Destatis Mikrozensus 2025: Familienanteil liegt bei 49 Prozent
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 11:17 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSKnapp die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland lebt in einer Familie. Der Anteil hat sich nach längerem Rückgang ab Mitte der 2010er-Jahre stabilisiert und liegt laut Statistischem Bundesamt aktuell mit 49 Prozent bei einem ähnlichen Wert wie 2015 mit 48 Prozent.
Rückgang seit den 1990er-Jahren
1996 hatten noch 57 Prozent der Bevölkerung als Elternteil oder Kind in einer Familie gelebt. Im längerfristigen Vergleich ist der Anteil der Alleinstehenden gestiegen: von 17 Prozent im Jahr 1996 auf 23 Prozent im Jahr 2025. Auch Partnerschaften ohne Kinder im Haushalt haben zugenommen, wenn auch weniger deutlich, von 26 Prozent auf 28 Prozent im selben Zeitraum.
Einfluss von Alterung und Zuwanderung
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der jahrelange Rückgang des Familienanteils vor allem auf die Alterung der geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge zurückzuführen. Viele Angehörige der Babyboomer-Generation haben die typische Familienphase mit Kindern im Haushalt hinter sich gelassen. Seit 2015 wirkt die Zuwanderung dem Rückgang entgegen, weil Eingewanderte und ihre Nachkommen jünger sind und häufiger in Familien leben.
Familien mit und ohne Einwanderungsgeschichte
Im Jahr 2025 lebten 60 Prozent der Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Familien, in der Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte waren es 43 Prozent. Nur 19 Prozent der Personen mit Einwanderungsgeschichte lebten als Paar ohne Kind zusammen, bei Personen ohne Einwanderungsgeschichte lag der Anteil mit 32 Prozent deutlich höher. Der Anteil der Alleinstehenden war bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte mit 21 Prozent geringer als bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte mit 25 Prozent.
Veränderte Familienformen
Parallel zum rückläufigen Familienanteil hat sich die Struktur der Familien gewandelt. Der Anteil der Ehepaare mit Kindern sank von 78 Prozent im Jahr 1996 auf 66 Prozent im Jahr 2025. Nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern und Alleinerziehende wurden häufiger: Der Anteil Alleinerziehender stieg von 18 Prozent auf 24 Prozent, der Anteil der Lebensgemeinschaften mit Kindern von vier Prozent auf zehn Prozent. Hintergrund ist ein gesellschaftlicher Wandel, insbesondere in Westdeutschland, wo nicht-eheliche Familienformen zunehmend akzeptiert wurden, während sie in Ostdeutschland bereits früher verbreitet waren.
Konstante Kinderzahlen in Familien
Die Zahl der Kinder, die mit ihren Eltern in einer Familie leben, ist über die Jahre bemerkenswert konstant. 2025 lebten 50 Prozent der Familien mit einem Kind im Haushalt, in 37 Prozent der Familien mit zwei Kindern und in 13 Prozent mit drei und mehr Kindern. 1996 zeigte sich ein ähnliches Bild, mit 51 Prozent der Familien mit einem Kind, 37 Prozent mit zwei Kindern und zwölf Prozent mit drei oder mehr Kindern. Berücksichtigt wurden jeweils nur Kinder, die im elterlichen Haushalt lebten.
Kinderreiche Familien und Einwanderungsgeschichte
Familien mit Einwanderungsgeschichte sind häufiger kinderreich. In 21 Prozent dieser Familien lebten drei oder mehr Kinder, während dies in Familien ohne Einwanderungsgeschichte nur auf 10 Prozent zutraf. Der Anteil der Familien mit einem Kind ist bei Familien mit Einwanderungsgeschichte mit 43 Prozent deutlich niedriger als bei Familien ohne Einwanderungsgeschichte mit 54 Prozent.
Zunehmende Vielfalt der Herkunft
Vor allem die Zuwanderung seit 2015 hat dazu geführt, dass der Anteil der Familien mit Einwanderungsgeschichte deutlich gestiegen ist. Hatten 2005 noch 17 Prozent der Familien eine Einwanderungsgeschichte, so erhöhte sich ihr Anteil bis 2025 auf 31 Prozent. Der Zuwachs betrifft sowohl Familien, in denen alle Elternteile eingewandert sind, als auch solche, in denen die Elternteile Nachkommen oder eine Kombination aus Nachkommen und Eingewanderten sind.
Rückgang der Familien ohne Einwanderungsgeschichte
Der Anteil der Familien mit einseitiger Einwanderungsgeschichte ist ebenfalls gestiegen, wenn auch moderater: von sechs Prozent im Jahr 2005 auf neun Prozent im Jahr 2025. Deutlich zurückgegangen ist dagegen der Anteil der Familien ohne Einwanderungsgeschichte. Ihr Anteil sank von 77 Prozent im Jahr 2005 auf 61 Prozent im Jahr 2025.
Die neuen Ergebnisse des Mikrozensus 2025 zeigen, dass sich der Anteil der Bevölkerung, die in Familien lebt, nach einem deutlichen Rückgang seit Mitte der 1990er-Jahre auf einem Niveau von rund der Hälfte stabilisiert hat. Damit setzt sich ein Trend fort, bei dem weniger Menschen in klassischen Familienkonstellationen leben, während Einzelhaushalte und kinderlose Partnerschaften zunehmen.
Demografische Verschiebungen und Zuwanderung
Eine zentrale Rolle spielt die Alterung der geburtenstarken Jahrgänge nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Babyboomer haben die Phase mit im Haushalt lebenden Kindern weitgehend hinter sich gelassen und treten statistisch zunehmend als Paare ohne Kinder oder Alleinstehende in Erscheinung. Gleichzeitig wirkt die anhaltende Zuwanderung seit 2015 dieser Entwicklung teilweise entgegen, weil Eingewanderte und ihre Nachkommen jünger sind und häufiger in Familien mit Kindern leben. Dies erklärt sowohl den stabilisierten Familienanteil als auch den starken Zuwachs von Familien mit Einwanderungsgeschichte.
Wandel der Familienformen
Die Daten verdeutlichen zudem einen strukturellen Wandel innerhalb der Familienformen. Ehepaare mit Kindern verlieren an Gewicht, während Alleinerziehende und nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern deutlich häufiger geworden sind. Dieser Wandel spiegelt gesellschaftliche Veränderungen wider, etwa eine breitere Akzeptanz unterschiedlicher Lebens- und Familienmodelle sowie veränderte Partnerschafts- und Erwerbsbiografien, besonders in Westdeutschland.
Bedeutung für Politik und Gesellschaft
Für Familienpolitik, Sozialplanung und Bildungssystem sind diese Entwicklungen bedeutsam. Eine stabile Zahl von Kindern je Familie bei gleichzeitig wachsendem Anteil kinderreicher Familien mit Einwanderungsgeschichte weist darauf hin, dass Unterstützungsangebote stärker auf vielfältige Familienkonstellationen und unterschiedliche kulturelle Hintergründe ausgerichtet werden müssen. Zugleich stellt der Rückgang der Familien ohne Einwanderungsgeschichte Sozialstaat und Integrationspolitik vor die Aufgabe, Angebote so zu gestalten, dass sie der wachsenden Vielfalt gerecht werden und den sozialen Zusammenhalt stärken.
