Deutschland, Italien

Unicredit legt Übernahmeangebot für Commerzbank vor

16.03.2026 - 08:10:45 | dpa.de

Die italienische Unicredit greift nach der Commerzbank – trotz der Widerstände in Deutschland. Was hinter dem Angebot steckt und wie es weitergehen könnte.

  • Die italienische Großbank Unicredit greift nach der Commerzbank (Archivbild). - Foto: Helmut Fricke/dpa
    Die italienische Großbank Unicredit greift nach der Commerzbank (Archivbild). - Foto: Helmut Fricke/dpa
  • Hat es auf die Commerzbank abgesehen: Unicredit-Chef Andrea Orcel (Archivbild) - Foto: Roberto Monaldo/LaPresse via ZUMA Press/dpa
    Hat es auf die Commerzbank abgesehen: Unicredit-Chef Andrea Orcel (Archivbild) - Foto: Roberto Monaldo/LaPresse via ZUMA Press/dpa
  • Übernahmeziel: Die Commerzbank in Frankfurt (Archivbild). - Foto: Arne Dedert/dpa
    Übernahmeziel: Die Commerzbank in Frankfurt (Archivbild). - Foto: Arne Dedert/dpa
  • Hat es auf die Commerzbank abgesehen: Unicredit-Chef Andrea Orcel (Archivbild) - Foto: Roberto Monaldo/LaPresse via ZUMA Press/dpa
    Hat es auf die Commerzbank abgesehen: Unicredit-Chef Andrea Orcel (Archivbild) - Foto: Roberto Monaldo/LaPresse via ZUMA Press/dpa
  • Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp betont immer wieder die Eigenständigkeit ihres Hauses (Archivbild). - Foto: Hannes P Albert/dpa
    Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp betont immer wieder die Eigenständigkeit ihres Hauses (Archivbild). - Foto: Hannes P Albert/dpa
'.$caption.' '.$caption.' '.$caption.' '.$caption.' '.$caption.'

Die italienische Großbank Unicredit legt ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vor. Das teilte die Großbank in Mailand vor. Damit geht Unicredit-Chef Andrea Orcel auf Konfrontationskurs mit dem Commerzbank-Management, den Arbeitnehmervertretern der zweitgrößten deutschen Privatbank und der Bundesregierung, die allesamt eine Übernahme ablehnen.

Die Unicredit ist mit einem direkten Anteil von 26 Prozent bereits größter Aktionär der Commerzbank und kontrolliert nach eigenen Angaben inklusive Finanzinstrumenten insgesamt 29,9 Prozent der Anteile des Frankfurter Dax-Konzerns. 

Die Italiener wollen für sämtliche Commerzbank-Aktien jeweils 0,485 neue Unicredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Damit bewertet die Unicredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro.

 

In einer Mitteilung hieß es, das Angebot ziele darauf, die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Schwelle zu überwinden und «in den kommenden Wochen einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu fördern». Zugleich betont die Unicredit, dass sie eine Beteiligung an der Commerzbank von mehr als 30 Prozent erreichen werde, «ohne die Kontrolle zu erlangen». 

Das würde der Unicredit einerseits ersparen, wegen des laufenden Aktienrückkaufprogramms der Commerzbank stetig Commerzbank-Aktien verkaufen zu müssen, um unter der 30-Prozent-Schwelle zu bleiben. Mit dem Angebot wäre das nicht mehr nötig. Zudem würde es der italienischen Großbank die Möglichkeit eröffnen, ihre Beteiligung danach frei am Markt oder auf anderem Weg aufzustocken.

Warum sich die Unicredit für die Commerzbank interessiert

Offiziell soll das Angebot im Mai vorgelegt werden mit einer Angebotsfrist von vier Wochen. Bis spätestens 4. Mai will die Unicredit eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um die Zustimmung ihrer Aktionäre für die nötige Kapitalerhöhung einzuholen. Das wäre nur wenige Tage vor der Commerzbank-Hauptversammlung, die für den 20. Mai geplant ist. 

Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits ein Standbein hat, wirbt seit Monaten für eine Übernahme der Commerzbank. Konzernchef Andrea Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentiert immer wieder, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken. 

