Landtagswahl, CDU

Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: AfD siegt, CDU fliegt aus Landtag – Linke triumphiert in Berlin

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 02:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die CDU erleidet bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin historische Niederlagen, während AfD und Linke kräftig zulegen. In beiden Ländern zeichnen sich neue Mitte-links-Regierungen ab, die das politische Kräfteverhältnis verschieben könnten.
  • Das Statement des Kanzlers wurde auf der CDU-Wahlparty im Berliner Abgeordnetenhaus übertragen. - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Auch CDU-Anhänger in Mecklenburg-Vorpommern verfolgten Merz' Statement am Wahlabend. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
  • Schwesig: Alte und neue Ministerpräsidentin? - Bild: Bernd Wüstneck/dpa
  • Die Linke triumphiert in Berlin. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Das Statement des Kanzlers wurde auf der CDU-Wahlparty im Berliner Abgeordnetenhaus übertragen. - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa Auch CDU-Anhänger in Mecklenburg-Vorpommern verfolgten Merz' Statement am Wahlabend. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa Schwesig: Alte und neue Ministerpräsidentin? - Bild: Bernd Wüstneck/dpa Die Linke triumphiert in Berlin. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Die CDU hat bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin deutliche Niederlagen erlitten und verpasst im Nordosten erstmals den Einzug in ein Landesparlament.

AfD gewinnt in Mecklenburg-Vorpommern, CDU scheitert an Hürde

In Mecklenburg-Vorpommern erreicht die AfD nach Angaben der Landeswahlleitung 38,2 Prozent der Stimmen und mehr als verdoppelt damit ihr Ergebnis von vor fünf Jahren. Die SPD verliert leicht und kommt auf 35,5 Prozent, gefolgt von der Linken mit 6,5 Prozent. Die Grünen ziehen mit 5,7 Prozent in den Landtag ein, während die CDU mit 4,9 Prozent an der Sperrklausel scheitert und erstmals aus einem Landesparlament herausfällt. Das BSW verpasst mit 4,8 Prozent ebenfalls den Einzug.

Sitzverteilung und mögliche Koalitionen in Schwerin

Im Schweriner Landtag erhält die AfD nach dem vorliegenden Ergebnis 32 Sitze, die SPD kommt auf 29 Mandate. Linke und Grüne sind jeweils mit 5 Sitzen vertreten. Die bisherige Koalition aus SPD und Linken hat damit ihre Mehrheit verloren. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig könnte dennoch im Amt bleiben, wenn die Grünen als dritter Partner hinzukämen. Jenseits einer möglichen rot-rot-grünen Koalition sitzt im Landtag nur noch die AfD, die zwar die meisten Stimmen bekommen hat, aber allein keine Mehrheit stellen kann.

Linke siegt deutlich in Berlin, CDU verliert Regierungsmehrheit

In Berlin gewinnt die Linke nach Auszählung aller Stimmen mit 25,7 Prozent und einem klaren Vorsprung vor den anderen Parteien. Dahinter folgen CDU mit 18,8 Prozent, AfD mit 16,3 Prozent, Grüne mit 14,3 Prozent und SPD mit 12,1 Prozent. Die bisher regierende CDU/SPD-Koalition verliert damit ihre Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Eine Sitzverteilung teilte die Landeswahlleitung zunächst nicht mit.

Koalitionsoptionen in der Hauptstadt

In Berlin deutet vieles darauf hin, dass eine Dreierkoalition aus Linken, Grünen und SPD die neue Regierung bildet. Die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp, 45-jährige Juristin mit türkischen Wurzeln, strebt das Amt der Regierenden Bürgermeisterin an. Die Grünen, bislang Oppositionspartei im Abgeordnetenhaus, signalisierten am Abend ihre Bereitschaft zu Verhandlungen über ein solches Bündnis.

SPD zwischen Linksbündnis und anderer Option

Ob die SPD einem rot-grün-roten Bündnis zustimmt, ist zunächst offen. Spitzenkandidat Steffen Krach hatte im Wahlkampf betont, mit ihm werde es keine Enteignung großer Wohnungskonzerne geben, wie von der Linken versprochen. Rechnerisch wäre auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD möglich. Angesichts der starken Verluste und des deutlichen Rückstands der CDU gegenüber der Linken sehen Beobachter für die Union jedoch kaum einen Auftrag zur Regierungsbildung.

Hohe Wahlbeteiligung in beiden Ländern

In beiden Ländern steigt die Wahlbeteiligung deutlich. In Mecklenburg-Vorpommern liegt sie bei 78,1 Prozent, in Berlin bei 74,2 Prozent. Der Druck auf Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz nimmt mit den Ergebnissen weiter zu, auch wenn er am Wahlabend erklärt, seine Arbeit fortsetzen zu wollen. Zugleich sind Parteien an den politischen Rändern – AfD im Nordosten und Linke in der Hauptstadt – klar gestärkt.

Verschiebungen im Parteiensystem

Die Ergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin markieren eine deutliche Verschiebung im deutschen Parteiensystem. In Mecklenburg-Vorpommern verdrängt die AfD mit einem klaren Stimmenvorsprung die SPD von der Spitzenposition und etabliert sich als stärkste Kraft im Land. Zugleich verliert die CDU ihre Rolle als klassische Volkspartei vor Ort und scheitert erstmals an der Fünf-Prozent-Hürde in einem Landesparlament. Dies verweist auf eine strukturelle Schwäche der Union in Teilen Ostdeutschlands und auf eine anhaltende Polarisierung entlang der Frage, wie mit der AfD politisch umzugehen ist.

Koalitionsoptionen und Regierungsbildung

In beiden Ländern entstehen komplexe Koalitionslagen. In Mecklenburg-Vorpommern dürfte eine rot-rot-grüne Regierung aus SPD, Linker und Grünen wahrscheinlich werden, obwohl die AfD als Wahlsieger im Landtag dominiert. Der Ausschluss der AfD von Koalitionen führt dazu, dass sie trotz Stimmenstärke auf die Rolle der Opposition beschränkt bleibt. In Berlin stellt sich die Lage spiegelbildlich dar: Hier gewinnt die Linke deutlich und kann gemeinsam mit Grünen und SPD eine progressive Dreierkoalition anstreben, während die bisher regierende CDU/SPD-Konstellation ihre Mehrheit verliert. Damit würden in beiden Fällen Bündnisse aus Mitte-links-Parteien das Regierungshandeln bestimmen.

Bundespolitische Folgen für die CDU und die Ampel

Für die CDU und ihren Vorsitzenden sowie Kanzler Friedrich Merz verstärken die Ergebnisse den innerparteilichen Druck. Das historische Verfehlen des Landtags in Mecklenburg-Vorpommern und die Niederlage gegen die Linke in Berlin nähren Zweifel an der strategischen Ausrichtung der Union, insbesondere im Umgang mit der AfD und sozialen Themen. Zugleich dürften die starken Ergebnisse von AfD und Linker die Debatten in der Bundespolitik verschärfen: Einerseits über Sicherheit und Migration, andererseits über soziale Gerechtigkeit, Mieten und Umverteilung. Leserinnen und Leser müssen sich darauf einstellen, dass Konflikte über diese Themen in den kommenden Monaten sowohl im Bundestag als auch in den Länderparlamenten noch intensiver ausgetragen werden.

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