Niedersachsen Kommunalwahl, AfD Wahlerfolg

Kommunalwahlen in Niedersachsen: CDU vorn, AfD und Linke mit starken Zugewinnen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 04:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die CDU bleibt bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen laut Hochrechnung stärkste Kraft, verliert jedoch ebenso wie SPD und Grüne deutlich an Stimmen. AfD und Linke gewinnen klar hinzu – mit Signalwirkung über das Bundesland hinaus.

  • Die Wähler in Niedersachsen haben über fast 2.200 kommunale Vertretungen entschieden. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
    Die Wähler in Niedersachsen haben über fast 2.200 kommunale Vertretungen entschieden. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Mehr als 68.000 Kandidaturen gab es für die Kommunalwahlen. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
    Mehr als 68.000 Kandidaturen gab es für die Kommunalwahlen. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • CDU-Landeschef Lechner richtet einen klaren Appell an die Bundesregierung. - Bild: Michael Matthey/dpa
    CDU-Landeschef Lechner richtet einen klaren Appell an die Bundesregierung. - Bild: Michael Matthey/dpa
  • Die AfD um Landeschef Schledde verzeichnet die größten Zugewinne. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
    Die AfD um Landeschef Schledde verzeichnet die größten Zugewinne. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
  • Die SPD-Kandidaten von der Ohe (links) und Bender ziehen in die Stichwahl um die Ämter des Oberbürgermeisters und des Regionspräsidenten von Hannover ein. - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
    Die SPD-Kandidaten von der Ohe (links) und Bender ziehen in die Stichwahl um die Ämter des Oberbürgermeisters und des Regionspräsidenten von Hannover ein. - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
Die Wähler in Niedersachsen haben über fast 2.200 kommunale Vertretungen entschieden. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa Mehr als 68.000 Kandidaturen gab es für die Kommunalwahlen. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa CDU-Landeschef Lechner richtet einen klaren Appell an die Bundesregierung. - Bild: Michael Matthey/dpa Die AfD um Landeschef Schledde verzeichnet die größten Zugewinne. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa Die SPD-Kandidaten von der Ohe (links) und Bender ziehen in die Stichwahl um die Ämter des Oberbürgermeisters und des Regionspräsidenten von Hannover ein. - Bild: Moritz Frankenberg/dpa

Bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen bleibt die CDU laut Hochrechnung trotz Verlusten stärkste Kraft vor SPD und einer deutlich gewachsenen AfD.

CDU vorne, SPD und Grüne mit deutlichen Verlusten

Rund 6,3 Millionen Wahlberechtigte waren in Niedersachsen aufgerufen, über Kreistage, Stadträte sowie Bürgermeister und Landräte abzustimmen. Nach einer Hochrechnung von Infratest dimap im Auftrag des NDR kommt die CDU auf Kreisebene auf 27,7 Prozent und liegt damit weiter vor der SPD, die 24,5 Prozent erreicht und damit 5,5 Prozentpunkte gegenüber 2021 verliert. Auch die Grünen müssen Einbußen hinnehmen und kommen auf 13,6 Prozent, ein Minus von 2,3 Prozentpunkten.

AfD und Linke legen deutlich zu

Klare Gewinner der Wahl sind AfD und Linke. Die AfD steigt in der Hochrechnung auf 16,5 Prozent und verbessert sich damit um 11,9 Prozentpunkte im Vergleich zu 2021. Die Linke erhöht ihren Stimmenanteil auf 5,9 Prozent und legt um 3,1 Prozentpunkte zu. Die FDP rutscht auf 3,6 Prozent ab und verliert 2,9 Prozentpunkte. Grundlage der Hochrechnung sind die Ergebnisse der Stadtratswahlen in den kreisfreien Städten, der Kreistagswahlen in den Landkreisen sowie der Wahl der Regionsversammlung in Hannover.

