Tabaksteuer, Zigarettenpreise

Tabaksteuer steigt: Zigaretten kosten 2030 bis zu 11,78 Euro

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 14:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Bundesrat hat die Reform der Tabaksteuer gebilligt. Neben Zigaretten werden auch Feinschnitt, Shisha-Tabak und Liquids für E-Zigaretten teurer; der Bund rechnet mit rund 12 Milliarden Euro Mehreinnahmen bis 2030.

Tabakprodukte werden bis 2030 teurer

  • Der Bundesrat billigte am Freitag die Reform der Tabaksteuer für die Jahre 2027 bis 2030.
  • Eine durchschnittliche 20er-Packung soll 2027 9,10 Euro und 2030 11,78 Euro kosten.
  • Der Bund erwartet binnen vier Jahren rund 12 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen.
  • Das Rauchen - für die einen ist das fester Bestandteil des Alltags, für die anderen ein krebserregendes Risiko. (Archivbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Der SPD-Politiker Ingo Vogel hält die Tabaksteuer-Reform für angemessen. (Archivbild) - Bild: Katharina Kausche/dpa
Das Rauchen - für die einen ist das fester Bestandteil des Alltags, für die anderen ein krebserregendes Risiko. (Archivbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Der SPD-Politiker Ingo Vogel hält die Tabaksteuer-Reform für angemessen. (Archivbild) - Bild: Katharina Kausche/dpa

Bundesrat macht höhere Tabaksteuer endgültig

Raucher müssen in den kommenden Jahren deutlich mehr für Zigaretten und andere Tabakprodukte bezahlen. Nach dem Bundestag billigte am Freitag auch der Bundesrat die Reform der Tabaksteuer, die von 2027 bis 2030 höhere Steuersätze vorsieht.

Packungspreis steigt stufenweise

Die höheren Steuern werden an die Kunden weitergereicht. Kostet eine 20er-Packung derzeit im Schnitt 8,05 Euro, sollen es nach einer Prognose des Bundesfinanzministeriums 2027 9,10 Euro, 2028 9,91 Euro, 2029 10,81 Euro und 2030 11,78 Euro sein. Nach Branchenschätzung könnten Markenzigaretten bis zu 14 Euro kosten.

Teurer werden außerdem Feinschnitt zum Selbstdrehen, Zigarren, Zigarillos, Shisha-Tabak und Flüssigkeiten für E-Zigaretten.

Bund erwartet Milliarden für den Haushalt

Der Bund rechnet mit rund 12 Milliarden Euro zusätzlichen Tabaksteuereinnahmen innerhalb von vier Jahren. Für 2027 sind 1,5 Milliarden Euro mehr vorgesehen, 2030 sollen es 4,5 Milliarden Euro sein. Im vergangenen Jahr nahm der Bund 17,6 Milliarden Euro Tabaksteuer ein.

Branche warnt vor illegalem Handel

Der Branchenverband BVTE bezweifelt die Einnahmeprognosen und warnt davor, dass Raucher auf den Schwarzmarkt oder auf Zigaretten aus dem EU-Ausland ausweichen könnten. Jan Mücke bezeichnete die Pläne als «Luftschlösser» und als Konjunkturprogramm für die organisierte Kriminalität.

Der CDU-Abgeordnete Carsten Brodesser hatte für moderate Steuererhöhungen geworben, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Die Gesetzesnovelle passierte am späten Donnerstagabend mit den Stimmen von Union und SPD den Bundestag; zwei Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion stimmten dagegen.

Koalition verteidigt gesundheitspolitischen Effekt

Der SPD-Abgeordnete Ingo Vogel nannte die Reform einen tragfähigen Kompromiss. Sie solle neben der Haushaltskonsolidierung Preissignale für den Gesundheitsschutz setzen und den Einstieg in den Nikotinkonsum weniger attraktiv machen.

Warnungen des Zolls und der Zollgewerkschaft vor einer Verlagerung in illegale Kanäle nehme man sehr ernst, sagte Vogel. Der Grüne Sascha Müller forderte mehr Mittel für den Zoll. Grüne, AfD und Linke stimmten gegen die Gesetzesnovelle.

Kritik an sozialer Belastung

Die Linken-Abgeordnete Doris Achelwilm kritisierte eine überproportionale Belastung ärmerer Menschen. Gesundheitsprogramme und positive Anreize zur Verhaltensänderung müssten die Preissteigerungen begleiten.

Gesundheitsexperten bewerteten die Reform verhalten positiv. Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum sagte, höhere Preise seien ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht ambitioniert genug; Feinschnitt und zigarettenähnliche Zigarillos seien weiterhin zu günstig.

19 Prozent der Über-15-Jährigen rauchen

Nach dem Mikrozensus 2025 rauchen 19 Prozent der Menschen ab 15 Jahren in Deutschland. Davon rauchen 14 Prozent regelmäßig und 5 Prozent gelegentlich.

Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums starben 2023 rund 131.000 Menschen in Deutschland an den Folgen tabakbedingter Erkrankungen.

Die beschlossene Reform verbindet zwei Ziele: Der Staat will zusätzliche Einnahmen erzielen, zugleich sollen höhere Preise den Tabakkonsum unattraktiver machen. Für den Bundeshaushalt kalkuliert das Finanzministerium mit rund 12 Milliarden Euro Mehreinnahmen zwischen 2027 und 2030. Diese Rechnung setzt voraus, dass der legale Verkauf trotz höherer Preise ausreichend stabil bleibt.

Für Verbraucher bedeutet die Reform eine schrittweise, aber deutliche Verteuerung. Neben klassischen Zigaretten werden auch Feinschnitt, Zigarren, Zigarillos, Shisha-Tabak und Liquids stärker belastet. Besonders relevant ist die Preisentwicklung für Menschen mit regelmäßigem Konsum: Aus kleinen Aufschlägen pro Packung können sich über ein Jahr mehrere hundert Euro Mehrkosten ergeben.

Gesundheitsschutz und Schwarzmarkt

Höhere Tabakpreise gelten gesundheitspolitisch als wirksames Mittel, um den Einstieg zu erschweren und den Ausstieg zu fördern. Die Wirkung hängt jedoch davon ab, ob Konsumenten tatsächlich weniger kaufen oder auf günstigere Produkte, Einkäufe im Ausland und illegale Angebote ausweichen.

Damit gewinnt die Kontrolle des Marktes an Bedeutung. Zoll und Polizei müssen den illegalen Handel eindämmen, während Präventions- und Unterstützungsangebote denjenigen helfen können, die ihren Konsum reduzieren oder beenden wollen. Die Reform dürfte deshalb nicht nur an den zusätzlichen Steuereinnahmen, sondern auch an ihrer Wirkung auf Konsum, legale Händler und Schwarzmarktstrukturen gemessen werden.

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