Schülerzahlen, Bildungspolitik

Demografische Prognose: Schülerzahlen in Deutschland sollen ab 2029 deutlich sinken

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 15:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Kultusministerkonferenz erwartet bis 2040 einen deutlichen Rückgang der Schülerzahlen in Deutschland, mit einem frühzeitig erreichten Höchststand im Jahr 2029. Besonders ostdeutsche Flächenländer stehen vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen im Schulbereich.

Nach jahrelangem Anstieg geht die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Deutschland ab 2029 zurück. (Symbolbild) - Bild: Peter Gercke/dpa
Nach jahrelangem Anstieg geht die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Deutschland ab 2029 zurück. (Symbolbild) - Bild: Peter Gercke/dpa

Deutschland steht nach einer neuen Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK) vor einem deutlichen Rückgang der Schülerzahlen in den 2030er-Jahren.

Schülerhoch bis 2029, danach Rückgang

Nach Berechnungen der Bundesländer wird die Zahl der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen zunächst weiter steigen und 2029 ihren Höchststand erreichen. Für dieses Jahr rechnen die Bildungsministerien mit rund 11,54 Millionen Schülerinnen und Schülern, ausgehend von etwa 11,27 Millionen im Jahr 2025.

Von diesem Höchststand an wird ein kontinuierlicher Rückgang erwartet. Für das Jahr 2040 gehen die Modellrechnungen von etwa 10,58 Millionen Schülerinnen und Schülern aus. Das wären rund 694.000 weniger als im Jahr 2025.

Demografie als treibender Faktor

Als Hauptgrund für die verschobene Entwicklung nennen die Länder die seit 2021 deutlich sinkenden Geburtenzahlen. Dadurch fällt der erwartete Scheitelpunkt der Schülerzahlen drei Jahre früher aus als in vorherigen Prognosen angenommen. Zuvor war der Höchststand erst Anfang der 2030er-Jahre erwartet worden.

Zum Größenvergleich verweist die KMK darauf, dass Deutschland nach Daten des Statistischen Bundesamts zuletzt rund 830.000 Schulanfänger pro Jahr hatte. Die neue Prognose der Länder zeigt jedoch, dass diese Jahrgangsstärken im kommenden Jahrzehnt zurückgehen dürften.

Regionale Unterschiede bei der Entwicklung

Die Bildungsministerkonferenz hebt hervor, dass die Entwicklung der Schülerzahlen je nach Region unterschiedlich ausfallen wird. Die aktuelle Präsidentin der KMK, Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler), betont, dass an manchen Schulen schon heute sinkende Schülerzahlen zu beobachten seien, während anderswo die Zahlen noch über Jahre hinweg ansteigen.

Besonders deutlich wird der Rückgang den Modellrechnungen zufolge in den ostdeutschen Flächenländern sein. Dort wird bis 2040 mit einem Minus von rund 21 Prozent bei den Schülerzahlen gerechnet. Für die Bildungspolitik in Bund und Ländern bedeutet dies, Schulstandorte und Ressourcen langfristig neu zu planen.

Demografischer Wandel und Folgen für das Bildungssystem

Die neue Prognose der Kultusminister der Länder zeigt, dass sich der seit Jahren beobachtbare demografische Wandel nun deutlicher im Schulsystem niederschlägt. Wenn die Zahl der Schülerinnen und Schüler ab 2029 zurückgeht und bis 2040 um knapp 700.000 unter das Niveau von 2025 fällt, verringert sich die Auslastung vieler Schulen. Das eröffnet langfristig Spielräume bei Raum- und Zeitressourcen, stellt die Länder aber zugleich vor die Aufgabe, ihre Infrastruktur gezielt anzupassen, ohne Bildungsangebote auszudünnen.

Regionale Unterschiede und Strukturfragen

Besonders stark betroffen sind den Angaben zufolge die ostdeutschen Flächenländer, in denen bis 2040 ein Rückgang der Schülerzahlen um rund 21 Prozent erwartet wird. Das knüpft an einen bereits länger beobachteten Trend geringerer Geburtenzahlen und teils anhaltender Abwanderung an. Schulen in ländlichen Regionen geraten damit unter Druck, weil Klassen kleiner werden und Schulstandorte wirtschaftlich schwieriger zu halten sind. Gleichzeitig gewinnen Fragen nach einer sinnvollen Schulnetzplanung, möglichen Schulzusammenlegungen und der Sicherung von kurzen Wegen für Kinder und Jugendliche an Bedeutung.

Lehrkräftebedarf und bildungspolitische Chancen

Die Prognose hat auch Auswirkungen auf den Lehrkräftebedarf. Kurzfristig bleibt der Bedarf hoch, weil die Schülerzahlen zunächst weiter steigen und zugleich viele Lehrkräfte in den Ruhestand gehen. Langfristig kann der Rückgang der Schülerzahlen helfen, den heute bestehenden Personalmangel zu entschärfen, sofern die Länder ihre Ausbildungskapazitäten und Einstellungen rechtzeitig anpassen. Bildungspolitisch eröffnet der demografische Rückgang Chancen: Kleinere Jahrgänge könnten genutzt werden, um die Qualität von Unterricht zu verbessern, individuelle Förderung auszubauen und schulische Angebote wie Ganztagsbildung oder Digitalisierung konsequenter umzusetzen, ohne den Fachkräftemangel weiter zu verschärfen.

Disclaimer...

de | politik | 70125887 |