Endgültige Ergebnisse stehen noch aus

Die offiziellen vorläufigen Kreisergebnisse sollen nach Angaben der Landeswahlleitung am Morgen veröffentlicht werden. Zum Vergleich: Bei den Kommunalwahlen 2021 lagen diese Werte gegen 8.20 Uhr vor. Die jetzige Abstimmung steht auch vor dem Hintergrund des jüngsten AfD-Wahlsiegs in Sachsen-Anhalt und der Krise beim für Niedersachsen bedeutenden Autokonzern Volkswagen. Bundesweit gilt die Wahl daher als wichtiger Gradmesser für die Stimmung in einem westdeutschen Bundesland, kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

CDU atmet durch, Kritik an der Bundesregierung

CDU-Landeschef Sebastian Lechner sieht trotz der Verluste positive Signale für seine Partei. In Wolfsburg erreichte CDU-Kandidat Dennis Weilmann bei der Oberbürgermeisterwahl eine absolute Mehrheit, in der Region Hannover schaffte Oliver Junk den Einzug in die Stichwahl um das Amt des Regionspräsidenten. Zudem bleibt die seit 1981 währende Serie bestehen, dass die CDU bei Kreiswahlen die stärkste Kraft im Land ist.

Lechner betonte, das Ergebnis sei «trotz dieses Bundestrends» zustande gekommen. Er verwies auf häufige Kritik an der Berliner Politik, etwa an hohen Energie- und Wohnungspreisen und der Belastung der Bürger. Aus seiner Sicht müsse die Bundesregierung bis Jahresende mutige Entscheidungen treffen, um die Menschen stärker zu entlasten. Die Zukunft von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz wollte Lechner zunächst nicht zur Debatte stellen, kündigte aber Gespräche in der Union nach den bevorstehenden Landtagswahlen an.

SPD mit schwerem Ergebnis im eigenen Stammland

Die SPD, Koalitionspartner der Union im Bund, verzeichnet in Niedersachsen besonders deutliche Verluste. Betroffen ist damit auch das Heimatland von Vizekanzler Lars Klingbeil und Verteidigungsminister Boris Pistorius. Ministerpräsident und SPD-Landeschef Olaf Lies sprach davon, dass sich Niedersachsen den bundespolitischen Einflüssen der vergangenen Wochen nicht entziehe.

Lies zufolge sei das Vertrauen in etablierte Parteien angespannt, viele Wähler wanderten nicht zu anderen demokratischen Kräften, sondern an die politischen Ränder. Das Ergebnis sei für ihn ein «schwieriges» Signal, das SPD und Grüne gleichermaßen herausfordert.

AfD-Erfolge zeigen Stärke auch im Westen

Die Kommunalwahlen machen deutlich, dass die AfD kein ausschließlich ostdeutsches Phänomen ist. Im Vergleich zu 2021 verdreifacht die Partei ihr Ergebnis auf Kreisebene. Im Stadtrat von Salzgitter wird sie mit 27,39 Prozent stärkste Kraft vor SPD und CDU. Zudem steht AfD-Kandidatin Patricia Mair in der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt gegen Amtsinhaber Frank Klingebiel von der CDU.

AfD-Landeschef Ansgar Schledde erklärte, die AfD sei «seit heute Kommunalpartei» und werde mit dem starken Rückhalt in die Landtagswahl 2027 gehen, die für den 26. September vorgesehen ist. Schledde verwies darauf, dass vier AfD-Kandidaten wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht zur Wahl zugelassen wurden. Aus seiner Sicht zeige dies, dass es auch auf kommunaler Ebene eine klare demokratische Alternative als Korrektiv brauche.

Rechtliche Auseinandersetzungen um AfD-Kandidaturen

Die AfD Niedersachsen wird vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt eingestuft. Die Nichtzulassung der vier Kandidaten erfolgte durch die Wahlausschüsse der betroffenen Kommunen. Gegen sowohl die Einstufung als Beobachtungsobjekt als auch gegen die Entscheidungen der Wahlausschüsse geht die AfD juristisch vor.

