Berliner Linke, Sondierungsgespräche

Berliner Linke stimmt für Sondierung mit Grünen und SPD

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 20:24 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Delegierten gaben der Partei damit ein Mandat, mit beiden möglichen Partnern die Voraussetzungen für eine Koalition zu prüfen. Im Zentrum der Gespräche dürften neben der Regierungsbildung die Wohnungs- und Gesellschaftspolitik stehen.

Berliner Linke stimmt für Sondierung mit Grünen und SPD
Die Linke (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Berliner Linke hat am Freitag die Aufnahme von Sondierungsgesprächen mit Grünen und SPD beschlossen. Die Delegierten stimmten auf dem Parteitag in Berlin mit großer Mehrheit dafür, gemeinsam zu prüfen, ob die politischen Voraussetzungen für Koalitionsverhandlungen bestehen.

Die Linke war bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am vergangenen Sonntag mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden.

Mandat für Gespräche mit Grünen und SPD

Die Sondierungen sollen klären, welche politischen Schnittmengen zwischen den drei Parteien bestehen und ob daraus formelle Koalitionsverhandlungen entstehen können. Der Beschluss legt ausdrücklich fest, dass zunächst die Voraussetzungen für solche Verhandlungen geprüft werden.

Auf den weiteren Plätzen der Wahl folgten die bisher regierende CDU mit 18,8 Prozent, die AfD mit 16,3 Prozent, die Grünen mit 14,3 Prozent und die SPD mit 12,1 Prozent. BSW und FDP verfehlten mit 4,7 beziehungsweise 2,5 Prozent den Einzug in das Abgeordnetenhaus.

Eralp fordert Mietendeckel und Vergesellschaftung

Die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp forderte auf dem Parteitag einen Mietendeckel bei landeseigenen Wohnungsunternehmen und sozialen Wohnungsneubau. Die Politik müsse sich mit Immobilienkonzernen anlegen, die Mietabzocke stoppen und für Ordnung auf dem Mietmarkt sorgen, sagte sie.

Eralp bekräftigte außerdem die Forderung nach einer Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände von Immobilienkonzernen. Sie verwies dabei auf die Belastung der Mieter und kritisierte, dass Vonovia in diesem Jahr eine Milliarde Euro an seine Aktionäre ausgezahlt habe.

Wohnungspolitik als Kern der Gespräche

Mit dem Parteitagsbeschluss beginnt zunächst die politische Prüfung eines möglichen Bündnisses. Die Forderungen der Linken zur Begrenzung von Mieten, zum kommunalen Wohnungsbau und zur Vergesellschaftung dürften dabei zu den zentralen Verhandlungsthemen gehören.

Die Entscheidung fällt in eine ungewöhnliche Ausgangslage der Berliner Landespolitik: Die Linke ist nach der Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, während die bisher regierende CDU auf 18,8 Prozent und die SPD auf 12,1 Prozent kamen. Rechnerisch eröffnet das den Weg zu einem Bündnis aus Linker, Grünen und SPD, politisch liegen jedoch noch erhebliche Hürden vor.

Sondierungen dienen zunächst dazu, gemeinsame Vorhaben und unüberbrückbare Konflikte auszuloten. Sie sind keine Koalitionsverhandlungen. Erst wenn die drei Parteien ausreichend Übereinstimmungen feststellen, könnten formelle Verhandlungen beginnen; auch dafür wären innerparteiliche Entscheidungen erforderlich.

Wohnungspolitik als Streitpunkt

Ein zentraler Konflikt betrifft die Wohnungspolitik. Die Linke verbindet ihre Regierungsbereitschaft mit Forderungen nach einem Mietendeckel bei landeseigenen Wohnungsunternehmen und der Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände. Nach früheren Berechnungen würde eine Übernahme großer Bestände erhebliche Entschädigungszahlungen erfordern. Die Grünen unterstützen das Vergesellschaftungsziel grundsätzlich, während sich die SPD im Wahlkampf ablehnend zu Enteignungen positioniert hatte.

Zusätzlich stehen Fragen zum Umgang mit Antisemitismus, zum Schutz jüdischen Lebens sowie zur Sicherheits- und Gesellschaftspolitik im Raum. Diese Themen dürften den Gesprächsverlauf ebenso prägen wie die Frage, ob die Linke ihre Forderungen in einem gemeinsamen Regierungsprogramm mit Grünen und SPD umsetzen kann. Für Berliner Mieter wären die Gespräche besonders relevant, weil sie über den künftigen Kurs bei Mieten, kommunalem Wohnungsbestand und Neubau entscheiden könnten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

rbb24: „Linke entscheidet auf Parteitag über Sondierungen - Kiziltepe für Rot-Grün-Rot“ (25.09.2026)

Der Beitrag ordnet die Entscheidung in die Regierungsbildung ein und betont, dass Sondierungen noch keine Koalitionsverhandlungen sind. Als Konfliktfelder nennt er neben Antisemitismus und dem Schutz jüdischen Lebens vor allem die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände; zugleich verweist er auf Unterstützung für ein rot-grün-rotes Bündnis in Teilen der SPD.

tagesschau.de: „Berliner Linke entscheidet auf Parteitag über Sondierungen“ (25.09.2026)

Der Bericht hebt ebenfalls die mögliche Aufnahme von Gesprächen in der kommenden Woche und die bereits erfolgten Vorgespräche zwischen Linken und Grünen hervor. Einen anderen Schwerpunkt setzt er auf die Bedingungen der möglichen Partner sowie auf die offene Alternative eines Bündnisses aus CDU, Grünen und SPD, falls Gespräche unter Führung der Linken scheitern.

Gemeinsam ist beiden Berichten die Einschätzung, dass die Entscheidung den formalen Weg zu Gesprächen öffnet, aber keine Regierungsbildung vorwegnimmt. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Während rbb24 die innerparteilichen und wohnungspolitischen Konflikte stärker ausführt, stellt tagesschau.de die möglichen Koalitionsvarianten und die Bedingungen von Grünen und SPD heraus.

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