Gesamtmetall, Attestpflicht

Gesamtmetall greift SPD in Streit um Attestpflicht und Karenztage an

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall attackiert SPD-Chefin Bärbel Bas in der Auseinandersetzung um eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag und fordert im Gegenzug Karenztage. Hintergrund ist ein Konflikt über arbeitsrechtliche Regeln und den Umgang mit hohen Krankenständen in Deutschland.

Gesamtmetall kritisiert SPD in Debatte um Attestpflicht
Arztpraxis für Allgemeinmedizin (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat SPD-Chefin Bärbel Bas in der Debatte über eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag scharf kritisiert. Hauptgeschäftsführer Oliver Zander wirft der SPD vor, von einer zuvor mitgetragenen Linie abzurücken und fordert im Gegenzug die Einführung von Karenztagen.

Vorwürfe an die SPD und Rolle der Union

Zander erinnert daran, dass die SPD im Koalitionsausschuss Anfang Juli Karenztage abgelehnt und stattdessen die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag befürwortet habe. Als es später um die Verteidigung dieses Kompromisses gegangen sei, habe die SPD nach seiner Darstellung die Union im Stich gelassen. Die Union solle sich „nicht veräppeln lassen“, sagte der Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer und knüpfte die Abkehr von der Attestpflicht an die Forderung nach Karenztagen.

Hinweise auf hohe Krankenstände und Kosten

Der Verband verweist in der Debatte auf einen aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand in Deutschland. Arbeitnehmer hätten 2025 durchschnittlich 19 Krankheitstage aufgewiesen. Allein für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hätten die Unternehmen in Deutschland im selben Jahr demnach fast 86 Milliarden Euro gezahlt. Ziel müsse es sein, den Krankenstand insgesamt zu senken, betonte Zander.

Debatte um telefonische Krankschreibung

In diesem Zusammenhang positioniert sich Gesamtmetall auch gegen die telefonische Krankschreibung. Diese sollte nach Ansicht des Verbands wie geplant abgeschafft werden. Zander argumentiert, es helfe den Beschäftigten, wenn sie einen Arzt persönlich aufsuchen, um das Verschleppen von Krankheiten zu vermeiden. Persönliche Arztkontakte seien aus seiner Sicht ein Beitrag dazu, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und besser zu behandeln.

SPD-Chefin stellt Koalitionskompromiss infrage

SPD-Chefin Bärbel Bas hatte die Koalitionseinigung über die Einführung einer Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag am Wochenende infrage gestellt. Damit löste sie eine neue Runde in der ohnehin kontroversen Diskussion um krankheitsbedingte Fehlzeiten, Nachweispflichten und mögliche Karenztage aus. Die Wortmeldung von Gesamtmetall macht deutlich, dass Arbeitgeberseite und SPD in dieser Frage derzeit weit auseinanderliegen.

Die Kritik des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall an der SPD reiht sich in eine länger laufende Auseinandersetzung um die Ausgestaltung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und die Anforderungen an Krankschreibungen ein. Im Kern geht es um die Frage, wie Fehlzeiten reduziert und zugleich die Rechte von Beschäftigten gewahrt werden können. Der Verband verweist auf hohe Krankenstände und die Kosten der Lohnfortzahlung, während Arbeitnehmervertreter traditionell vor einer Verschlechterung des Schutzes für Beschäftigte warnen.

Politische Linien und Konfliktpunkte

Die Debatte um eine Attestpflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag berührt zentrale Konfliktlinien zwischen Parteien und Interessengruppen. Arbeitgeberorganisationen sehen in strengeren Nachweispflichten und möglichen Karenztagen Instrumente, um Missbrauch vorzubeugen und Fehlzeiten zu senken. Parteien mit starkem arbeits- und sozialpolitischem Profil, wie die SPD, müssen dagegen den Spagat zwischen Koalitionskompromissen und der Erwartung ihrer Stammwählerschaft schaffen, die häufig eine stabile Lohnfortzahlung ohne zusätzliche Hürden erwartet. Wenn Vereinbarungen im Koalitionsausschuss im Nachhinein infrage gestellt werden, verschärft dies die Vertrauensfragen zwischen den beteiligten Akteuren.

Bedeutung für Beschäftigte und Unternehmen

Für die Leser ist die Diskussion deshalb relevant, weil Änderungen bei Attestpflicht, telefonischer Krankschreibung oder möglichen Karenztagen unmittelbare Folgen im Arbeitsalltag hätten. Eine Pflicht zum Attest ab dem ersten Tag erhöht den organisatorischen Aufwand für Beschäftigte und Praxen, könnte aber aus Sicht der Unternehmen mehr Kontrolle über Krankmeldungen bringen. Die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung würde persönliche Arztkontakte stärken, gleichzeitig aber den Aufwand für Beschäftigte erhöhen, insbesondere bei leichten, kurzzeitigen Erkrankungen. Die Forderung nach Karenztagen wiederum würde bedeuten, dass Arbeitnehmer bei kurzfristigen Erkrankungen zumindest zeitweise ohne Lohnfortzahlung bleiben, was sozialpolitisch besonders umstritten ist.

Ausblick auf die weitere Debatte

Ob sich die Koalition auf eine konsistente Linie einigen kann, wird für die kommenden arbeitsrechtlichen Reformen entscheidend sein. Arbeitgeberverbände dürften ihren Druck auf Änderungen im Krankheits- und Entgeltsystem aufrechterhalten, während insbesondere die SPD zwischen Koalitionsdisziplin und sozialpolitischem Profil vermitteln muss. Für Unternehmen bleibt die Frage des Krankenstandes ein zentraler Kostenfaktor, für Beschäftigte steht der Schutz vor finanziellen Einbußen bei Krankheit im Vordergrund. Die aktuelle Kritik von Gesamtmetall zeigt, dass der Konflikt um Attestpflicht und Karenztage noch nicht beigelegt ist und weitere politische Entscheidungen folgen dürften.

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