Gemeinschaftsdiagnose, Deutsche Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft: Institute verdoppeln Wachstumsprognose – Aufschwung auf Pump

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 13:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten 2026 deutlich mehr Wachstum als noch im Frühjahr. Der Aufschwung wird vor allem durch staatliche Ausgaben und Exporte getragen, während strukturelle Probleme und fehlendes Vertrauen bestehen bleiben.

  • Trotz besserer Wachstumserwartungen blicken führende Ökonomen mit Sorge in die Zukunft. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Trotz besserer Wachstumserwartungen blicken führende Ökonomen mit Sorge in die Zukunft. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Die Gemeinschaftsdiagnose wird im Frühjahr und im Herbst von Wirtschaftsforschungsinstituten veröffentlicht. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Die Gemeinschaftsdiagnose wird im Frühjahr und im Herbst von Wirtschaftsforschungsinstituten veröffentlicht. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Der Iran-Krieg hatte die deutsche Wirtschaft getroffen. (Archivbild) - Bild: Lee Jin-man/AP/dpa
    Der Iran-Krieg hatte die deutsche Wirtschaft getroffen. (Archivbild) - Bild: Lee Jin-man/AP/dpa
  • Noch mehr schuldenfinanziertes Geld sollte der Staat nach Einschätzung der Experten nicht in die Hand nehmen. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Noch mehr schuldenfinanziertes Geld sollte der Staat nach Einschätzung der Experten nicht in die Hand nehmen. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Das Handwerk warnt davor, dass die strukturellen Probleme gerade für mittelständische Betriebe groß sind. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa
    Das Handwerk warnt davor, dass die strukturellen Probleme gerade für mittelständische Betriebe groß sind. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa
Trotz besserer Wachstumserwartungen blicken führende Ökonomen mit Sorge in die Zukunft. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Die Gemeinschaftsdiagnose wird im Frühjahr und im Herbst von Wirtschaftsforschungsinstituten veröffentlicht. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa Der Iran-Krieg hatte die deutsche Wirtschaft getroffen. (Archivbild) - Bild: Lee Jin-man/AP/dpa Noch mehr schuldenfinanziertes Geld sollte der Staat nach Einschätzung der Experten nicht in die Hand nehmen. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Das Handwerk warnt davor, dass die strukturellen Probleme gerade für mittelständische Betriebe groß sind. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 1,3 Prozent, warnen aber vor einem Aufschwung auf schmalem Fundament.

Prognose deutlich angehoben

In ihrer Gemeinschaftsdiagnose korrigieren die Institute ihre Prognose für 2026 deutlich nach oben: Im Frühjahr hatten sie lediglich mit einem Plus von 0,6 Prozent gerechnet. Für 2027 erwarten sie nun ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,1 Prozent.

Die Gemeinschaftsdiagnose wird vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dem Ifo-Institut, dem Kiel Institut für Weltwirtschaft, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle und dem RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen erstellt.

Exporte und Staatsausgaben stützen

Der befürchtete Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs fiel nach Einschätzung der Experten geringer aus als erwartet. Die Weltwirtschaft entwickele sich robust, sagte der Konjunkturchef des IWH, Oliver Holtemöller.

Davon profitiert vor allem die deutsche Exportwirtschaft. Zusätzlich treiben schuldenfinanzierte Ausgaben der Bundesregierung für Infrastruktur und Verteidigung sowie der Boom rund um Künstliche Intelligenz die Konjunktur an. Niedrigwasser und hohe Energiepreise hätten die Erholung zuletzt zwar gebremst, die Institute sprächen aber nur von einer kurzen Delle.

Schwächerer Ausblick ab 2028

Für 2028 erwarten die Institute nur noch ein Wachstum von 0,4 Prozent. Als Gründe nennen sie unter anderem Kapazitätsgrenzen, ein schrumpfendes Arbeitskräfteangebot, hohe Energiepreise und steigende Sozialversicherungsbeiträge.

Anders als in früheren Aufschwüngen bleiben privater Konsum und Unternehmensinvestitionen hinter der Produktion zurück. Hohe Energiekosten, Fachkräftemangel, Bürokratie und der internationale Wettbewerb belasteten den Standort. Trotz einer besseren Stimmung im Ifo-Geschäftsklimaindex sei die Stimmung schlechter als die Lage.

Institute fordern Reformen

Stefan Kooths vom Kiel Institut für Weltwirtschaft mahnte die Politik zu einem verlässlichen Reformkurs. Häufige Ankündigungen und anschließende Verschiebungen ließen Investoren zögern.

Die Experten schlagen unter anderem eine Begrenzung der Sozialversicherungsbeiträge, stärkere Arbeitsanreize für Ältere, eine schnellere Digitalisierung der Verwaltung und Kürzungen bei Staatsausgaben vor. Bei der Energiewende plädieren sie für stärkere Preissignale und gegen nationale Alleingänge.

Kritik am Tankrabatt

Noch mehr schuldenfinanziertes Geld sollte der Staat nach Einschätzung der Institute derzeit nicht ausgeben. Den geplanten Tankrabatt bewerten sie als Entlastung nach dem Gießkannenprinzip, für die angesichts des steigenden Defizits kein finanzpolitischer Spielraum bestehe.

Auch OECD und BDI haben ihre Erwartungen für die deutsche Wirtschaft zuletzt angehoben. Die OECD rechnet für 2026 mit 1,1 Prozent Wachstum, der BDI mit einem Plus von einem Prozent. Bundeskanzler Friedrich Merz sieht ebenfalls Anzeichen für eine Erholung, betont aber, dass dies Reformen nicht überflüssig mache.

Staatliche Impulse tragen die Erholung

Die angehobene Gemeinschaftsdiagnose markiert eine konjunkturelle Verbesserung nach Jahren mit schwachem oder rückläufigem Wachstum. Entscheidend ist dabei, dass Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben die Nachfrage stützen. Auch die Exportwirtschaft profitiert von einer robusten Weltkonjunktur und der Nachfrage nach technologiebezogenen Gütern.

Der Aufschwung bleibt jedoch abhängig von öffentlichen Ausgaben und damit anfällig für politische Prioritäten, Verzögerungen bei der Umsetzung und steigende Finanzierungskosten. Die Institute sehen den geplanten Tankrabatt deshalb kritisch: Eine breit angelegte Entlastung verteilt Mittel unabhängig von der Bedürftigkeit und bindet zusätzlich budgetären Spielraum.

Strukturelle Probleme bleiben bestehen

Die Prognose für 2028 von nur 0,4 Prozent verdeutlicht, dass kurzfristige Impulse die langfristigen Standortprobleme nicht lösen. Ein schrumpfendes Arbeitskräfteangebot, hohe Energie- und Sozialabgaben, Bürokratie sowie langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren begrenzen die Produktionsmöglichkeiten. Für Unternehmen bedeutet das, dass bessere Absatzchancen allein noch keine verlässliche Investitionsperspektive schaffen.

Für private Haushalte sind die Folgen unmittelbar: Arbeitsmarkt, Beiträge zu den Sozialversicherungen, Energiepreise und öffentliche Investitionen beeinflussen Einkommen, Kosten und regionale Infrastruktur. Ob der Aufschwung dauerhaft trägt, hängt daher weniger vom verbesserten Jahreswert als davon ab, ob Reformen, Investitionen und verlässliche Rahmenbedingungen gleichzeitig umgesetzt werden.

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