MAD-Bericht 2025: Mehr Sabotage, Spionage und Rechtsextremismus in der Bundeswehr
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Militärische Abschirmdienst sieht Deutschland als priorisiertes Ziel russischer Spionageaktivitäten und warnt vor einer deutlich verschärften hybriden Bedrohungslage.
Deutschland im Fokus fremder Geheimdienste
Nach dem Jahresbericht 2025 des MAD ist die Bundesrepublik aufgrund ihrer geostrategischen Lage in Europa, ihrer Rolle in der Nato, des Aufwuchses der Bundeswehr und der Einführung neuer Waffensysteme besonders in den Blick russischer Nachrichtendienste geraten. Der Dienst beschreibt, dass hybride Angriffe zunehmen, also das Zusammenspiel militärischer, wirtschaftlicher, geheimdienstlicher und propagandistischer Mittel, das andere Staaten destabilisieren soll. Dazu zählen Cyberattacken, Drohnenangriffe, Versuche der politischen Einflussnahme und Störaktionen gegen Verkehr, Energieversorgung und Telekommunikation.
Mehr Sabotage durch angeworbene Auftragsagenten
Der MAD stellt fest, dass das Bedrohungspotenzial durch Sabotage erheblich zugenommen hat, insbesondere durch angeworbene Auftragsagenten, die der Dienst als „Low-Level-Agents“ bezeichnet. Konkrete Vergleichszahlen lässt der Bericht aus, um potenziellen Gegnern keine Rückschlüsse zu ermöglichen. Als zentrales Instrument russischer Informationsbeschaffung im Ausland nennt der MAD sogenannte Legalresidenturen, also getarnte Stützpunkte russischer Nachrichtendienste in Botschaften oder halbstaatlichen Vertretungen. Genannt werden in diesem Zusammenhang auch Presseagenturen.
Reisen von Soldaten nach Russland und Belarus
Mit Sorge bewertet der MAD Reisen von Bundeswehrangehörigen nach Russland und Belarus. Nach seinen Feststellungen sind trotz angespannter Sicherheitslage zahlreiche Soldatinnen und Soldaten in die beiden Länder gereist und dabei in den Fokus russischer und belarussischer Nachrichtendienste geraten. Häufig bestehen familiäre Beziehungen in diese Staaten. Aus diesen Reisen ergeben sich nach Einschätzung des Dienstes besondere Gefährdungen durch mögliche Erpressungen und Bedrohungen durch dortige Sicherheitsbehörden.
Spionageaktivitäten aus China
Der Bericht verzeichnet auch Aktivitäten chinesischer Nachrichtendienste in Deutschland. Der MAD geht davon aus, dass zumindest ein Teil der Ausspähungen militärischer Infrastruktur, darunter Drohnenüberflüge und das Eindringen in Liegenschaften der Bundeswehr, auf chinesische Dienste zurückzuführen ist. Nach seinen Angaben setzen diese auch Teile der chinesischen Diaspora ein, um Informationen zu gewinnen.
Anstieg von Extremismus-Verdachtsfällen
Parallel zur äußeren Bedrohung meldet der MAD eine zunehmende Zahl von Verdachtsfällen wegen Extremismus in der Bundeswehr. Für das Jahr 2025 verzeichnet der Dienst 610 Neuaufnahmen von Fallbearbeitungen, nach 524 im Jahr 2024. Vor allem Hinweise auf Rechtsextremismus nehmen zu: 519 Fallbearbeitungen wurden 2025 in diesem Bereich neu eröffnet, 2024 waren es 413, was einem Anstieg um rund 26 Prozent entspricht.
Rechtsextremismus in der Truppe und neue Jugendgruppen
Als Rechtsextremisten erkannte der MAD im Jahr 2025 elf Personen, ebenso viele wie im Vorjahr. Für 21 weitere Angehörige der Bundeswehr lagen vorhaltbare Erkenntnisse vor, die den Verdacht mangelnder Verfassungstreue begründen, nach 26 im Jahr 2024. Der Bericht verweist auf Fälle von sexualisiertem Fehlverhalten, Drogen und Extremismus bei Fallschirmjägern in Zweibrücken, die wiederholt für Schlagzeilen sorgten und einen signifikanten Einfluss auf die gestiegene Zahl der Neuaufnahmen hatten.
