Deutschland verliert gegen Griechenland: Klopp startet mit Kader II den Neustart
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 12:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSJürgen Klopp hat bei seinem Heimdebüt als Bundestrainer mit Deutschland gegen Griechenland mit 0:1 verloren und muss nun vor dem Nations-League-Spiel gegen Serbien am Donnerstag in München eine schnelle Reaktion organisieren.
Ernüchterung nach dem Heimdebüt
Die Niederlage gegen Griechenland beendete die Aufbruchstimmung, die Klopp mit einem stark veränderten Nationalteam entfacht hatte. „Wenn die Euphorie jetzt weg ist, tut mir das leid“, sagte der 59-Jährige nach der Partie in Augsburg.
Nach einer kurzen Nacht begann die Mannschaft im abgeschirmten Trainingszentrum in Herzogenaurach mit der Vorbereitung. Klopp arbeitet nun mit seinem zweiten 25-Mann-Kader, während die Spieler der ersten Gruppe wie geplant individuell abreisten.
Klopp übernimmt Verantwortung
Der Bundestrainer bezeichnete den ungewöhnlichen Weg mit einem 44-Mann-Kader als „alternativlos“. Sein Konzept sieht vor, in den ersten beiden Länderspielwochen möglichst viele Spieler unter Wettkampfbedingungen zu prüfen und anschließend die personellen Entscheidungen für den Weg zur Europameisterschaft 2028 zu schärfen.
Gegen Griechenland fehlten der deutschen Elf vor allem gegen den tief stehenden Gegner die Lösungen. Den entscheidenden Treffer erzielte Dimitrios Kourbelis in der 74. Minute; sein Schuss wurde von Kapitän Joshua Kimmich unglücklich abgefälscht. Kimmich bestritt sein 116. Länderspiel.
Schweinsteiger kritisiert Leistungsstand
Der frühere Weltmeister Bastian Schweinsteiger bewertete die Entwicklung im ARD-Studio deutlich kritischer. Deutschland sei keine Topmannschaft mehr und im Mittelmaß angekommen, sagte der 42-Jährige.
Klopp wies eine grundsätzliche Krisenstimmung zurück, räumte aber ein, dass die Mannschaft noch nicht so gut sei, wie sie sein wolle. Er übernahm die Verantwortung für Aufstellung, Wechsel und Ergebnis und bat darum, die jungen Spieler nicht zum Gegenstand der Kritik zu machen.
Neue Gesichter gegen Serbien
Im zweiten Aufgebot sollen nun unter anderem Said El Mala, Mika Baur, Finn Jeltsch, Felix Keidel, Derry Scherhant und der 28 Jahre alte Vitaly Janelt ihre Chance erhalten. Neben den weniger etablierten Spielern stehen auch Serge Gnabry, Nico Schlotterbeck und Florian Wirtz im Kader.
Als positive Eindrücke aus der ersten Woche nannte Klopp Philipp Treu, Yann Bisseck und Karim Adeyemi. Gegen Serbien muss die Auswahl am Donnerstag um 20.45 Uhr in der Münchner Allianz Arena antreten; der Gegner ist in der Gruppe bislang punktlos.
Ergebnisdruck trotz Casting
Jürgen Klopp hat den Neustart der Nationalmannschaft bewusst als breites Sichtungsprojekt angelegt. Zwei nahezu vollständig unterschiedliche Aufstellungen in kurzer Folge sollen Erkenntnisse über Spieler, Rollen und taktische Abläufe liefern. Der Preis dieses Ansatzes zeigt sich gegen Griechenland deutlich: Die Mannschaft besitzt noch wenig gemeinsame Automatisierung und findet gegen einen tief stehenden Gegner nur selten Lösungen.
Das 0:1 ist deshalb mehr als ein einzelner Ausrutscher, auch wenn der entscheidende Treffer durch Kimmichs unglückliche Ablenkung fiel. Deutschland hatte Ballbesitz und Phasen mit höherem Druck, entwickelte daraus aber zu wenige klare Abschlüsse. Gerade diese offensive Ineffizienz wird im nächsten Gruppenspiel gegen Serbien erneut relevant, weil auch dort mit einem defensiv ausgerichteten Gegner gerechnet werden muss.
Bewährungsprobe vor dem Heimspiel
Klopp muss nun zwei Ziele miteinander verbinden: weitere Spieler testen und zugleich kurzfristig eine konkurrenzfähige Mannschaft formen. Dafür bleiben nur wenige Tage. Der zweite 25-Mann-Kader bietet Talenten eine unmittelbare Chance, zugleich steigt nach der historischen Niederlage die Erwartung an eine sportliche Reaktion.
Für die Zuschauer bedeutet das Münchner Spiel daher einen frühen Prüfstein für Klopps Konzept. Ein Sieg würde den Fehlstart nicht ungeschehen machen, aber die Entwicklung stabilisieren; ein weiteres schwaches Ergebnis würde die Debatte über die Qualität des Kaders und die Belastbarkeit des groß angelegten Castings verschärfen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „"Drecksding" für DFB-Elf: Griechenland verdirbt Jürgen Klopp die Heimpremiere“ (27.09.2026)
Der Bericht bestätige die 0:1-Niederlage und hebe die zähe Offensive sowie die unglückliche Ablenkung durch Joshua Kimmich hervor. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Artikel stärker auf Spielverlauf, Aufstellung und die einzelnen Chancen; offen bleibe auch dort, wie schnell die neu formierte Mannschaft gegen Serbien bessere Abläufe entwickeln könne.
Der Beitrag stelle Schweinsteigers Bewertung des deutschen Leistungsstands in den Mittelpunkt und gebe zusätzlich Reaktionen von Klopp, Kimmich und weiteren Beteiligten wieder. Er bestätige damit den von der dpa beschriebenen Gegensatz zwischen der ernüchternden Niederlage und Klopps Vertrauen in den Entwicklungsprozess, setze den Schwerpunkt aber stärker auf die Qualitäts- und Systemdebatte.
Beide Berichte seien sich beim Ergebnis, der geringen Durchschlagskraft und dem Charakter des Spiels als umfangreicher Sichtung einig. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung: Während n-tv den Spielverlauf betone, rücke FOCUS die grundsätzliche Einordnung der Mannschaft in den Vordergrund.
