Deutsche Bahn: Grüne kritisieren Bilgers Sanierungskonzept
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 13:54 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Grünen kritisieren das neue Konzept von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) und der Deutschen Bahn zur Korridorsanierung. Der Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel warnt, das Konzept entlaste vor allem den Bundeshaushalt, mache die Züge auf weiterhin modernisierungsbedürftiger Infrastruktur aber nicht pünktlicher.
Grüne warnen vor längeren Sperrungen
Als Grund für die Verschiebung notwendiger Sanierungen nannte Gastel, dass die Koalition weniger in die Schiene investieren wolle, als dringend erforderlich sei. Das Hinausschieben zahlreicher Generalsanierungen führe vielfach dazu, dass zuvor unaufschiebbare Baumaßnahmen umgesetzt werden müssten.
Dadurch seien mehr und insgesamt längere baubedingte Sperrungen nötig, so Gastel. Die zusätzlichen Belastungen träfen damit nicht nur einzelne Baustellenphasen, sondern könnten sich über mehrere Streckenabschnitte und Zeiträume verteilen.
Fehlende Maßnahmen für mehr Verlässlichkeit
Der Grünen-Politiker bemängelte außerdem, dass in dem Konzept zusätzliche Überleitstellen, Überholgleise und weitere Maßnahmen für mehr Verlässlichkeit und Pünktlichkeit im Bahnverkehr nicht vorgesehen seien. Aus seiner Sicht bleibt damit offen, wie die Betriebsqualität während und nach den Sanierungen verbessert werden soll.
Die Korridorsanierung gehört zum zentralen Ansatz der Deutschen Bahn, stark belastete Streckenabschnitte gebündelt und über längere Zeiträume vollständig zu erneuern. Statt vieler einzelner Baustellen im laufenden Betrieb sollen dabei Gleise, Weichen, Stellwerke, Bahnhöfe und weitere Anlagen in einem zusammenhängenden Bauprogramm bearbeitet werden. Für Reisende bedeutet das zunächst häufig Vollsperrungen und deutlich längere Fahrzeiten.
Die Größenordnung der Aufgabe zeigt sich an der Strecke zwischen Hannover und Berlin. Dort werden unter anderem rund 216 Kilometer Gleise sowie Schwellen, Schotter und 149 Weichen erneuert; die Arbeiten sollen bis Dezember 2027 dauern. Die Deutsche Bahn plant nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren mehr als 40 weitere Streckenabschnitte mit einer Gesamtlänge von über 4.000 Kilometern zu sanieren.
Sanierung und Pünktlichkeit
Der politische Streit dreht sich damit um den Zielkonflikt zwischen kurzfristiger Haushaltsentlastung, langfristigem Erhalt und zusätzlichem Ausbau. Eine Verschiebung von Generalsanierungen kann Investitionen zeitlich strecken, beseitigt aber nicht automatisch die bestehenden Engpässe. Werden notwendige Arbeiten lediglich vorgezogen oder auf kleinere Bauabschnitte verteilt, können Sperrungen häufiger und insgesamt länger ausfallen.
Für Fahrgäste hängt der Nutzen des Konzepts deshalb nicht allein vom Umfang der Bauarbeiten ab. Entscheidend ist, ob neben dem Ersatz verschlissener Infrastruktur auch Maßnahmen für mehr Kapazität und Betriebsstabilität umgesetzt werden. Dazu zählen etwa zusätzliche Überleitstellen und Überholgleise, die bei Störungen und im Baustellenbetrieb mehr Ausweichmöglichkeiten schaffen könnten.

