Basketball-WM, Frauen-Nationalteam

Deutsche Basketballerinnen greifen bei Heim-WM in Berlin nach historischer Bronze-Medaille

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 05:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die deutschen Basketballerinnen stehen bei der Heim-WM in Berlin überraschend im Spiel um Platz drei gegen Spanien und greifen nach einer historischen WM-Medaille. Der Weg dorthin führte aus kleinen Hallen über EM-Comeback und Olympia-Qualifikation bis ins Halbfinale vor über 10.000 Fans.

  • Die Basketballerinnen bedanken sich nach dem Halbfinale. - Bild: Andreas Gora/dpa
    Die Basketballerinnen bedanken sich nach dem Halbfinale. - Bild: Andreas Gora/dpa
  • Die Arena in Berlin war fast immer voll, wenn Deutschland spielte. - Bild: Andreas Gora/dpa
    Die Arena in Berlin war fast immer voll, wenn Deutschland spielte. - Bild: Andreas Gora/dpa
  • Svenja Brunckhorst war beim EM-Comeback dabei und gewann im 3x3 Olympia-Gold. (Archivbild) - Bild: Virginie Lefour/belga/dpa
    Svenja Brunckhorst war beim EM-Comeback dabei und gewann im 3x3 Olympia-Gold. (Archivbild) - Bild: Virginie Lefour/belga/dpa
  • Lisa Thomaidis leitete als Vorgängerin von Olaf Lange den Aufschwung ein. (Archivbild) - Bild: Heiko Becker/dpa
    Lisa Thomaidis leitete als Vorgängerin von Olaf Lange den Aufschwung ein. (Archivbild) - Bild: Heiko Becker/dpa
  • Heroisch bei der Olympia-Quali: Satou Sabally. (Archivbild) - Bild: Marx Vasconcelos/dpa
    Heroisch bei der Olympia-Quali: Satou Sabally. (Archivbild) - Bild: Marx Vasconcelos/dpa
Die Basketballerinnen bedanken sich nach dem Halbfinale. - Bild: Andreas Gora/dpa Die Arena in Berlin war fast immer voll, wenn Deutschland spielte. - Bild: Andreas Gora/dpa Svenja Brunckhorst war beim EM-Comeback dabei und gewann im 3x3 Olympia-Gold. (Archivbild) - Bild: Virginie Lefour/belga/dpa Lisa Thomaidis leitete als Vorgängerin von Olaf Lange den Aufschwung ein. (Archivbild) - Bild: Heiko Becker/dpa Heroisch bei der Olympia-Quali: Satou Sabally. (Archivbild) - Bild: Marx Vasconcelos/dpa

Die deutschen Basketballerinnen haben sich bei der Heim-WM in Berlin innerhalb weniger Jahre von der Randerscheinung zu einem Medaillenkandidaten entwickelt und stehen nach dem Halbfinal-Aus gegen Frankreich im Spiel um Platz drei gegen Spanien.

Historische Chance auf WM-Bronze

Bronze bei einer Weltmeisterschaft war für das deutsche Frauen-Nationalteam lange unvorstellbar, nun ist diese erste WM-Medaille nur noch eine Partie entfernt. Am heutigen Sonntag trifft die Auswahl um Leonie Fiebich um 16.30 Uhr im Spiel um Platz drei auf Spanien. Zuvor hatten Fiebich und ihre Mitspielerinnen im Halbfinale gegen Frankreich beim 64:86 zu viele Fehler produziert, die den Finaleinzug verhinderten.

Dennoch bleibt die Ausgangslage historisch: Bei einer Heim-WM in der Hauptstadt besitzt das Team die Chance, den Turnierverlauf mit Edelmetall zu krönen. Trotz der klaren 53:83-Niederlage zum WM-Auftakt sieht Bundestrainer Olaf Lange die Mannschaft klar auf Bronze-Kurs und richtet den Fokus vollständig auf die Revanche gegen Spanien.

Von der Schulturnhalle zur ausverkauften Arena

Der aktuelle Höhenflug steht im krassen Gegensatz zur langen Phase der Erfolglosigkeit. Zwischen 2011 und 2023 qualifizierte sich Deutschland für kein einziges großes Turnier, der Frauen-Basketball war international kaum präsent. Spiele fanden damals in kleinen Hallen statt, etwa in der Lindenhalle in Wolfenbüttel, wo die Nationalmannschaft im Jahr 2023 gegen Belgien verlor.

Dass nur wenige Jahre später 12.650 Zuschauerinnen und Zuschauer das WM-Halbfinale in Berlin verfolgten, markiert einen Wandel. In der Arena waren neben den Fans auch prominente Gäste aus dem deutschen Basketball zu sehen, darunter die Ikone Dirk Nowitzki und Herren-Kapitän Dennis Schröder, die den Aufschwung der Frauenmannschaft vor Ort verfolgten.