Rot-Grün deutlich geschwächt, Linke im Aufwind

Auf Landesebene ist die Regierung weiterhin von einer Koalition aus SPD und Grünen getragen. Beide Parteien verlieren in der Hochrechnung gemeinsam jedoch fast acht Prozentpunkte auf Kreisebene. Während für die SPD etwa die in der ersten Runde führende Regionspräsidentin-Kandidatin Eva Bender in Hannover einen Lichtblick darstellt, können die Grünen insbesondere mit dem erneut klar führenden Oberbürgermeister Belit Onay in Hannover punkten.

Der landesweite Trend bleibt dennoch kritisch. Ministerpräsident Lies bezeichnete das Ergebnis insgesamt als «schwierig». Gleichzeitig gibt es neben der AfD einen weiteren Gewinner: die Linke. Die Partei hat ihre Mitgliederzahl in Niedersachsen seit 2024 verdreifacht und nun ihr Ergebnis bei den Kreiswahlen etwa verdoppelt. Sollte ein ähnlicher Zuspruch bei der Landtagswahl 2027 anhalten, könnte die Linke erstmals seit 2013 wieder in den Landtag einziehen.

Kommunalwahlen als Stimmungstest für die Bundespolitik

Die Kommunalwahlen in Niedersachsen markieren einen wichtigen Stimmungstest in einem großen westdeutschen Flächenland. Die Hochrechnung zeigt deutliche Verluste für die SPD und spürbare Einbußen für die CDU, während die AfD und die Linke klar zulegen. Damit verdichten sich bundesweite Trends: Unzufriedenheit mit der Politik der Bundesregierung, Sorge über hohe Energie- und Wohnkosten sowie der Eindruck vieler Wähler, dass etablierte Parteien zentrale Alltagsprobleme nicht ausreichend adressieren.

Die CDU bleibt trotz Rückgang stärkste Kraft auf Kreisebene und kann einzelne Erfolge wie die absolute Mehrheit bei der Oberbürgermeisterwahl in Wolfsburg und gute Chancen in der Region Hannover vorweisen. Zugleich macht Landeschef Sebastian Lechner deutlich, dass der Bundestrend belastend wirkt und aus seiner Sicht Kurskorrekturen in Berlin notwendig sind. Für die SPD wiegt das Ergebnis schwerer: Im Heimatland prominenter Bundespolitiker verlieren die Sozialdemokraten deutlich und sehen, wie Wählerstimmen nicht zu anderen Regierungsparteien, sondern an die politischen Ränder wandern.

AfD-Aufschwung im Westen und veränderte Parteienlandschaft

Besonders aufmerksam verfolgt wird der starke Aufschwung der AfD. Ihr Ergebnis auf Kreisebene hat sich im Vergleich zu 2021 mehr als verdreifacht, in Salzgitter wird sie im Stadtrat sogar stärkste Kraft und stellt eine Kandidatin in der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt. Das widerspricht der Vorstellung, die AfD sei vor allem ein ostdeutsches Phänomen, und zeigt, wie sich Protest- und Unzufriedenheitsstimmen zunehmend auch in westdeutschen Kommunen bündeln. Zugleich bleibt die rechtliche und politische Auseinandersetzung scharf: Die Einstufung der AfD Niedersachsen als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt sowie nicht zugelassene Kandidaturen verdeutlichen den Konflikt zwischen Sicherheitsbehörden und Partei.

Schwäche von Rot-Grün und möglicher Wiedereinzug der Linken

Für die rot-grüne Landesregierung ist der gemeinsame Verlust von fast acht Prozentpunkten auf Kreisebene ein Warnsignal. Einzelne lokale Erfolge können den landesweiten Trend nur begrenzt überdecken und dürften die Debatte über Regierungsstil und Prioritäten verstärken. Auffällig ist der gleichzeitige Aufschwung der Linken, die ihre Mitgliederzahl und ihr kommunales Ergebnis deutlich steigert und damit eine reale Perspektive auf einen Wiedereinzug in den Landtag 2027 erhält. Für die Parteien insgesamt bedeuten diese Verschiebungen, dass die politische Landschaft fragmentierter wird: Mehr starke Akteure an den Rändern erschweren Mehrheiten in Kommunen und später im Landtag und zwingen die etablierten Kräfte zu neuen Koalitions- und Strategiedebatten.

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