Einstieg auf Umwegen

Die Mailänder Großbank hatte im September 2024 den Teilausstieg des Bundes genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Die Unicredit baute ihre Beteiligung nach und nach aus und löste den deutschen Staat als größten Commerzbank-Aktionär ab. Der Bund, der die Commerzbank in der Finanzkrise 2007/2008 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte, hält noch gut 12 Prozent der Anteile und will die Beteiligung nicht verkaufen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte betonte, die Bundesregierung setze auf eine «starke und unabhängige Commerzbank».

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) reagierte zurückhaltend auf das Übernahmeangebot. Die Interessen der Mitarbeiter und der Kunden des wichtigen Mittelstandsfinanzierers Commerzbank müssten in allen Gesprächen «angemessen berücksichtigt werden». Man werde die neue Situation ergebnisoffen prüfen. «Maßstab für uns ist und bleibt, dass der europäische Finanzplatz Frankfurt am Main, Europas Nummer 1, gestärkt und nicht geschwächt wird», teilte Rhein mit.
 

Das Übernahmeangebot der Unicredit kommt nicht überraschend: Schon im März 2025 erhielt die Großbank die Erlaubnis der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), ihren Anteil auf knapp 30 Prozent aufzustocken. Auch das Bundeskartellamt gab grünes Licht.

Verdi fürchtet großen Jobabbau

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat angesichts der Begehrlichkeiten der Unicredit die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln verteidigt. Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele, höhere Dividenden und verkündete trotz eines Rekordgewinns 2024 den Abbau von rund 3.900 Stellen, davon den Großteil in Deutschland. Nach erneut starken Zahlen für 2025 schraubte die Commerzbank erst kürzlich ihre Ziele nach oben. Orlopp setzt auf den stark gestiegenen Aktienkurs als Abschreckung gegen die Unicredit.

Verdi befürchtet schon länger einen Kahlschlag bei der Commerzbank, sollte die Unicredit die Kontrolle übernehmen. Die Gewerkschaft verweist auf die Übernahme der HVB durch die Unicredit im Jahr 2005, die bei der Münchner Bank zu einem Schrumpfkurs führte.

Inflation diktiert die politischen Schlagzeilen. Wer schützt deine Ersparnisse?

Inflation diktiert die politischen Schlagzeilen. Wer schützt deine Ersparnisse?

Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für immer kostenlos

politik | 68692986 |

Weitere Meldungen

Unicredit bietet für Commerzbank: «An der Zeit zu reden». Mit einem listigen Manöver will Unicredit-Chef Orcel Commerzbank und Bund zu Gesprächen zwingen. Die italienische Großbank kündigt eine Milliardenofferte für Deutschlands zweitgrößte Privatbank an. (Politik, 16.03.2026 - 11:42) weiterlesen...

Paralympische Winterspiele in Italien offiziell beendet. Die vergangenen zehn Tage boten nicht nur Rekorde und Boykotts. Mit einer Feier unter dem Motto «Italienisches Andenken» gehen die Paralympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo zu Ende. (Sport, 15.03.2026 - 22:14) weiterlesen...

Gold-Mangel: Forster rettet deutschem Para-Team die Bilanz. Die Bilanz fällt trotzdem positiv aus. Am Ende der Winter-Paralympics gibt es nur zweimal Gold für das deutsche Team, das reicht nicht einmal für die Top 10. (Sport, 15.03.2026 - 18:03) weiterlesen...

Goldmangel: Forster rettet deutschem Para-Team Platz zehn. Die Bilanz fällt trotzdem positiv aus. Am Ende der Winter-Paralympics gibt es nur zweimal Gold für das deutsche Team. (Sport, 15.03.2026 - 13:30) weiterlesen...

Tränen zum Abschluss: Alpin-Ass Forster Slalom-Vierte. Im Slalom hat Anna-Lena Forster keinen Grund zum Jubeln. Fahnenträgerin Andrea Rothfuss verabschiedet sich hingegen zufrieden. Bei den Winter-Paralympics sind die Alpin-Wettbewerbe der Frauen beendet. (Sport, 14.03.2026 - 15:09) weiterlesen...

Andrea Rothfuss und Christian Schmiedt tragen deutsche Fahne. Nun steht das deutsche Fahnenträger-Duo bei der Abschlussfeier fest. Andrea Rothfuss und Christian Schmiedt werden nicht allein einlaufen. Die Winter-Paralympics in Italien werden beendet. (Sport, 14.03.2026 - 11:19) weiterlesen...