Derry Scherhant überzeugt: Klopps Stürmer warten weiter auf ihr erstes Tor
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 11:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDerry Scherhant hat bei seinem zweiten Länderspiel die Hoffnungen auf eine neue Offensivkraft der deutschen Nationalmannschaft verstärkt, das 0:0 in Griechenland aber nicht verhindern können.
Scherhant nutzt seine Chance
Der 23 Jahre alte Berliner, der beim SC Freiburg den Durchbruch fand, setzte sich im Toumba-Stadion mit Tempo und mutigen Dribblings in Szene. Rudi Völler hatte ihm vor der Partie geraten, Gas zu geben und sich nicht zu verstecken.
Scherhant bereitete in Thessaloniki einen Treffer von Jonathan Burkardt vor. Das Tor wurde wegen eines Handspiels in der Entstehung nach Eingriff des Videoassistenten zurückgenommen. Auch mit eigenen Abschlüssen beschäftigte der Freiburger die griechische Abwehr.
Stürmer warten weiter auf den Durchbruch
Die deutsche Offensive bleibt unter Bundestrainer Jürgen Klopp dennoch ohne Tor eines Stürmers. In den ersten vier Spielen setzte Klopp zehn Akteure in der offensiven Dreierreihe ein, doch die drei deutschen Treffer erzielten Felix Nmecha, Tom Bischof und Florian Wirtz aus dem Mittelfeld.
Klopp wollte die Kritik an seinen Angreifern nicht verschärfen. Alle Stürmer hätten ihre Aufgaben auf ihre Weise sehr ordentlich erledigt, sagte der Bundestrainer. Kai Havertz verletzte sich gegen die Niederlande früh; Younes Ebnoutalib habe ihn mit vielen Dingen positiv überrascht, während Nick Woltemade gut zum gewünschten Spiel passe.
Undav vorerst nicht dabei
Deniz Undav, der bei der Weltmeisterschaft als Joker drei Tore erzielt hatte, fehlt im aktuellen Aufgebot. Nach Darstellung der dpa passt der 30-Jährige nicht in Klopps 4-3-3-System, das auf schnelle Flügelspieler wie Karim Adeyemi und Scherhant ausgerichtet ist.
Andere Außenstürmer wie Serge Gnabry, Lennart Karl, Kevin Schade und Said El Mala konnten sich bislang weniger empfehlen. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bezeichnete Scherhant nach dessen Auftritt als Kandidaten für den kleineren Kader im November.
Vom Berliner Ersatzspieler zum Nationalspieler
Scherhant spielte in der Jugend bei Viktoria Berlin und Tennis Borussia Berlin häufig nur eine Nebenrolle. Der Wechsel zu Hertha BSC wurde auch durch die Verlängerung des Transferfensters während der Corona-Pandemie möglich.
Nun erlebt der Angreifer eine unerwartete Länderspielkarriere. Seine Nationaltrikots wolle er einrahmen, kündigte Scherhant an.
Klopp setzt auf Tempo und Breite
Jürgen Klopps erster Länderspielabschnitt verbindet ein klares taktisches Muster mit einer offenen Personalfrage. Das 4-3-3 soll über schnelle Außenspieler und direkte Eins-gegen-eins-Situationen Druck erzeugen. Derry Scherhant verkörpert diesen Ansatz besonders deutlich: Er sucht Dribblings, zieht mit Tempo in den Strafraum und war in Thessaloniki an der zurückgenommenen Führung beteiligt.
Die fehlende Torproduktion der Angreifer ist zugleich ein strukturelles Problem. In vier Spielen unter Klopp traf kein eingesetzter Stürmer, während die bisherigen drei Tore aus dem Mittelfeld kamen. Gegen Griechenland erschwerte zudem ein tiefer Abwehrblock die Räume vor dem Tor; Deutschland hatte zwar vor der Pause die besseren Offensivmomente, brachte den Vorteil aber nicht auf die Anzeigetafel.
November wird zum nächsten Prüfstein
Für die Nationalmannschaft hat das 0:0 konkrete Folgen: Deutschland bleibt in der Nations-League-Gruppe mit fünf Punkten Dritter. Die nächsten Partien gegen Serbien und die Niederlande am 13. und 16. November werden deshalb nicht nur zur Bewährungsprobe für Klopps Spielidee, sondern auch für die Besetzung der vordersten Reihe.
Für Scherhant verbessert sich die Ausgangslage unabhängig von der Torflaute. Sein Auftritt liefert dem Trainer eine zusätzliche Option für die Außenbahn und verschärft den Wettbewerb um die Plätze im kleineren November-Kader. Gleichzeitig bleibt offen, welcher zentrale Angreifer die intensive Vorarbeit künftig regelmäßig in Tore umwandelt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS online: „DFB-Team in Einzelkritik: Bei den Noten kommen nur Klopps Stürmer nicht gut weg“ (05.10.2026)
Der Bericht ordne das 0:0 als Folge fehlender Konsequenz im Angriff ein und bewerte Derry Scherhant trotz einzelner Schwächen mit der Note zwei. Burkardt und Woltemade erhielten demnach jeweils die Note vier; damit bestätige der Artikel die unterschiedliche Bewertung von Flügelspielern und zentralen Stürmern, die offene Torfrage bleibe bestehen.
BR24: „Hitziger Fight in Griechenland: Energische DFB-Elf verpasst Sieg“ (05.10.2026)
Der Bericht hebe neben dem torlosen Ergebnis die aberkannte Führung nach Scherhants Vorlage und Deutschlands Überlegenheit bei den Torschüssen vor der Pause hervor. Anders als der Einzelkritik-Beitrag rücke er stärker den Spielverlauf und die defensive Leistung Griechenlands in den Mittelpunkt; zugleich bestätige er die Rangposition Deutschlands und die anstehenden November-Spiele.
Beide Beiträge stellten das 0:0 als verpasste deutsche Chance dar und sähen Scherhant als auffällige Offensivfigur. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung: Der eine Bericht bewerte individuelle Leistungen, der andere ordne Partie, Tabellenlage und taktischen Verlauf ein.