Normalisierung extremer Positionen
Darüber hinaus stellt der MAD eine anhaltende Entgrenzung des Rechtsextremismus fest. Nach seiner Einschätzung werden Positionen der extremen Rechten zunehmend normalisiert, die Grenze des Sagbaren verschiebe sich sukzessive. Seit Mitte 2024 beobachtet der Dienst neue rechtsextremistische Jugendgruppierungen, die sich über soziale Medien im virtuellen Raum etablieren. Im Bericht genannt werden „Jung & Stark“, „Deutsche Jugend Voran“ und „Der Störtrupp“.
Digitale Szene und gewaltsame Aktionen
Laut MAD bestehen Bezüge von Angehörigen des Geschäftsbereichs zu diesen Gruppierungen. Die Jugendgruppen treten wiederholt bei rechtsextremistischen Störungen öffentlicher Veranstaltungen zum Christopher Street Day sowie bei Angriffen auf politische Gegner in Erscheinung. Zu ihrem Aktionsrepertoire zählen außerdem Verfolgungen vermeintlich pädophiler Personen, sogenanntes „Pedo-Hunting“.
Ausbau des MAD und Präsenz in Litauen
Zum Stichtag 1. Dezember 2025 verfügte der Militärische Abschirmdienst über rund 1600 Bedienstete. Im Inland werden Vorbereitungen für zusätzliche MAD-Stellen über die bisher acht Dienststellen hinaus getroffen. Zudem schloss der Dienst im vergangenen Jahr die Planungen für eine permanente MAD-Stelle in Litauen ab, wo die Bundesregierung eine gefechtsbereite Panzerbrigade zum Schutz der Nato-Ostflanke stationieren will.
Spionage und hybride Bedrohungen im sicherheitspolitischen Kontext
Die Warnungen des Militärischen Abschirmdienstes fügen sich in eine Entwicklung ein, in der Deutschland stärker in den Fokus fremder Nachrichtendienste rückt. Die geostrategische Lage in Europa, die Rolle in der Nato und die Aufrüstung der Bundeswehr machen militärische Infrastruktur und Kommunikationswege zu attraktiven Zielen für Spionage und Sabotage. Hybride Angriffe verbinden digitale Attacken, klassische Geheimdienstmethoden und Einflussoperationen gegen Gesellschaft und Politik. Für die Bundeswehr bedeutet dies, dass nicht nur Gefechtsbereitschaft, sondern auch die Sicherheit im Alltag, etwa bei Reisen oder der Nutzung sozialer Medien, strategische Bedeutung gewinnt.
Innere Sicherheit der Bundeswehr und Rechtsextremismus
Die steigende Zahl von Verdachtsfällen wegen Extremismus in der Truppe zeigt, dass innere Sicherheit zu einer dauerhaften Schlüsselaufgabe geworden ist. Wenn sich rechtsextreme Jugendgruppierungen vor allem im digitalen Raum formieren und dort Anschluss an Angehörige des Geschäftsbereichs finden, verschwimmen die Grenzen zwischen privatem Umfeld und dienstlicher Rolle. Die genannten Gruppen treten nicht nur online, sondern auch bei Störaktionen gegen öffentliche Veranstaltungen und Angriffen auf politische Gegner in Erscheinung. Für die Bundeswehr steht damit nicht nur ihre Einsatzfähigkeit, sondern auch ihre Verankerung in der freiheitlich-demokratischen Ordnung auf dem Prüfstand.
Folgen für Soldaten, Institutionen und Gesellschaft
Besondere Bedeutung haben die Hinweise auf Reisen von Soldatinnen und Soldaten nach Russland und Belarus, weil hier persönliche Kontakte auf ein erhöhtes Erpressungsrisiko treffen. Damit wächst der Druck auf Präventionsarbeit, Sicherheitsunterweisungen und eine klare Sensibilisierung im Alltag der Truppe. Zugleich zeigen die Planungen für zusätzliche Dienststellen des MAD im Inland und eine permanente Präsenz in Litauen, dass der Nachrichtendienst seine Strukturen an die verschärfte Lage anpasst. Für die Gesellschaft wird damit sichtbarer, dass äußere Bedrohungen, digitale Angriffe und innere Konflikte in der Bundeswehr Teil eines zusammenhängenden sicherheitspolitischen Bildes sind, das Politik und Streitkräfte langfristig beschäftigt.
