Herausforderung gesehen werden. Während Scherbakowa und politische Stimmen vor allem eine Verschärfung und klare Signale an Moskau verlangen, verweisen andere Berichte auf bereits getroffene Schutzmaßnahmen und institutionelle Abläufe. Offen bleibt, welche zusätzlichen Schritte die Bundesregierung angesichts der Kritik und der aktuellen Bedrohungslage noch ergreifen wird.

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