Deutschlandticket: Dröge nennt Preiserhöhung Unverschämtheit
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 09:47 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSGrünen-Fraktionschefin Katharina Dröge hat die Preiserhöhung beim Deutschlandticket als „absolute Unverschämtheit“ bezeichnet. Im Gespräch mit RTL und ntv kritisierte sie, dass der Bund 2,5 Milliarden Euro für einen Tankrabatt bereitstelle, den Preis des Nahverkehrstickets aber nicht stabil halte.
Das Deutschlandticket kostet derzeit 63 Euro im Monat und soll ab dem 1. Januar 2027 66,80 Euro kosten.
Dröge fordert Preisgarantie
Dröge verwies darauf, dass das Ticket bei seiner Einführung 49 Euro kostete. Dieser Preis wäre aus ihrer Sicht fair gewesen; eine weitere Erhöhung werde niemand verstehen, wenn zugleich Geld für Autofahrer vorhanden sei.
Die Grünen-Politikerin forderte eine Preisgarantie. Arbeitgeber und Pendler wüssten andernfalls nicht, ob der Preis jedes Jahr weiter steige, und könnten deshalb auf ein Abonnement verzichten. Bei mehr Abonnenten könne der Preis nach ihrer Einschätzung langfristig sogar sinken.
Kritik an Klingbeil und Tankrabatt
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil warf Dröge vor, eine direkte Auszahlung an die Bürger mit falschen Argumenten abzulehnen. Der in der früheren Ampel-Koalition begonnene Auszahlmechanismus sei fertig; Klingbeil könne ihn nutzen, wolle dies aber offensichtlich nicht.
Dröge plädierte stattdessen für ein pauschales Energiegeld, das über eine Übergewinnsteuer finanziert werden solle. Beim Tankrabatt profitierten aus ihrer Sicht Mineralölkonzerne und Haushalte mit größeren Autos überproportional.
Angriff auf CDU und SPD
An CDU und SPD gerichtet bezeichnete Dröge den Tankrabatt als schlechte Politik, einfallslos und als schlechten Kompromiss. Der Tankrabatt gilt ab dem 1. Oktober befristet bis zum Jahresende.
Die Debatte über das Deutschlandticket verbindet zwei unterschiedliche Formen staatlicher Entlastung: Der Tankrabatt senkt befristet die Energiesteuer auf Benzin und Diesel, während das Deutschlandticket dauerhaft den Zugang zum regionalen öffentlichen Verkehr vereinfachen soll. Der Tankrabatt gilt vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026; die Entlastung beträgt rechnerisch knapp 17 Cent je Liter, die Steuermindereinnahmen werden auf rund 2,5 Milliarden Euro geschätzt.
Das Deutschlandticket kostet derzeit 63 Euro im Monat und steigt zum 1. Januar 2027 auf 66,80 Euro. Der neue Preis wurde erstmals anhand eines Kostenindexes berechnet, der unter anderem Personal-, Energie- und Betriebskosten berücksichtigt. Seit seiner Einführung für 49 Euro im Mai 2023 wurde das Ticket damit mehrfach teurer.
Finanzierung und politische Folgen
Dröges Kritik zielt auf die Verteilungswirkung der Maßnahmen: Von der Steuersenkung profitieren vor allem Menschen, die regelmäßig mit dem Auto fahren und größere Mengen Kraftstoff benötigen. Eine Preisgarantie für das Deutschlandticket würde dagegen unmittelbar die monatlichen Kosten von Pendlern und anderen ÖPNV-Nutzern begrenzen. Zugleich bliebe die Finanzierungsfrage offen, weil stabile Ticketpreise zusätzliche Mittel von Bund und Ländern oder Einsparungen an anderer Stelle erfordern würden.
Für Fahrgäste ist die Erhöhung konkret: Ein Jahresabo verteuert sich gegenüber dem bisherigen Preis um 45,60 Euro. Ob die Preisentwicklung die Nachfrage nach dem Ticket beeinflusst, hängt neben dem Preis auch von der Qualität des Nahverkehrs, dem Arbeitsplatzstandort und verfügbaren Alternativen ab.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „Preis für Deutschlandticket steigt im Januar auf 66,80 Euro“ (30.09.2026)
Der Beitrag bestätigt die beschlossene Erhöhung von 63 auf 66,80 Euro und ordnet sie als dritte Preissteigerung seit dem Start bei 49 Euro ein. Zusätzlich nennt er die neuen Preise für Jobticket und Semesterticket sowie die Kritik an der parallelen Finanzierung des Tankrabatts.
BR24: „Riesenerfolg oder zu teuer? Deutschlandticket künftig 66,80 Euro“ (30.09.2026)
BR24 hebt stärker die Berechnung über eine festgelegte Kostenformel und die Entwicklung der Kundenzahl hervor. Anders als der Tagesschau-Beitrag stellt der Artikel zusätzlich die Frage nach der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Tickets und greift den Vorschlag auf, Tankrabattmittel zur Stabilisierung des Deutschlandtickets einzusetzen.
Gemeinsam bestätigen die Beiträge die Preiserhöhung und den Gegensatz zwischen Tankrabatt und teurerem Nahverkehrsticket. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung von Finanzierung, Nachfrageentwicklung und sozialer Wirkung; offen bleibt, ob Bund und Länder künftig eine Preisgarantie finanzieren.
