Berlin-Wahl, Linke

Berlin-Wahl: Linke siegt deutlich und beansprucht das Rote Rathaus

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 22:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Linke wird nach den Hochrechnungen stärkste Kraft in Berlin und beansprucht das Rote Rathaus. Im Zentrum der ersten Gespräche steht neben der Koalitionsfrage vor allem der Streit um Mieten, Wohnen und Enteignungen.

  • Elif Eralp will große Wohnungskonzerne enteignen.  - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Elif Eralp will große Wohnungskonzerne enteignen. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Stefan Evers kündigt Gespräche an.  - Bild: Fabian Sommer/dpa
    Stefan Evers kündigt Gespräche an. - Bild: Fabian Sommer/dpa
  • Steffen Krach gibt sich demütig.  - Bild: Christoph Soeder/dpa
    Steffen Krach gibt sich demütig. - Bild: Christoph Soeder/dpa
  • Linken-Spitzenkandidatin Eralp will regieren.  - Bild: Britta Pedersen/dpa
    Linken-Spitzenkandidatin Eralp will regieren. - Bild: Britta Pedersen/dpa
  • Kristin Brinker sieht sich in der Oppositionsrolle.  - Bild: Britta Pedersen/dpa
    Kristin Brinker sieht sich in der Oppositionsrolle. - Bild: Britta Pedersen/dpa
Elif Eralp will große Wohnungskonzerne enteignen.  - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Stefan Evers kündigt Gespräche an.  - Bild: Fabian Sommer/dpa Steffen Krach gibt sich demütig.  - Bild: Christoph Soeder/dpa Linken-Spitzenkandidatin Eralp will regieren.  - Bild: Britta Pedersen/dpa Kristin Brinker sieht sich in der Oppositionsrolle.  - Bild: Britta Pedersen/dpa

Die Linke ist nach Hochrechnungen bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus stärkste Kraft geworden und will mit Elif Eralp die Regierungschefin stellen.

Linke vor CDU und SPD

Die Partei kam demnach auf 25,1 bis 25,3 Prozent und damit auf ihr bestes Ergebnis bei einer Abgeordnetenhauswahl. Die CDU landete mit 19,0 bis 19,2 Prozent auf Platz zwei, die AfD wurde dritte Kraft.

Auch die Grünen signalisieren Gesprächsbereitschaft für ein progressives Bündnis. Die SPD liegt zwar deutlich schwächer als 2023, könnte rechnerisch aber ebenfalls wieder Teil einer Mehrheit werden.

Gespräche über Koalitionen beginnen

Eralp kündigte an, sie wolle Regierende Bürgermeisterin werden. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers will zunächst mit den anderen Parteien sprechen und die weiteren Schritte beobachten.

Die AfD schloss jede Zusammenarbeit vor der Wahl aus. Das BSW bangt nach den Hochrechnungen um den Einzug ins Landesparlament, die FDP verpasst ihn nach den vorliegenden Zahlen erneut.

Wohnungsfrage bestimmt den Wahlabend

Im Zentrum des Wahlkampfs standen Mieten, Wohnungsnot und die Frage, ob große Wohnungsunternehmen vergesellschaftet werden sollen. Eralp bekräftigte diesen Kurs und stellte klar, dass die Linke an diesem Programm festhalten werde.

Der Streit über Enteignungen dürfte damit auch die anstehenden Sondierungen prägen. Die Wahl verschiebt zwar die Mehrheiten, löst aber nicht den Konflikt darüber, wie Berlin den angespannten Wohnungsmarkt politisch am stärksten entlasten kann.

Regierungsbildung unter Vorbehalt

Das Ergebnis verschiebt die politische Statik in Berlin deutlich. Eine starke Linke mit Regierungsanspruch würde die bisherige Machtarchitektur im Abgeordnetenhaus aufbrechen und die Gespräche über eine Mehrheitsbildung sofort auf drei Lager ausrichten.

Für die Stadt ist das vor allem deshalb relevant, weil der Wahlkampf stark von Mieten, Wohnungsmarkt und sozialer Spaltung geprägt war. Wer in Berlin regiert, muss in diesen Feldern schnell handlungsfähig sein, zugleich aber Mehrheiten finden, die zwischen Umverteilung, Haushaltsdisziplin und Koalitionsfrieden tragfähig bleiben.

Enteignungen als Belastungsprobe

Der Streit um Vergesellschaftung bleibt der schärfste Konfliktpunkt. Eralp setzt hier auf ein klares Mandat für einen Kurswechsel, während SPD und andere mögliche Partner deutlich vorsichtiger klingen. Genau daran entscheidet sich, ob aus dem Wahlerfolg der Linken ein belastbares Regierungsmodell wird oder ein zähes Ringen um rote Linien.

Für die Berliner Politik bedeutet das: Selbst ein klarer Wahlsieg löst die Regierungsfrage nicht automatisch. Entscheidend ist nun, ob die möglichen Partner den Wohnungsmarkt als gemeinsame Priorität definieren können, ohne bei der Enteignungsfrage oder bei der Verteilung politischer Verantwortung zu scheitern.

Signal über Berlin hinaus

Der Ausgang hat auch eine bundespolitische Dimension. Ein Erfolg der Linken in der Hauptstadt würde Debatten über soziale Wohnungspolitik, linke Regierungsfähigkeit und die Rolle progressiver Bündnisse neu ordnen. Gleichzeitig zeigt das Ergebnis, dass die Wohnungskosten weiterhin eines der wahlentscheidenden Themen in Großstädten sind.

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