EM-Comeback in Ljubljana als Auftakt

Die Rückkehr auf die große Bühne gelang im Juni 2023 bei der Europameisterschaft in Ljubljana. Dort erreichte das Team mit unter anderem Svenja Brunckhorst erstmals seit 1997 wieder ein EM-Viertelfinale. Überraschende Siege gegen Slowenien und Großbritannien öffneten die Tür zu diesem Erfolg und beendeten die lange Durststrecke.

Zwar war Spanien beim 42:67 im Viertelfinale noch deutlich überlegen, doch das Turnier wurde zum sportlichen und medialen Wendepunkt. Nur wenige Monate nach den Spielen in Wolfenbüttel erschien die Mannschaft wieder in der abendlichen Nachrichtensendung und rückte damit stärker in die öffentliche Wahrnehmung.

Olympia-Ticket in Belem erkämpft

Ein weiterer Meilenstein folgte im Februar 2024 im brasilianischen Belem, wo die deutsche Auswahl die Qualifikation für die Olympischen Spiele vollendete. Satou Sabally avancierte trotz einer Schulterverletzung zur Heldin, als sie im entscheidenden Spiel 20 Punkte erzielte und damit zur Matchwinnerin wurde.

Verbandspräsident Ingo Weiss sprach damals von einem voll aufgegangenen Plan und zeigte sich äußerst zufrieden mit der Entwicklung. Mit der Olympia-Qualifikation erhielt das Team eine zusätzliche Bühne und sammelte Erfahrung auf höchstem Niveau, die sich nun auch bei der Heim-WM bemerkbar macht.

Heim-WM als vorläufiger Höhepunkt

In Berlin hat die Mannschaft um Bundestrainer Olaf Lange den nächsten Schritt gemacht. Nach dem Einzug ins Halbfinale geht es nun darum, die klare Niederlage gegen Frankreich abzuschütteln und gegen Spanien eine neue Geschichte zu schreiben. Die Partie bietet zugleich die Chance, eine frühere EM-Niederlage gegen dieselbe Mannschaft sportlich zu beantworten.

Unabhängig vom Ausgang des Spiels um Platz drei ist die Heim-WM bereits ein Erfolg. Mehr als 200.000 verkaufte Tickets und fast durchweg gut gefüllte Ränge bei den deutschen Spielen zeigen, dass der Frauen-Basketball auf großes Interesse stößt. Für Lange, der in seiner Heimatstadt Berlin coachen kann, wäre Bronze der krönende Abschluss eines Turniers, das den Stellenwert seiner Mannschaft dauerhaft verändern dürfte.

Sportlicher Meilenstein für den deutschen Frauen-Basketball

Der Weg der deutschen Basketballerinnen von der Bedeutungslosigkeit hin zu einem WM-Halbfinale im eigenen Land markiert einen Wendepunkt für den Frauen-Basketball in Deutschland. Über mehr als ein Jahrzehnt war das Nationalteam bei großen Turnieren nicht vertreten, die Spiele fanden vor wenigen Hundert Zuschauerinnen und Zuschauern in kleinen Hallen statt. Nun ist der Kampf um WM-Bronze in einer ausverkauften Berliner Arena Realität und verdeutlicht, wie stark sich Leistungsniveau, öffentliche Wahrnehmung und Professionalität entwickelt haben.

Struktureller Aufschwung durch Trainerwechsel und internationale Klasse

Eine Schlüsselrolle spielt der Aufbau einer strukturiert arbeitenden Nationalmannschaft mit klarer sportlicher Linie. Der EM-Viertelfinaleinzug 2023 in Ljubljana markierte die Rückkehr auf die Turnierbühne und zeigte, dass das Team mit gezielter Vorbereitung und taktischer Weiterentwicklung europäische Konkurrenz schlagen kann. Der Olympia-Qualifikationserfolg 2024 in Belem mit einer angeschlagenen Satou Sabally als Matchwinnerin steht exemplarisch für das gewachsene Selbstvertrauen und die höhere individuelle Qualität im Kader. Diese Schritte haben den Boden bereitet für den Auftritt bei der Heim-WM, bei der Deutschland trotz Rückschlägen im Turnierverlauf bis ins Halbfinale vorgedrungen ist.

Bedeutung für Nachwuchs, Liga und mediale Präsenz

Die Heim-WM mit mehr als 200.000 verkauften Tickets und prominenter Unterstützung aus dem Männer-Nationalteam hat die Sichtbarkeit des Frauen-Basketballs spürbar erhöht. Volle Arenen und TV-Präsenz schaffen neue Vorbilder und können den Nachwuchs anziehen, zugleich wächst der Druck, die nationale Liga und die Talentförderung weiter zu stärken. Für die Leserinnen und Leser bedeutet der aktuelle Erfolg, dass sich in Deutschland eine neue Top-Nationalmannschaft etabliert, deren Spiele künftig häufiger große Arenen füllen dürften. Unabhängig vom Ausgang des Spiels um Platz drei gegen Spanien hat die Mannschaft bewiesen, dass sie an der erweiterten Weltspitze angekommen ist und mittelfristig um Medaillen bei großen Turnieren mitspielen kann.

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