EU-Asylagentur meldet 332.000 Anträge im ersten Halbjahr 2026
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 11:52 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Zahl der Asylanträge in der Europäischen Union sowie in der Schweiz und Norwegen ist im ersten Halbjahr 2026 weiter zurückgegangen. Nach Angaben der Asylagentur der Europäischen Union wurden rund 332.000 Anträge auf internationalen Schutz gestellt, die damit niedrigste Halbjahreszahl seit 2021.
Deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr
Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 verzeichnet die Agentur ein Minus von 17 Prozent. Der Rückgang ist Teil eines anhaltenden Trends seit Ende 2024 und spiegelt sowohl eine veränderte Mischung der Nationalitäten wider, die Schutz beantragen, als auch verstärkte Bemühungen der EU, mit Herkunfts- und Transitländern zusammenzuarbeiten.
Die Statistik umfasst neben den Mitgliedstaaten der Europäischen Union auch die Schweiz und Norwegen. Die Asylagentur führt die Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück, darunter politische Maßnahmen und Veränderungen der Flucht- und Migrationsrouten.
Frankreich löst Deutschland als Hauptzielland ab
Deutschland ist der EU-Asylagentur zufolge nicht mehr das beliebteste Zielland für Asylsuchende. Stattdessen verzeichnete Frankreich im ersten Halbjahr 2026 mit 69.000 Asylanträgen die höchste Zahl. Es folgen Italien mit 66.000, Spanien mit 55.000 und die Bundesrepublik ebenfalls mit 55.000 Anträgen.
Diese vier Staaten nahmen zusammen etwa drei Viertel aller Asylanträge im betrachteten Raum entgegen. Bezogen auf die Bevölkerung verzeichnete Griechenland mit 23.000 Anträgen die höchste Zahl pro Kopf und bleibt damit besonders stark beansprucht.
Unterschiedliche Trends nach Herkunftsländern
Bei den Herkunftsländern zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. Die Zahl der Asylanträge von Menschen aus Afghanistan lag im ersten Halbjahr 2026 bei 39.000 und ging damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent zurück. Zuvor war es Ende 2025 zu einem sprunghaften Anstieg gekommen, der größtenteils auf wiederholte Anträge von afghanischen Frauen zurückzuführen war, die sich bereits im europäischen Raum aufhielten.
Die Zahl der Anträge aus Venezuela sank auf 33.000 und damit im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel. 93 Prozent dieser Anträge wurden in Spanien gestellt. Anträge von Staatsangehörigen aus Bangladesch gehören mit 20.000 weiterhin zu den häufigsten, wobei ihre Zahl seit dem Vorjahr um 13 Prozent gestiegen ist.
Anerkennungsquote bleibt unter einem Drittel
Die Anerkennungsquote für internationalen Schutz in der EU+, also in der Europäischen Union, der Schweiz und Norwegen, lag im ersten Halbjahr 2026 bei 31 Prozent. Damit erhielt knapp ein Drittel der Antragsteller einen Schutzstatus wie Asyl oder subsidiären Schutz.
Die Entwicklung der Antragszahlen und der Anerkennungsquote dürfte in den kommenden Monaten eine wichtige Rolle in den migrations- und innenpolitischen Debatten der EU-Mitgliedstaaten spielen. Dabei geht es sowohl um die Ausgestaltung des gemeinsamen europäischen Asylsystems als auch um die Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitstaaten.
Der Rückgang der Asylanträge im ersten Halbjahr 2026 setzt einen Trend fort, der sich bereits seit Ende 2024 abzeichnet. Die aktuelle Statistik der EU-Asylagentur zeigt damit, dass der starke Anstieg der Vorjahre vorerst gebremst ist. Für die Mitgliedstaaten bedeutet dies eine gewisse Entlastung ihrer Asylsysteme, auch wenn das Niveau weiterhin deutlich über dem Stand vor 2015 liegt.
Verschiebung der Zielländer in der EU
Auffällig ist, dass Deutschland nicht mehr das Land mit den meisten Asylanträgen ist. Frankreich liegt nun vorn, dicht gefolgt von Italien und Spanien, während Deutschland mit Spanien gleichauf liegt. Diese Verschiebung weist darauf hin, dass sich Routen, Sprach- und Diasporastrukturen sowie nationale Regelungen auf die Wahl des Ziellandes auswirken. Pro Kopf bleibt Griechenland besonders stark belastet, was die Bedeutung der südlichen Außengrenzen für die Migrationsbewegungen unterstreicht.
Veränderte Herkunftsstrukturen
Auch die Herkunft der Schutzsuchenden verändert sich. Der leichte Rückgang der Anträge aus Afghanistan folgt auf einen sprunghaften Anstieg Ende 2025, der vor allem auf wiederholte Anträge bereits in Europa lebender afghanischer Frauen zurückgeführt wurde. Dies verweist auf anhaltende menschenrechtliche Probleme im Land und die besondere Betroffenheit von Frauen. Deutlich gesunken sind die Anträge aus Venezuela, die sich überwiegend auf Spanien konzentrieren, während Bangladesch weiterhin zu den häufigsten Herkunftsländern zählt und hier sogar einen Zuwachs verzeichnet.
Bedeutung der Anerkennungsquote
Die Anerkennungsquote von 31 Prozent im ersten Halbjahr 2026 zeigt, dass knapp ein Drittel der Antragsteller einen Schutzstatus erhält. Für die weitere politische Debatte in der EU ist dieser Wert zentral: Er verdeutlicht, dass ein erheblicher Teil der Anträge als begründet eingestuft wird, während zugleich viele Verfahren in Ablehnungen münden. Vor diesem Hintergrund gewinnen Diskussionen über gemeinsame Standards, Rückführungsabkommen und legale Zugangswege weiter an Gewicht.
